Basketball

Alba ist reif für die Euroleague

Alba-Geschäftsführer Marco Baldi gibt sich nach dem Sieg gegen Valencia euphorisch: „Wir haben unseren Weg gefunden.“

Immer nah an den Fans: Peyton Siva und sein Alba-Team bedanken sich nach ihrem denkwürdigen Erfolg gegen Valencia für die großartige Unterstützung.

Immer nah an den Fans: Peyton Siva und sein Alba-Team bedanken sich nach ihrem denkwürdigen Erfolg gegen Valencia für die großartige Unterstützung.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. In den Katakomben der Mercedes-Benz Arena begegneten sich Jordi Bertomeu und Marco Baldi kurz vor Mitternacht ein letztes Mal an diesem für beide besonderen Abend. Der Präsident der Euroleague und der Geschäftsführer von Alba Berlin verabschiedeten sich freundschaftlich. Schon am Montag sehen sie sich in Valencia wieder. Bertomeu und seine Entourage konnten in Berlin den zweitwichtigsten Pokal im europäischen Basketball ja nicht überreichen, mussten den Eurocup im Gepäck mit auf ihre Heimreise nehmen. Auch die Konfettikanonen, extra vorbereitet für den Fall, dass Valencia Basket gewinnen würde, kamen nicht zum Schuss.

Ganz Europa blickt auf diese Spiele

Zufrieden sah Bertomeu trotzdem aus. Er dürfte sich in seiner Meinung bestätigt fühlen, dass Berlin in die Euroleague gehört, die Liga der zukünftig besten 18 Teams des Kontinents. Baldi war natürlich noch zufriedener. „Das war heute eine Veranstaltung, da schnalzen alle mit der Zunge in ganz Europa“, sagte er. Mehr Drama, mehr Klasse, mehr Begeisterung kann ein Basketballspiel kaum bieten. Stolz war der Geschäftsführer, „weil heute sichtbar wurde, dass unser Konzept aufgeht. Wie die Arena aussah, was da für eine Atmosphäre herrschte. Welche Spieler in unserem Team standen. Gegen wen wir gespielt haben und dass wir so einen Kontrahenten schlagen können.“

Der Außenseiter Alba hatte eine dramatische zweite Finalpartie gegen den Favoriten und dreimaligen Cupsieger nach Verlängerung 95:92 gewonnen. Nach dem 89:75 in Spiel eins in Valencia kommt es nun dort am Montag (20.30 Uhr, Magentasport) zu einem wahren Endspiel. Prognosen? Unmöglich. Außer, dass es wohl wieder spannend wird. Sam van Rossom, mit 22 Punkten herausragender Mann beim diesmal unterlegenen Team, fand viel Lob für den Kontrahenten: „Für mich ist Alba eine der spielstärksten Mannschaften Europas“, sagte der Belgier, „nur schwer zu stoppen.“ Und: „Sie sind vielleicht die Cinderella-Story dieses Wettbewerbs.“ Die Geschichte von Aschenputtel, das sich unverhofft als schöne Prinzessin entpuppt.

Cinderella-Story soll noch nicht zu Ende sein

Ein hübscher Vergleich. Wie der Märchenfigur wurde Alba nicht viel zugetraut. Es wagte viel, um nach oben zu kommen. Investierte in Infrastruktur und Nachwuchs, statt teure Stars zu verpflichten. Das unterscheidet die Berliner von den meisten europäischen Spitzenklubs. Und jetzt erzeugten 14.500 Zuschauer eine atemberaubende Stimmung in der Mercedes-Benz Arena. Mitten in dem Trubel verwandelte das 17 Jahre junge Alba-Juwel Franz Wagner nervenstark zwei Dreier. Kapitän Niels Giffey übernahm in seiner Heimatstadt im schwierigsten Moment die Verantwortung und donnerte Valencia einen Dunking in den Korb. Johannes Thiemann, der sich in dieser Saison so oft hinter den anderen Centern gedulden musste, gelangen im entscheidenden Augenblick wichtige Punkte. Emotionen pur.

Man könnte auch von jedem anderen eine oder mehrere Aktionen herausheben, glaubt Peyton Siva. „Dieser Sieg ist großartig für das Programm Alba“, sagte der Spielmacher, dessen Korbleger zwei Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit Alba in die Verlängerung rettete, „hoffentlich nehmen wir dieses Momentum mit nach Valencia.“ Jeder sei bereit gewesen für dieses Finale, und „jeder leistet seinen Beitrag. Wir sind ein insgesamt sehr ausgeglichenes Team“. So wie Valencia – nie weiß man, wer den nächsten Angriff abschließt. Zwei Gegner auf Augenhöhe also. Das allein ist für Alba wie ein Triumph. Denn das Budget Valencias (18 Millionen Euro) liegt deutlich über dem Berlins (zehn).

Baldi glaubt, das Team bleibt zusammen

Könnte die finanzielle Unterlegenheit am Montag sogar zu einem Vorteil für die Berliner werden? „Mal sehen, wie der Druck sich jetzt verteilt. Ein größeres Budget kann auch den Druck erhöhen“, sagte Giffey. Vielleicht sei das wirklich so, gab van Rossom zu, „aber wir wollen den vierten Eurocup unbedingt“. Logisch, doch es wird nicht leichter gegen einen immer gefährlicher werdenden Gegner. „Wir haben jetzt noch mehr Selbstvertrauen“, drohte Giffey. „Wir müssen in Valencia noch mal mindestens eine so gute Leistung bringen“, prognostizierte Thiemann, „aber sie werden nicht gewinnen. Das wird nicht passieren.“

Viel Optimismus. Den formulierte auch Marco Baldi, unabhängig davon, ob sein Klub in Spanien den Eurocup erobert und den größten Erfolg seiner Geschichte feiert. „Wir können Euroleague spielen. Wir haben unseren Weg gefunden, wettbewerbsfähig zu sein. Und in der Euroleague würden wir auch den Etat erhöhen.“ Dabei gibt es manche, die meinen, Leistungsträger wie Siva, Giffey oder Luke Sikma könnten nach der Saison in anderen Topklubs für mehr Geld antreten. Baldi sagte, das glaube er nicht: „Diese Spieler lieben sich, die wollen zusammen was erreichen. Spielen wir in der Euroleague, würden wir unser Team zusammenhalten.“