Eurocup-Finale

Alba verpasst in Valencia die Sensation

Die Berliner verlieren das entscheidende dritte Spiel des Eurocup-Finals in Valencia mit 63:89. Ein Topstar steht dabei neben sich.

Albas Dennis Clifford (l.) bekam Valencias Bojan Dubljevic nie in den Griff.

Albas Dennis Clifford (l.) bekam Valencias Bojan Dubljevic nie in den Griff.

Foto: Francesc JuanAFP7 / dpa

Valencia.  Geschichte wiederholt sich diesmal nicht. Die Spieler von Valencia Basket lagen sich am Montagabend überglücklich in den Armen, ihre Kontrahenten von Alba Berlin standen niedergeschlagen daneben. Die Gastgeber hatten vor zwei Jahren bei der gleichen Ausgangslage noch daheim gegen Unicaja Malaga verloren, die Berliner darauf gesetzt, dass ihnen ein ähnliches Kunststück gelingen könnte. Es blieb bei der Hoffnung.

Die Spanier gewannen durch ein 89:63 (46:33) das dritte und entscheidende Finalspiel um den Basketball-Eurocup. Ein Konfettiregen ergoss sich über sie, Euroleague-Präsident Jordi Bertomeu überreichte die Trophäe an Kapitän Rafa Martinez. Der mit 8500 Zuschauern ausverkaufte Pabellon Fuente de San Luis wurde zum Tollhaus.

Die Berliner erwischen einen furiosen Start

Valencia baute seinen Rekord aus, hat diesen Wettbewerb nun vier Mal gewonnen. „Klar, wir können auch stolz sein auf unsere Saison“, sagte Kapitän Niels Giffey, „aber jetzt tut es natürlich unheimlich weh, weil wir uns viel mehr vorgenommen hatten.“

Alba musste sich Valencia wie im Endspiel 2010 (44:67) klar geschlagen geben. Der Berliner Coach Aito Garcia Reneses (72) konnte seine spanischen Landsleute zwar im Viertelfinale (2:1 gegen Malaga) und Halbfinale (2:0 gegen Andorra) schocken, doch im finalen Spiel gelang es nicht mehr.

Albas Geschäftsführer Marco Baldi beschwor vor dem Spiel sein Team: „Wir dürfen nicht auseinanderbrechen, egal, was passiert, wie laut das Publikum wird oder welche Würfe der Gegner trifft.“ Dazu bestand jedoch zunächst keine Veranlassung.

Im wichtigsten Spiel der Saison feierte Alba den besten Start der Saison, nicht schlecht für einen Außenseiter. Martin Hermannsson, Peyton Siva, Rokas Giedraitis, Dennis Clifford und noch einmal Siva per Dreier: Nach nicht einmal vier Minuten lagen die Berliner 11:0 vorn. Valencia wirkte kurz verunsichert, traf schlecht, haderte, holte sich aber wieder die Reboundhoheit.

Peyton Siva: „Wir haben sie heiß laufen lassen“

Mit dem ersten Treffer des schon 36 Jahre alten Fernando San Emeterio zum 11:2 verflog die Irritation der Gastgeber. Sie übernahmen nun das Geschehen, verteidigten vor allem so giftig, dass Alba im Angriff nicht mehr viel einfiel. Dazu zwei vergebene Korbleger von Landry Nnoko und Johannes Thiemann, Valencia kämpfte sich so Punkt um Punkt heran.

Nach zehn Minuten lagen die Spanier nur noch mit einem Punkt hinten, dann traf Bojan Dubljevic aus der Distanz zum 18:20, und Alba sollte von dem Moment an nie mehr in Führung gehen. „Wir haben zugelassen, dass sie heiß laufen“, sagte Siva, „das hat das Spiel entschieden.“ Der schöne Vorsprung war zu schnell verspielt. Verschenkt.

Valencia lief nun förmlich heiß. 16:2 Punkte am Stück ließen das Publikum toben – 20:30. Die kleine Alba-Gemeinde auf der Tribüne wurde immer leiser, Valencias Matt Thomas immer treffsicherer. Der Amerikaner versenkte Dreier auf Dreier im Berliner Korb, 16 Punkte hatte er vor der Halbzeitpause erzielt.

MVP Luke Sikma erwischt einen rabenschwarzen Tag

Nun drohte das Alba-Team tatsächlich auseinanderzubrechen, Hermannsson und Giedraitis leisteten sich schlimme Fehlpässe, 23:40 stand es da. Noch wollten sich die Berliner in diesem entscheidenden Finale nicht geschlagen geben. Siva (13 Punkte in der ersten Hälfte) und Giedraitis (10) hielten dagegen. Aber als die Teams in die Kabinen gingen, sprach wenig für die Gäste aus Deutschland. Das Wunder von Valencia, das spürte schon jetzt jeder, es würde ausbleiben.

Fünf Minuten waren im zweiten Abschnitt gespielt, als Luke Sikma, der wertvollste Spieler (MVP) der Eurocup-Saison, ausgewechselt wurde und wütend mit der Faust auf seinen Stuhl schlug. Nichts wollte klappen, obwohl die Berliner kämpften. Doch ihre Würfe fielen nicht in den Korb, während den Spaniern sehr viel mehr gelang.

Nur Giedraitis und Siva punkten zweistellig

Die Ballverluste Albas, vor allem des unglücklichen Sikma, taten ein Übriges, darum ärgerte er sich auch so. Punkte gelangen ihm in der gesamten Partie keine, ein Totalausfall. So sehr sich die Berliner wehrten, Valencia zeigte seine größere Klasse, baute seine Führung aus. In der 28. Minute betrug der Vorsprung beim 41:61 erstmals 20 Punkte. Alba zahlte reichlich Lehrgeld gegen den deutlich stärkeren Kontrahenten.

Die Punktausbeute wurde jetzt von Viertel zu Viertel geringer. Nicht nur Sikma, auch Giffey, Nnoko oder Hermannsson waren kein Faktor. Allein Giedraitis (19 Punkte) und Siva (14), trafen zweistellig – zu wenig, um Valencia mit seinen Stars Matt Thomas (19), San Emeterio (18), Bojan Dubljevic (18) oder MVP Will Thomas (15) zu stoppen. Am Ende wurde der Tag, der zum schönsten des Jahres werden sollte, zu einem ganz bitteren für Alba. Und Valencias Fans skandierten „Campeones“. Völlig zu Recht.