Basketball

Rödl: „Alba hat eine besondere Mannschaft“

Als Alba 1995 den Korac Cup gewann, war Bundestrainer Henrik Rödl als Spieler dabei. Er glaubt, dass der Klub Vorbild für andere ist.

Henrik Rödl (l.), damals 26 Jahre jung, freut sich mit Sasa Obradovic, damals noch mit vollem Haupthaar, über den Gewinn des Korac Cups.

Henrik Rödl (l.), damals 26 Jahre jung, freut sich mit Sasa Obradovic, damals noch mit vollem Haupthaar, über den Gewinn des Korac Cups.

Foto: imago sport / Camera4

Berlin. Es ist genau 24 Jahre und 27 Tage her, dass Alba Berlin in eigener Halle ein europäisches Finale bestreiten durfte. Und nicht wenige, die schon beim 85:79 gegen Stefanel Mailand in der inzwischen abgerissenen Deutschlandhalle dabei waren, mit dem Berlins Basketballteam am 15. März 1995 den Korac Cup gewann, werden auch an diesem Freitag (20 Uhr, Magentasport) in der Mercedes-Benz Arena das zweite Spiel der Endspielserie des Eurocups gegen Valencia sehen. Vielleicht musste hier und da die Bundweite korrigiert werden oder die Frisur, aufgrund von Verfärbungen oder mangels Masse. Bei einem aber selbstverständlich nicht: Henrik Rödl (50), der dem Klub, in dem zur Legende wurde, als Bundestrainer die Daumen drücken wird.

Berliner Morgenpost: Erwartet Sie ein emotionaler Abend, Herr Rödl?

Henrik Rödl: Das hoffe ich, aber sicherlich nicht so, wie Sie vermuten. Ich freue mich sehr darüber, dass Alba wieder in einem internationalen Finale steht. Es ist eine besondere Leistung einer besonderen Mannschaft. Es macht Spaß, ihr zuzuschauen und sie spielt erfolgreich. Doch die Verbindung zum Korac Cup herzustellen, fällt mir schwer. Mit dem Sieg damals ist Alba ins europäische Rampenlicht getreten und hat als erster deutscher Klub, der in Europa einen Titel holte, eine Duftmarke gesetzt, die es noch nie gegeben hatte. Das alles soll den Erfolg jetzt nicht schmälern. Alba ist längst eine in Europa anerkannte Basketballmarke, weil der Klub seinen Weg weitergegangen ist. Dafür wäre der Titel natürlich eine riesige Belohnung.

Dazu müsste Alba nach dem 75:89 am Dienstag in Valencia das Heimspiel unbedingt gewinnen, würde damit das entscheidende dritte Spiel erzwingen, das dann am Montag abermals in Spanien ausgetragen werden würde.

Mit der Energie der eigenen Fans im Rücken traue ich Albas Mannschaft zu, das 1:1 zu machen, und es wäre toll, wenn sie sich ein drittes Spiel erarbeiten würde. In so einer Partie kann immer alles passieren.

„Junge Spieler geben Vertrauen zurück“

Sie dürften sich das Spiel zudem mit großer Freude ansehen, weil ein möglicher Erfolg auch von Ihren aktuellen Nationalspielern abhängt.

Alba war in seiner Geschichte fast immer der Spitzenklub, der auf deutsche Spieler setzte. Aber mit Aito Reneses als Coach ist da noch mal Extra-Schwung reingekommen, weil er auch den jungen Spielern großes Vertrauen entgegenbringt. Und wie die dieses Vertrauen jetzt zurückgeben, freut mich als Bundestrainer natürlich sehr. Es mit dieser Mannschaft in ein europäisches Finale geschafft zu haben, steht ganz einfach für sich.

Sehen Sie Anzeichen, dass Alba damit für andere Bundesliga-Klubs zum Vorbild wird?

Ich denke schon, dass es andere beeinflusst, wenn sie sehen, dass Alba mit dieser Philosophie Erfolg hat. Ich sehe, dass auch andere Klubs jungen Spielern Einsatzzeiten geben, die sie vorher in dem Maße nicht hatten. Das ist sicherlich etwas, was Aito in sehr positivem Sinne für den deutschen Basketball getan hat.

Kommen wir zurück auf das Spiel gegen Valencia. Ihr Blick war schon Stunden vor solchen Spielen so grimmig, dass einem Angst und Bange werden konnte. Womit ist man da beschäftigt? Kämpft man mit den eigenen Nerven?

Ich habe den ganzen Tag über die Spannung gespürt, morgens und auch vormittags beim Einwerfen. Mein Ziel war es immer, sehr fokussiert zu sein. Bei Spielen wie diesen, für die man ja als Sportler lebt, ist die Konzentration meiner Erfahrung nach auf allerhöchstem Niveau. Es ist sicherlich hilfreich, wenn man solche Situationen schon einige Male durchlebt hat, was sicherlich ein kleiner Vorteil für das Team aus Valencia ist.