Basketball

Sikmas Blackout an Albas rabenschwarzem Tag

Der US-Amerikaner enttäuscht im entscheidenden Finale gegen Valencia und zeigt trotzdem, wie wichtig er für Alba Berlin ist.

Luke Sikma (l.) wurde zum wertvollsten Spieler dieser Eurocup-Saison gewählt.

Luke Sikma (l.) wurde zum wertvollsten Spieler dieser Eurocup-Saison gewählt.

Foto: Andreas Gora / dpa

Valencia. Der Verlierer des Abends kam als letzter Spieler aus dem Pabellon Fuente de San Luis. Etwa 50 Fans warteten noch am Mannschaftsbus von Alba Berlin und applaudierten Luke Sikma freundlich, aber nicht so euphorisch wie sonst. Der Amerikaner reagierte sparsam, weder er noch einer seiner Teamkollegen hatte an diesem Abend ein Lächeln auf den Lippen. Zu bitter schmeckte die 63:89-Niederlage gegen Valencia Basket im dritten und entscheidenden Finale um den Basketball-Eurocup.

All seine fünf Würfe verfehlen das Ziel

„Das war nicht das, was ich mir erhofft hatte“, sagte Sikma mit leiser Stimme, „ich habe unter meinen Möglichkeiten gespielt.“ Bei nur fünf Würfen hatte der 29-Jährige stets das Ziel verfehlt, holte acht Rebounds und gab vier Vorlagen zu Korberfolgen, hatte aber auch fünf Ballverluste.

Für den erst vor Kurzem zum „wertvollsten Spieler“, zum MVP der Eurocupsaison gewählten Sikma ein Blackout ausgerechnet im wichtigsten Moment. „Ich weiß, ich bin ein wichtiger Teil des Teams. An solchen Tagen muss ich meine Leistung zeigen“, haderte er, „ich bin sehr enttäuscht von der Art unserer Niederlage und übernehme dafür die Verantwortung.“

Die Niederlage reißt das Team nicht auseinander

Alba-Geschäftsführer Marco Baldi fand wie der Spieler selbst wenig Worte für den enttäuschenden Auftritt des Stars. „Das ist schwer zu erklären, ich kann es auch nicht.“ Sikma sei zwar nicht MVP geworden, weil er immer 30 Punkte macht und alle Spiele allein entscheidet. „Aber man sieht, welchen Einfluss seine Spielweise und sein Charakter auf unser Spiel haben.“

Anders als in vielen anderen Partien in dieser Saison mit bisher insgesamt 52 Auftritten, von denen genau 39, also drei Viertel, gewonnen wurden (im Eurocup 17 Siege und sieben Niederlagen), kam dies in Valencia nicht zum Tragen. „Das ist natürlich bitter für uns und besonders für Luke“, sagte Baldi, der an das Team appellierte, Geschlossenheit zu wahren: „Nur so können wir bestehen.“ An aufmunternden Gesten seiner Mitspieler für den hadernden Star fehlte es schon während des Finales nicht; dass es jetzt zu einem Zerwürfnis kommt, ist eher nicht zu befürchten.

Im Liga-Alltag wartet nun Vechta

Es gibt ja noch immer ein wichtiges Ziel: in der Bundesliga möglichst weit zu kommen, vielleicht sogar den Meistertitel zu gewinnen, den ersten seit 2008. Mit einer Leistung wie am Montag, nicht nur von Luke Sikma, wird das kaum gelingen. Schon bis Donnerstag (19 Uhr, Magentasport) ist eine mentale wie physische Erholung von der Pleite dringend nötig, denn dann kommt Rasta Vechta in die Mercedes-Benz Arena, der freche Aufsteiger aus Niedersachsen, mit dem Alba ziemlich unerwartet um Tabellenplatz drei kämpfen muss.

„Das wird sehr schwer“, sagte Trainer Aito Garcia Reneses, der als einziger nicht tief frustriert wirkte vom verlorenen Finale. „Ich kenne das Potenzial von Valencia und von meinem Team. Wir bleiben mit beiden Füßen auf dem Boden“, sagte der 72-Jährige, auf dessen Verbleib in Berlin über diese Saison hinaus alle hoffen, „es ist begeisternd, diese Finalserie überhaupt erreicht zu haben. Und einmal gegen Valencia gewonnen zu haben.“

Alba fühlt sich bereit für die Euroleague

Ob diese Worte seine Mannschaft erreichen? Sicher werden die Spieler auf dem Rückflug in der Chartermaschine, die das Team bereits am Dienstag früh zurück nach Berlin brachte, zuerst noch andere Gedanken gehabt haben. Zweifel, Enttäuschung, Ernüchterung. Aber vielleicht ändert sich das schon bald.

„Es ist keine Schande, gegen Valencia zu verlieren“, erkannte Tim Schneider immerhin schon eine knappe Stunde nach dem Spiel. „Jetzt tut es sehr weh, doch wir können auch stolz sein auf das, was wir in diesem Wettbewerb erreicht haben“, sagte Martin Hermannsson.

Franz Wagner, mit 17 Jahren das Küken bei Alba, wollte sich von der gerade eingesteckten Prügel auch nicht entmutigen lassen. Macht es überhaupt Sinn, nächste Saison einen Anlauf in der Euroleague zu wagen, gegen noch stärkere Kontrahenten? „Auf jeden Fall“, sprudelte es ohne Nachdenken aus ihm heraus, „trotz der Niederlage heute hat die Saison ja auch ganz viel Spaß gemacht.“

8000 Fans in Valencia beklatschen die Berliner

Wenngleich die Berliner Spieler wie paralysiert wirkten bei der Siegerehrung, wird ihnen die Reaktion des Publikums nicht ganz entgangen sein. Als Kapitän Niels Giffey die ungeliebte Silberschale für Platz zwei im Eurocup in Empfang nahm, erhoben sich 8000 spanische Basketball-Experten von ihren Plätzen und skandierten tatsächlich „Alba, Alba“.

Ein bittersüßes Gefühl, vermutlich nicht süß genug, um sich selbst ein bisschen als Gewinner des Abends zu fühlen. Aber eine verdiente Anerkennung für eine Eurocup-Saison, in der Alba Berlin nicht nur sich selbst, sondern auch viele andere sehr positiv überrascht hat.