Basketball

Peyton Siva ist Albas Stehaufmännchen

Zweimal in dieser Saison stoppten Alba-Spielmacher Peyton Siva Verletzungen. Rechtzeitig zum Eurocup-Finale ist er aber in Topform.

Schwer zu stoppen: Peyton Siva (r.) ist in der dritten Saison Spielmacher bei Alba Berlin.

Schwer zu stoppen: Peyton Siva (r.) ist in der dritten Saison Spielmacher bei Alba Berlin.

Foto: Annegret Hilse / dpa

Berlin.  Manchmal liegen Glück und Pech dicht beieinander, wie bei Andrew Albicy, dem Spielmacher von MoraBanc Andorra. Sicherlich ungünstig für ihn war, dass er im Halbfinale des Eurocups gegen Alba Berlin auf einen überragenden Peyton Siva traf, der sein Team dann auch glanzvoll ins Finale führte, in dem Alba an diesem Dienstag im ersten von maximal drei Spielen bei Valencia Basket (20.30 Uhr, Magentasport) antritt.

Andererseits durfte sich Albicy freuen, dass er neben Errick McCollum (Kazan), Valencias Bojan Dubljevic sowie den Berlinern Luke Sikma und Rokas Giedraitis in die Erste Fünf („Starting Five“) der Saison gewählt wurde. Denn dabei dürfte er davon profitiert haben, dass Siva in dieser Spielzeit insgesamt vier Monate verletzt war und nur elf der bislang 21 Spiele bestritt.

Wären Sivas Rippen im Oktober und Ende Dezember das rechte Knie heil geblieben, wäre auch er beim Berliner Ehrungsmarathon – Sikma wurde bekanntermaßen zum „Wertvollsten Spieler“ (MVP) und Aito Garcia Reneses zum „Besten Trainer“ der Saison gekürt – an prominenter Stelle dabei gewesen.

Wertvollster Spieler in Viertel- und Halbfinale

Die Faktenlage ist nämlich eindeutig: Siva (28) führt im Eurocup mit 15,3 Punkten, 8,5 entscheidenden Pässen und dem PIR (Performance-Index-Rating) von 18,6, in dem Gutes wie Punkte und Rebounds und Schlechtes wie Fehlwürfe und Ballverluste gegeneinander aufgerechnet werden, gleich drei Saisonstatistiken an.

„Wertvollster Spieler“ war er sogar mehrfach, am vierten Spieltag (27 Punkte gegen Gdynia) und jüngst im Viertel- und im Halbfinale. In den insgesamt fünf Play-off-Spielen gegen Malaga und Andorra kam Siva auf einen Schnitt von 15,8 Punkten und einen PIR von 19,6.

Eine Urkunde oder einen Pokal habe er nicht bekommen, sagt Albas Spielmacher, die Auszeichnung sei eher virtuell. „Das einzige, was ich davon hatte, war, dass ich immerzu eine Lage Donuts ausgeben musste“, grinst Siva. Aber das gehe schon „in Ordnung, denn als MVP werden nur Spieler von Mannschaften geehrt, die gewinnen. Einzig und allein darauf kommt es an.“

Versteht sich, dass Albas Spielmacher nach der „Best of three“-Serie gegen Valencia liebend gern die nächste Ladung Süßkram besorgen würde, zumal er ja dann in der Kabine dazu den Eurocup aufstellen und sich alle ihre Medaillen um den Hals hängen könnten. Zusätzlich Zigarren und Schampus wären auch denkbar.

Beste Offensive des Eurocups

Genau davon träumt allerdings auch Sam Van Rossom (32), der Spielmacher von Valencia Basket, der mit einem PIR von 12,9 Dritter und 9,1 Punkten pro Spiel Fünfter des Wettbewerbs ist und dessen Trefferquote bei den Dreiern von 43,5 Prozent (Siva: 51,7) sich ebenfalls sehen lassen kann.

Van Rossoms großer Vorteil: Er steht mit Valencia schon zum dritten Mal im Finale des Eurocups. 2014 konnte er ihn gewinnen, drei Jahre später scheiterte er an der Seite von Sikma erst im Finale an Malaga. Kaum einer weiß wie er, was ihn erwartet.

Peyton Sivas Highlights aus dem Halbfinale gegen Andorra

Wie Siva ist Van Rossom einer, der das Spiel in die Hand zu nehmen weiß, wenn es eng wird. Nicht zuletzt er führte Valencia mit 18:2 Siegen (Alba: 16:5) und zuletzt 14 Erfolgen in Serie durch die Eurocup-Saison.

Vor dem Duell gegen Siva und Alba setzt der Belgier in Diensten Valencias auf die „größere Erfahrung“ seines Teams. Natürlich hat er mitbekommen, dass sich die Berliner mit Auswärtssiegen in Malaga und Andorra in die Endspielserie durchgebissen haben. „Ich denke dennoch, dass der Heimvorteil ein Faktor sein wird“, sagt Van Rossom weiter.

Gegen Alba, mit einem Schnitt von 88,48 Punkten das offensivstärkste Team des Wettbewerbs (Valencia: 82,05/4.) werde es vor allem auf eine gute Verteidigung ankommen. Nichts Neues also, und schon gar nicht für sein Team, das bislang durchschnittlich nur 73,3 gegnerische Punkte (Alba: 82,24) zuließ.

Irgendwie trainieren – das geht immer

Dass Peyton Siva ab der Viertelfinal-Serie gegen Malaga gleich wieder offensiv wie defensiv zum entscheidenden Faktor in Albas Spiel werden konnte, verblüffte nicht wenige, nachdem er knapp zwei Monate verletzt gefehlt hatte. Denn als normal gilt, dass Spieler nach Verletzungen noch mal so lange brauchen, um wieder in Form zu kommen.

„Dagegen kämpfen wir an und sehen jede Verletzung auch als eine Chance an“, sagt Albas Individual-Trainer Carlos Frade. „Hast du was am Bein, kannst du mit den Händen an Details arbeiten, für die du sonst keine Zeit hast – gleiches gilt natürlich auch umgekehrt. Es gibt immer etwas, das du verbessern kannst.“

Und so humpelte Siva an Krücken schon früh wieder zur Freiwurflinie, um an seinem Wurf zu arbeiten oder saß auf einem Kasten, mit zwei Bällen dribbelnd, um sie Frade dann abwechselnd scharf zuzupassen. Am Ende seines Weges zurück kam dann die Nationalmannschaftspause für ihn goldrichtig.

Es wartet der größte Kraftakt der Saison

„Da war ich jeden Tag von morgens bis abends in der Trainingshalle. Meine Frau war mit unseren beiden Töchtern in den USA, und viel mehr als Rennen, Werfen, Essen und Schlafen habe ich nicht getan“, erzählt Siva, der bei der Aufzählung jedoch noch das Texten per Twitter (Themen: Football, Basketball, seine ehemalige Uni Louisville), seine Spielkonsole und den täglichen Anruf bei seinen drei Frauen in den USA so gegen 23 Uhr auslässt.

„Ja, ja“, lacht Siva, „aber ich schlafe schon ab und zu.“ Und gerade auf den Auswärtsreisen würde er, egal, ob in Bus, Bahn oder Flugzeug, mögliche Defizite immer wieder ausgleichen.

Ausgeschlafen und hellwach wird Albas Lenker an diesem Dienstag im „Pabellon Fuente de San Luis“ ganz sicher sein. Er hatte Berlin mit Alba bereits am Freitag verlassen und war nach dem erfolgreichen Aufwärmen (105:69) am Sonnabend im schwäbischen Crailsheim gleich nach Spanien weitergereist – zum bislang größten Kraftakt dieser Saison.