Basketball

Marko Pesic: „Die Liga muss verkleinert werden“

Zum Topspiel gegen Alba spricht Bayern-Manager Marko Pesic über den Egoismus in Europa und die Belastung der Stars.

Prestigeduell: Alba und die Bayern liefern sich seit Jahren spektakuläre Spiele. Hier kämpft der Berliner Landry Nnoko (l.) gegen die Münchner Danilo Barthel (M.) und Derrick Williams. foto: Tilo Wiedensohler/

Prestigeduell: Alba und die Bayern liefern sich seit Jahren spektakuläre Spiele. Hier kämpft der Berliner Landry Nnoko (l.) gegen die Münchner Danilo Barthel (M.) und Derrick Williams. foto: Tilo Wiedensohler/

Foto: Tilo Wiedensohler / imago/Camera 4

Berlin. Man wird sein eigenes Wort nicht verstehen, mehr als 10.000 Fans werden an diesem Sonntag die Mercedes-Benz Arena rocken. Am 30. Spieltag steht das Gipfeltreffen des deutschen Basketballs auf dem Programm, wenn Alba den FC Bayern empfängt (18 Uhr, Magentasport). Beide Klubs trennt einiges, man muss sich nur an die Finals der vergangenen Saison erinnern, als die Münchner den Berlinern Meisterschaft und Pokal wegschnappten. Aber als Spitzen-Adressen des europäischen Basketballs haben die Kontrahenten auch viele gemeinsame Interessen. Die Bayern spielten in dieser Saison in der Euroleague und sind dort in den kommenden zwei Jahren per Wildcard gesetzt. Sollten sich beide Klubs im Endspiel um die deutsche Meisterschaft erneut gegenüber stehen, werden auch die Berliner in der kommenden Saison dort spielen. Falls nicht, darf auch Alba nach dem Siegeszug durch den Eurocup auf die Königsklasse hoffen, wie Euroleague-Boss Jordi Bertomeu bei seinem Final-Besuch gerade erst in Berlin andeutete. Themen gibt es also genug, über die es sich mit dem Macher des FC Bayern, Marko Pesic (42), einem bekannter­maßen verdienten Alba-Spieler, vor dem Gipfeltreffen zu reden lohnt.

Mit welchen ­Erwartungen gehen Sie in das Duell mit Ihrem Ex-Klub, Herr Pesic?

Wir hatten nach der Euroleague-Saison ein wenig Zeit zu regenerieren, und die beiden Partien am Sonntag in Berlin und am Dienstag gegen Bamberg sind für uns eine echte Standortbestimmung vor dem Play-off. Wobei wir mit einem Sieg gegen Alba sehr gute Chancen haben, auch am Ende der Hauptrunde Erster zu sein.

Sie hatten jetzt Zeit zur Regeneration. Alba hat Stress, weil aufgrund des Erfolgs, im Eurocup bis ins Finale vorgestoßen zu sein, viele Spiele nachzuholen sind. Haben Sie ­Alba die Daumen gedrückt?

Ich drücke jeder deutschen Mannschaft die Daumen, die international spielt, und in dieser Saison stehen auch Bamberg im Final Four der Champions League und Würzburg im Finale des Fiba Europe Cups. In allen vier Wettbewerben haben die deutschen Klubs überzeugt und Alba ganz besonders. Ich glaube, wenn das Finale auf neutralem Boden ausgetragen worden wäre, hätte Alba gewonnen, aber Valencia in einer Serie zu besiegen, in der die Spanier Heimrecht haben, ist sehr, sehr schwer.

Das klingt für einen, der in acht Jahren 382 Mal das Alba-Trikot mit der Nummer ­Sieben getragen hat, sehr trocken und ­analytisch …

Keine Sorge, ich habe noch alle meine ­Alba-Trikots und die sind in Berlin. Im Play-off habe ich mir, glaube ich, jedes Spiel angeschaut, und natürlich war ich für Alba.

Alba bestreitet am Sonntag das 57. Spiel in dieser Saison, Ihr Team sogar das 62. Sie haben gegen die besten 15 Teams Europas eine Hin- und Rückrunde mit einer Bilanz von 14:16 Siegen absolviert. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Wenn man in der Euroleague spielen will, und das wollten wir, trifft man nicht nur auf tolle Gegner, sondern auch jede Menge Umstände, die schwierig sind, wie beispielsweise der gedrängte Spielplan, die Reisen, die Zeit, die man in Hotels oder auf Flughäfen verbringt. Wir haben das vor der Saison nicht als Problem angesehen, sondern als Herausforderung, und ich denke, die Mannschaft, der Trainerstab und auch die medizinische Abteilung haben einen sehr guten Job gemacht. Wir haben unsere Energie nicht darauf verwandt, darüber nachzudenken, wie kompliziert alles ist, sondern darauf, Woche für Woche die Aufgaben zu meistern, vor denen wir gestanden haben. Das ist uns parallel auch in unserem wichtigsten Wettbewerb, in dem wir Erster sein möchten, nämlich in der Bundesliga, gut gelungen.

Ihr Danilo Barthel und Albas Niels Giffey haben in der erfolgreichen WM-Qualifikation noch neun beziehungsweise zehn Länderspiele bestritten. Wenn sich München und Berlin im Finale treffen, fahren beide mit rund 80 Spielen nach China zur WM, und wenn sie Mitte September zurück­kommen, steigen sie gleich in die Saison­vorbereitung ihrer Klubs ein. Ist das noch zu verantworten?

Keine Frage, das ist für die Nationalspieler kaum zu meistern. Wir haben als einer der wenigen Euroleague-Klubs unseren Spielern freigestellt, ob sie für ihre Nationalmannschaften spielen wollen, und wenn sie gesund waren, haben sie das auch getan. Unser Beweggrund war, dass wir nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung sein wollen. Das trifft leider nicht auf alle zu. Das Problem des europäischen Basketballs ist, dass viele, ob in den Klubs, den Ligen, oder den Verbänden, nur an sich denken. Der Streit zwischen der Fiba, dem Verband, der die Nationalmannschaftsfenster während der Saison wieder eingeführt und mit der Champions League einen weiteren Wettbewerb etabliert hat und der Euroleague, hat vor allem eines gefördert: den Egoismus. Das ist meiner Meinung nach das eigentliche Problem des europäischen Basketballs und leider eines, das nur schwer zu lösen ist.

In der Euroleague, die kommende Saison noch um zwei Teams aufgestockt wird, gibt es auch sehr unterschiedliche Interessen. Für die Klubs aus Griechenland, Litauen oder Israel kann der Wettbewerb gar nicht prall genug sein, weil sie in ihren heimischen Ligen kaum auf Gegenwehr stoßen, ganz anders als in Deutschland oder in Spanien.

Das war doch immer so, und das kann man ihnen ja nicht vorwerfen. Unser Beispiel zeigt aber, dass auch bei einer starken nationalen Liga das Interesse an der Euroleague sehr groß ist. Wenn man wie wir Euroleague spielen will, darf man sich auch nicht über zu viele Spiele in der Bundesliga beklagen. Das ist zumindest meine Meinung. Die Bundesliga hat in den vergangenen Jahren eine extrem positive Entwicklung genommen, die dafür verantwortlich ist, dass die deutschen Klubs in Europa eine so gute Saison gespielt haben. Dennoch finde ich, dass die Liga verkleinert werden muss, wegen der Belastung der Spitzenklubs, aber auch, um die Basis zu stärken. Ich verfolge sehr genau die Zweite Liga Pro B, weil wir dort mit unserer zweiten Mannschaft vertreten sind. Wir haben in Münster beispielsweise vor 3000 Leuten gespielt. In den lokalen Märkten steckt noch sehr viel Potenzial. Die Strukturen dort würden durch eine Verkürzung der Ersten Liga enorm gestärkt.