Basketball

Albas wundersamer Aufstieg zum Gipfel

Alba Berlin hat eine aufregende Reise ins Eurocup-Finale hinter sich. Ein Rückblick auf Höhepunkte, Dramen und Rückschläge auf dem Weg dorthin.

Bereit für den letzten Tanz: Rokas Giedraitis, Tim Schneider, Johannes Thiemann und Peyton Siva (v.l.) jubeln nach dem Sieg in Berlin.

Bereit für den letzten Tanz: Rokas Giedraitis, Tim Schneider, Johannes Thiemann und Peyton Siva (v.l.) jubeln nach dem Sieg in Berlin.

Foto: Andreas Gora / picture alliance/dpa

Berlin. Noch ein Spiel, besser: noch ein Sieg, und Alba Berlin ist am Ziel seiner Träume. Gewinnt das Team an diesem Montag (20.30 Uhr, Magentasport, Inforadio und Public Vie­wing in der Mercedes-Benz Arena) in Valencia das dritte Endspiel um den Basketball-Eurocup, wäre das nicht nur der größte Erfolg des Klubs seit dem Gewinn des Korac Cups 1995. Es würde Alba auch den ersehnten Startplatz in der Euroleague sichern. Noch fehlt ein Schritt zum Gipfel. Die Morgenpost blickt auf eine irre Reise zum Finale zurück – mit Höhepunkten und Dramen, aber auch unerwarteten Pleiten und Verletzungen.

Alba-Trainer Aito Garcia Reneses setzt auf Attacke und Ästhetik

Trainer Aito Garcia Reneses setzt lieber auf Attacke und Ästhetik statt auf Fouls und Verteidigung. Gleich das Auftaktspiel gegen Tofas Bursa, laut Alba-Geschäftsführer Marco Baldi einer der Favoriten des Wettbewerbs, gibt Signale, wohin der Weg führt. 107:91, der erste von insgesamt sechs „Hundertern“ bisher, begeisternder Offensiv-Basketball mit einem starken Kapitän Niels Giffey (20 Punkte) und einem Spielmacher Peyton Siva, der 14 Korbvorlagen gibt. Es folgt der erste Dämpfer in einer tristen Zagreber Halle gegen knochenharte Kroaten, ein 73:75. Danach zeigen die Berliner, wozu sie fähig sind. Zum Beispiel bei Lokomotive Krasnodar, das zu der Zeit noch von Alba-Legende Sasa Obradovic trainiert wird. Ohne den verletzten Peyton Siva gewinnt Alba 83:75, für Siva führt der 21-jährige Stefan Peno Regie, weil mit Joshiko Saibou ein weiterer Point Guard über Wochen ausfällt. Luke Sikma ist mit 18 Punkten und neun Rebounds Turm in der Schlacht.

Beim nächsten Spiel in Bursa der nächste Schock: Martin Hermannsson fällt mit Bänderverletzung wochenlang aus, Peno muss allein übernehmen. Der immer stärker werdende Rokas Giedraitis (21 Punkte) rettet Alba per Dreier in die Verlängerung. Dort punktet Peno mit schwierigen Würfen, sein Team gewinnt erneut mit einem dreistelligen Resultat 106:101. Die Verletzungen schmerzen, gegen Zagreb muss der 19-jährige Jonas Mattisseck helfen. Selbst seine 16 Punkte können die erneute 102:109-Pleite gegen Cedevita nicht verhindern. Limoges wird mit letzter Kraft niedergerungen, dann kehrt Siva zurück. Vor allem den guten Leistungen Sikmas ist es aber zu verdanken, dass Alba diese Runde als Zweiter abschließt.

Nur eine Niederlage in den Top 16

Eine lösbare Gruppe, wenn der vermeintliche Favorit AS Monaco in Schach gehalten wird. Das gelingt vor eigenem Publikum beim 83:74 gleich trefflich, weil Tim Schneider (21) einen Sahnetag erwischt: 17 Punkte ohne Fehlwurf. Siva ist erneut verletzt, diesmal zwickt eine Rippe. Hermannsson ist zurück und wächst immer mehr in die Rolle des Spielmachers. Wieder folgt ein Rückschlag beim 66:78 in Belgrad gegen harte jugoslawische Basketball-Kost, doch die nächsten beiden Spiele zeigen Albas Stärke. In Vilnius scheint die Partie verloren, aber Giffey bringt sein Team mit einem Halbdistanzwurf in stärkster Bedrängnis in die Zusatzzeit. Wieder ein Fall für Peno, auch diese Verlängerung entscheidet der junge Serbe zum 94:86. Bester Mann ist Sikma: 19 Punkte, zwölf Rebounds, sechs Vorlagen. Dramatisch auch das Rückspiel sechs Tage später. Es schlägt die große Stunde des kleinen Isländers. Alba liegt 39:60 zurück, da nimmt Hermannsson einen großen Schluck aus der Zielwasserflasche. Fünf Dreier und einen Zweier später hat sein Team den Glauben zurück und gewinnt ein verrücktes Spiel noch 87:85. Die Fans haben einen neuen Liebling. Giffey hat diesen Status ohnehin. Erst recht, als er gegen Partizan mit der Schlusssirene aus der Distanz zum 97:74 trifft. Das verschafft Gruppensieger Berlin in Play-off-Viertel- und Halbfinale nach dem Modus „Best of three“ jeweils Heimvorteil. Bitter nur, dass Peno mit schwerer Knieverletzung bis zum Saisonende ausfällt.

Trainer-Fuchs Aito stoppt Malaga

Wenigstens ist Siva zurück. Und Saibou wieder der Alte, er spielt ein starkes Viertelfinale. Trotzdem Schockstarre in der Schmeling-Halle: Alba beherrscht Malaga im ersten Spiel, liegt kurz vor der Halbzeit 58:37 vorn. Keine sechs Minuten später steht es noch 61:60, ein gewisser Mathias Lessort raubt den Berlinern den Nerv. Der Franzose dunkt drei Sekunden vor Schluss zum 91:90. Alles aus und vorbei? Denkste, Malaga. Was folgt, ist eine Demonstration von Abgeklärtheit der jüngsten Mannschaft des Wettbewerbs. Wer gewinnt schon 101:81 bei diesen abgezockten Spaniern? Gegen die Dreier Albas, vor allem von Giedraitis (23 Punkte), Sikma und Kenneth Ogbe ist Unicaja hilflos. Doch es ist klar, dass Malaga im dritten Spiel bis zum Letzten kämpfen wird. Fast wäre das belohnt worden, doch der 72 Jahre alte Reneses hat eine Idee: Er stellt, was er sonst nie tut, in der Endphase auf Zonenverteidigung um. Malaga trifft in den letzten zweieinhalb Spielminuten den Alba-Korb nicht mehr und verliert 75:79. Das nennt man wohl Trainer-Fuchs.

Alba bricht Andorras Heimnimbus

Andorra ist sicher der krasse Außenseiter in diesem Play-off, erstmals in einem internationalen Wettbewerb so weit gekommen. Allerdings daheim in den Pyrenäen bis dato ungeschlagen. Alba um einen starken Siva (18 Punkte/neun Assists) muss schon im Hinspiel schwer kämpfen, vergibt einen klaren Vorsprung fast komplett, ehe Hermannssons drei Punkte zum Schluss das 102:97 sichern. In Andorra gerät das Weiterkommen überraschend kaum in Gefahr, die Berliner brechen den Heimnimbus ihrer Gastgeber mit einem 87:81. In der höchstgelegenen Hauptstadt Europas geht ihnen im letzten Viertel auch die Luft nicht aus. Wieder überragt Siva (21 Punkte).

NBA-Star Wagner zu Besuch beim Finale

Der Gegner Valencia ist aus der gleichen Kategorie wie Unicaja Malaga und hat den Heimvorteil auf seiner Seite. Den nutzen die Spanier auch im ersten Spiel. Als Alba beim 49:49 in der 23. Minute auf gutem Wege scheint, gelingt ihnen eine 14:0-Serie, welche die Partie entscheidet. Sie endet 89:75 für Valencia. Nur die Dreier von Siva (5) und Hermannsson geben den Berlinern lange Hoffnung, doch bei den Rebounds wird geschlafen. Das ist ganz anders im zweiten Endspiel, dem Höhepunkt dieser Eurocup-Saison. Da verwandeln 14.500 Zuschauer die Mercedes-Benz Arena in eine Euroleague-Arena. Da ist der Besuch des NBA-Stars Moritz Wagner, der die coole Vorstellung seines jüngeren Bruders Franz bestaunt. Da liefert Center Johannes Thiemann im vierten Viertel wichtige Punkte im richtigen Moment. Da stopft Giffey einen Dunking in Valencias Korb. Da tobt das Publikum, als Siva die Verlängerung erzwingt, in der sich Alba ganz knapp mit 95:92 durchsetzt.

So gibt es an diesem Montagabend ein echtes Finale. Der Sieger hat alles, der Verlierer einen Kloß im Hals. Für die Spanier gilt das gleiche wie für Alba. Noch ein Spiel, noch ein Sieg, dann sind sie am Ziel. In der Euroleague.