Basketball

Für Alba wird die Luft jetzt dünner

Andorra liefert noch nicht lange Spitzenleistungen im Basketball. Aber Albas Eurocup-Gegner hat Vorteile, die andere nicht bieten.

Moussa Diagne (l.) kam vom FC Barcelona in die Pyrenäen - und liefert dort starke Leistungen ab.

Moussa Diagne (l.) kam vom FC Barcelona in die Pyrenäen - und liefert dort starke Leistungen ab.

Foto: Maksim Bogodvid / picture alliance / Maksim Bogodvid/Sputnik/dpa

Berlin. Vielen ist bekannt, dass man in Andorra gut Ski laufen kann. Spätestens seit dem vergangenen Wochenende, als Deutschlands Slalom-Ass Felix Neureuther beim Saisonfinale des Weltcups in den Pyrenäen seine erfolgreiche Karriere beendete. Die Crème de la Crème der Alpinen hat das Fürstentum und vor allem das Örtchen Soldeu, in dem 2013 gerade mal 589 Einwohner gezählt wurden, schon längst für sich entdeckt.

Andorra hat nicht nur gute Skipisten

Dass abseits der 63 Lifte und rund 200 Kilometer Pisten auch noch „Basketball made in Andorra“ europaweit Schlagzeilen macht, ist hingegen relativ neu. In Spanien spielt MoraBanc Andorra nach knapp zwanzig Jahren Abstinenz erst seit 2014 wieder in der ersten Liga ACB, der stärksten Europas. Knapp fünf Jahre später hat der Klub an diesem Dienstag bereits den ersten europäischen Titel im Visier, ist im Halbfinale des Eurocups bei Alba Berlin in der Mercedes-Benz Arena (20 Uhr, Magentasport) zu Gast.

Vor dem Hintergrund, dass MoraBanc erst seine zweite Saison im Eurocup bestreitet, staunen auch Insider des spanischen Basketballs wie Himar Ojeda über die „raketengleiche Entwicklung“ des Teams aus Andorra. Allerdings blicke der Architekt des Erfolges, sein Gegenüber Francesc Solana (47), auf die Erfahrung aus elf Jahren als Spieler in der ACB zurück und mache „einen überragenden Job“, lobt Albas Sportdirektor den Kollegen. Coach Iban Navarro (42) entstammt der Schule des Euroligisten Baskonia Vitoria, und „beide haben eine wirklich sehr gute Mannschaft zusammengestellt, Respekt!“

Generalprobe in Burgos geht für MoraBanc verloren

Eine, erklärt Ojeda weiter, in der auch „viele der Ausländer vom spanischen Basketball geprägt sind“. Center Moussa Diagne (25) aus dem Senegal (2,11 Meter) zum Beispiel kam 2017 vom FC Barcelona in die Pyrenäen und spielt schon seit 2011 in Spanien. Der Tscheche David Jelinek (28) lief als 18-Jähriger bereits in Badalona auf. Die Organisation des Spiels liegt in den Händen des Franzosen Andrew Albicy (28) und des US-Spielmachers mit serbischem Pass, Dylan Ennis (27). Beide sind mit 11,5 und 12,4 Punkten pro Spiel auch Topscorer ihres Teams.

Im Viertelfinale setzte sich Andorras Team ohne Heimvorteil mit einem Auswärtssieg im entscheidenden dritten Spiel bei Asvel Villeurbanne (82:80) durch, dem Team mit der bis dahin besten Verteidigung des Wettbewerbs. Die Generalprobe zum Duell mit Alba verlor MoraBanc allerdings am vergangenen Sonnabend in der ACB bei San Pablo Burgos mit 62:66. Wie dort werden auch in Berlin der serbische Center Oliver Stevic und US-Forward David Walker verletzt fehlen, was die Mannschaft nach der Einschätzung Ojedas jedoch kaum schwächen dürfte.

Arena Poliesportiu d’Andorra gilt als ein hartes Pflaster

Dass eine Mannschaft aus einem Fürstentum, das mit 468 Quadratkilometern nur etwas mehr als halb so groß ist wie Berlin (891,68 qkm) und in dem knapp 77.000 Einwohner leben, in der ACB auf Rang neun mitmischt und in einem europäischen Halbfinale steht, liegt auch daran, dass Sportdirektor Solana ein nicht zu unterschätzender Vorteil in die Hände spielt. Die Zeiten, in denen man in Andorra zollfrei einkaufen konnte, seien zwar vorbei, erklärt Ojeda: „Aber noch immer sind die Steuern wesentlich geringer als in Spanien.“ Auch wenn Andorra nicht so reich ist wie beispielsweise das Fürstentum Monaco, kann man also dort auch mit einem geringeren Budget konkurrenzfähig sein.

Viele Teams bereiten sich im Fürstentum, in dem Katalan gesprochen wird, auf die Saison vor, erzählt Albas Sportdirektor. Besuche während der Spielzeiten sind jedoch weit weniger beliebt, nicht nur, weil MonaBanc als einzige Mannschaft in Andorra Spitzensport bietet und die Fans den Poliesportiu d’Andorra, der gerade eben 5000 Zuschauer fasst, zu einem ganz harten Pflaster machen.

Auch Unics Kasan reiste mit einer Niederlage heim

„Egal, wie du anreist, du hast immer noch eine zweistündige Busfahrt vor dir“, erzählt Luke Sikma, der zuletzt mit Valencia in Andorra antrat. „Die Halle ist sehr eng und laut, und du spürst auch irgendwann die Höhe, wenn dir die Puste ein wenig ausgeht“ sagt Albas Leitwolf. 65 Berggipfel in dem winzigen Land übersteigen die 2000-Meter-Grenze.

Die Luft wird dort sozusagen dünner, wenngleich der Amerikaner hinzufügt: „Ich habe dort schon gewonnen.“ Das hat er am Freitag in Spiel zwei der Serie (20.15 Uhr) auch wieder vor, obwohl Albas Halbfinalgegner in dieser Saison noch keines seiner neun Eurocup-Heimspiele verloren hat. Unics Kasan, Zenit St. Petersburg, AS Monaco oder Cedevita Zagreb – alle mühten sich vergeblich. Dort mit dem Rücken zur Wand zu stehen, wollen Sikma und sein Team auf jeden Fall vermeiden und gleich im ersten Spiel „mit unseren Fans im Rücken den Heimvorteil nutzen“.

Alba liegt in mehreren Statistiken vorn

An Selbstbewusstsein sollte es Alba nicht fehlen. Die Berliner siegten bei ihrer Generalprobe in Gießen 101:96, und in Europa sind sie auf Rekordjagd: Alba gewann gegen Unicaja Malaga in der Geschichte des Eurocups als erstes Team eine Play-off-Serie nach einer Heimniederlage zum Auftakt. Noch nie machte eine Mannschaft wie die Berliner im Viertelfinale in einer „Best of three“-Serie mehr als 217 Punkte. Nach den bislang 19 Partien, die Alba unter Coach Aito Reneses absolvierte, sind 22,9 Assists und 87,8 Punkte pro Spiel ebenfalls Liga-Bestmarken. Lorbeer, der in Spiel eins gegen Andorra nicht zählt, aber: Gegenwind geht anders.