Basketball

Alba lebt seine Träume

Berlins Basketballer stehen nach dem Sieg in Andorra vor dem zweiten großen Finaltriumph auf europäischer Bühne.

Jubel nach dem Finale 1995: Trainer Svetislav Pesic stemmt vor 8600 Zuschauern in der ausverkauften Deutschlandhalle den Korac Cup in die Höhe.

Jubel nach dem Finale 1995: Trainer Svetislav Pesic stemmt vor 8600 Zuschauern in der ausverkauften Deutschlandhalle den Korac Cup in die Höhe.

Foto: dpa Picture-Alliance / Settnik Bernd / picture-alliance / dpa

Berlin. Die Nachtruhe fiel kurz aus. Um sechs Uhr morgens klingelte am Sonnabend der Wecker für die Mannschaft von Alba Berlin, die 30 Minuten später den Bus bestieg, der sie aus den Bergen Andorras zum drei Stunden entfernten Flughafen von Barcelona fuhr. Weit nach Mitternacht hatten die Alba-Profis nach dem grandiosen 87:81-Sieg bei MoraBanc Andorra beim Abendmahl zusammengesessen. Und auch wenn das Adrenalin danach noch lange nicht abebbte und an Schlaf nicht zu denken gewesen war, hätte der Morgen doch nicht schöner sein können.

Magentasport überträgt alle Final-Spiele live

Alba steht im Finale des Eurocups und trifft dort auf Valencia Basket. Die Berliner reisen zum Start der Endspielserie nach dem Modus Best of three am 9. April (20.45 Uhr) abermals nach Spanien. Der Vorverkauf für die Tickets für Spiel zwei drei Tage später in der Mercedes-Benz Arena (12. April, 20 Uhr) hat bereits begonnen. Ein entscheidendes drittes Spiel fände, falls nötig, am 15. April in Valencia (20.45 Uhr) statt. Alle Partien zeigt der Streamingdienst Magentasport live.

Baldi lobt die Leistung seines jungen Teams

Alba steht nach 1995 (Korac-Cup) und 2010 (Eurocup) erst zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte in einem europäischen Finale. „Was für eine deutsche Mannschaft ja ohnehin außergewöhnlich ist“, erklärte Marco Baldi, um stolz anzufügen: „Und für so ein junges Team wie das unsere noch mal ganz besonders“.

Gleich, nachdem der Bus die ersten Serpentinen hinter sich gelassen hatte, lagen die Finalisten hinter Albas Geschäftsführer im Tiefschlaf, im mannschaftlich ähnlich geschlossenen Auftritt wie zuvor auf dem Parkett des Poliesportiu d’Andorra. Baldi, nicht weniger müde als seine Spieler, wollte das Glücksgefühl, das er in den vergangenen knapp 29 Jahren erst zweimal erleben durfte, noch nicht loslassen, oder vielleicht hielt es ihn ja auch wach, als er die Ausläufer der Pyrenäen vorbeirauschen sah.

„Wir haben zum wiederholten Mal mit Leidenschaft, Spielfreude und Geschlossenheit einem Druck standgehalten, den man im Training nicht simulieren kann und das ist ganz einfach toll“, sagte er. Oder „total krass“, wie es Niels Giffey etwas jugendlicher ausdrückte.

Rekordsieger Valencia kommt mit 14 Siegen in Serie ins Finale

„Die Stimmung in der Mannschaft ist einfach riesig“, sagte Albas Kapitän, der sich nach der Hetzjagd der vergangenen Wochen auf eine spielfreie Woche freuen kann. „Das Pensum war riesig, vor allem für uns Nationalspieler“. Als er in Andorras Bergen in der Nacht wach lag, habe er versucht, sich „daran zu erinnern, wie es ist, aufzustehen, ohne reisen, spielen oder trainieren zu müssen“.

Alle im Team sehnten sich danach, etwas loslassen und die Akkus aufladen zu können. Der Druck käme ja schon am kommenden Sonntag in Bamberg zurück und dann erst recht gegen Valencia, das mit 14 Siegen in Folge ins Endspiel eingezogen und zudem mit sechs Finalteilnahmen und drei Titeln (2003, 2010 und 2014) Rekordhalter des Eurocups ist.

Bei Albas letztem Finale war Kapitän Giffey gerade mal 18 Jahre alt

Als Valencia 2010 den Pokal beim Final Four in Vitoria mit 67:44 im Endspiel gegen Alba gewann und die Berliner anschließend mit dem Bus nach Hause reisen mussten, weil der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajokull den europäischen Flugverkehr lahmgelegt hatte, war Giffey gerade mal 18 Jahre alt. Wenig später spielte er für die Huskies der University of Connecticut, mit denen er zweimal US-College-Meister werden sollte.

Jetzt, bei der Neuauflage neun Jahre später, Albas Kapitän zu sein, ist – richtig: „echt krass.“ Sicherlich sei Valencia der Favorit, „aber wir haben uns eigentlich gegen alle Teams in Rage gespielt und jeweils hoch geführt“, erklärt Giffey. „Mit etwas mehr Konstanz werden wir auch gegen Valencia unsere Chancen bekommen“.

Warum auch nicht? Schließlich war Alba auch im Viertel- und Halbfinale gegen Malaga und Andorra eher in der Außenseiterrolle und hat bekanntermaßen gegen beide Teams sogar auswärts gewonnen.

Spanien hat die ausgeglichenste Liga Europas

Dass die spanischen Wochen im Frühjahr einfach nicht enden wollen, sei kein Zufall, erklärt Baldi. Die Asociación de Clubs de Baloncesto (ACB), in der auch Albas letzter Gegner aus dem kleinen, unabhängigen Fürstentum in den Pyrenäen spielt, sei „in Europa die klar ausgeglichenste Liga. Da sind bei jedem Klub, auch beim Tabellenneunten Andorra, Handschrift, Kultur und Können zu erkennen“, und all das bringe zusammen mit dem Wettbewerb untereinander die Qualität, die alle in Europa zu spüren bekommen. „Und die“, schmunzelt Luke Sikma, „einem ganz besondere Erfolgsmomente beschert, wenn man sie besiegt.“

Sikma trifft auf alte Bekannte

Andorra die erste Heimniederlage der Saison beigebracht zu haben, sei „ganz besonders befriedigend gewesen“. Sikmas Smartphone fiepste und brummte gleich nach der Schlusssirene im Sekundentakt. Nicht wenige Texte kamen aus der Stadt von Albas kommendem Finalgegner, wo der US-Forward vor seinem Wechsel nach Berlin spielte.

Er wurde 2017 mit Valencia spanischer Meister und verlor im Eurocup erst gegen Unicaja Malaga. „Ich habe dort noch viele Freunde und auch ehemalige Mitspieler haben sich gemeldet“, erzählt Sikma. „Dort ein Spiel zu gewinnen, wird sicherlich schwer, aber wir alle sind begeistert, uns überhaupt diese Chance erkämpft zu haben.“ Eine Begeisterung, die in der spiel- und reisefreien Woche ganz sicher nicht abnehmen wird.