Basketball

Albas magischer Abend

Warum Albas Einzug ins Eurocup-Halbfinale der Sehnsucht der Berliner Basketball-Fans nach Titeln neue Nahrung gibt.

Ufta, ufta, ufta, tätärää: Peyton Siva (l.) haut auf die Pauke, die Fans feiern mit der Alba-Mannschaft ihren großen Erfolg.

Ufta, ufta, ufta, tätärää: Peyton Siva (l.) haut auf die Pauke, die Fans feiern mit der Alba-Mannschaft ihren großen Erfolg.

Foto: Tilo Wiedensohlervia www.imago-images.de / imago images / Camera 4

Berlin. Die Feierbiester unter den Fans von Alba Berlin wollten ihre Mannschaft nicht so schnell aus der Arena lassen. Nach dem 79:75 gegen Unicaja Malaga und dem Einzug ins Halbfinale des Basketball-Eurocups wurden die Spieler kurzerhand in die Kurve der treuesten Zuschauer beordert. Peyton Siva haute lachend auf die Pauke, alles tanzte und hüpfte. Die Stimmung der Fans war, wen wundert es, super-optimistisch. „Wir holen die Meisterschaft“, sangen sie. Pause. „Und den Europacup.“ Pause. „Und der Pokal - ist scheißegal!“

Das junge Team erzielt erste Ergebnisse

Das war so etwas wie eine Zusammenfassung der bisherigen Saison aus ihrer Sicht. Natürlich schmerzt die Niederlage im Pokalfinale in Bamberg noch. Aber für die jungen Berliner Spieler, formulierte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi, „ist das heute Gold“. Was ihn besonders freute, war, dass sie auch bei einem 13-Punkte-Rückstand Mitte der zweiten Halbzeit nicht verrückt spielten, sondern die Ruhe bewahrten. Zeichen von Qualität und einer Entwicklung in die richtige Richtung: „Man kann mit einer jungen Mannschaft nicht nur begeisternden Basketball spielen. Man kann auch Ergebnisse erzielen.“

Schönes Spiel

Das Erreichen des Pokalendspiels war schon ein Ergebnis. Der Einzug ins Halbfinale des Eurocups ist erst recht eins für eine deutsche Mannschaft. Erst zweimal hat es das gegeben. 2017 stand dort Bayern München. Und schied aus gegen: Malaga. 2010 erreichte Alba sogar das Endspiel und unterlag Valencia. Vielleicht kommt es im April zu einer Revanche. Die Spanier haben es nach dem Modus „Best of three“ jetzt mit Unics Kasan zu tun. Alba trifft auf MoraBanc Andorra, wieder mit Heimvorteil. Die Serie beginnt am nächsten Dienstag (20 Uhr/Magentasport) in der Mercedes-Benz Arena. Das zweite Spiel findet am Freitagabend darauf in den Pyrenäen statt. Steht es dann 1:1 nach Siegen, ist Berlin am 27. März Schauplatz des dritten, entscheidenden Halbfinales.

Halbfinal-Gegner Andorra erscheint schlagbar

Eine Hürde, die überwindbar erscheint, wenn man gerade Malaga ausgeschaltet hat, ein europäisches Schwergewicht, das seine Teilnahme am Eurocup statt an der Euroleague als ärgerlichen Ausrutscher ansieht. Andorra ist Tabellenneunter in der spanischen Liga ACB, der Außenseiter des verbliebenen Quartetts.

Die Berliner Helden des Abends genossen ihren Triumph, ließen aber durchklingen, dass sie die Reise über den Kontinent nun bis zum Ende gehen wollen. „Das ist auf jeden Fall ein riesiges Ereignis für uns“, sagte etwa Kapitän Niels Giffey, „aber noch kein Erfolg, den man sich unter die Hallendecke hängen kann.“ Noch kein Titel. Martin Hermannsson fügte an: „Es ist großartig, gegen einige der besten Teams Europas anzutreten und als Sieger daraus hervorzugehen. Das macht mich sehr glücklich. Wir müssen jetzt schnell auf den Boden kommen und uns auf die nächsten Spiele konzentrieren.“ Johannes Thiemann sagte: „Es ist einfach nur geil, dass wir dieses Spiel gewonnen haben. Jetzt bereiten wir uns auf das Halbfinale vor.“

Hohe Führungen halten nicht immer

Die Begeisterung ist nur zu verständlich. Andersherum gesagt: Wie tief wäre wohl die Enttäuschung über eine weitere vergebene Großchance gewesen? Schon vorher hat es ja beeindruckende Resultate gegeben, den Sieg im Pokal-Viertelfinale in München, die Erfolge in Krasnodar oder Monaco. In Malaga. Aber es gab auch die Pleiten in Vechta, Göttingen, gegen Oldenburg. Gegen Malaga im ersten Spiel. In Bamberg.

Dort und jetzt zeigte sich, dass im Basketball manchmal hohe Führungen bedeutungslos sind. Und dass Winzigkeiten den Ausschlag geben. In Bamberg schien das Spiel für Alba schon gewonnen, doch über viele Umwege landete der Ball bei Nikos Zisis, der den bittersüßen Dreier verwandelte. Gegen Malaga schien der Ball kurz bei den Spaniern zu landen, sprang hin und her, ehe Rokas Giedraitis das erlösende 78:75 erzielte.

Diesmal landet der Ball in den Händen der Berliner

„Deshalb ist es so ein riesiger Sieg“, sagte Giffey, „weil wir in letzter Zeit solche Spiele ab und an verloren haben. Jetzt ist der Ball mal in unsere Hand gefallen.“ Vielleicht, und das ist die These von Baldi, war es das Zusammenspiel verschiedener Kräfte, das mit den Zuschauern begann. „Als sie aufgestanden sind, hatte das Einfluss auf das Spiel.“ Da führten die Gäste mit 13 Punkten. „Alle haben das gesehen, die Schiedsrichter, Malaga, unsere Spieler: Wir haben ein Heimspiel, das geben wir nicht her.“ Und sie gaben es auch nicht her.

Hinzu kam kurz vor dem Ende eine taktische Variante von Alba-Trainer Aito Garcia Reneses, die Unicaja überforderte. Er stellte auf eine Zonenverteidigung um, sehr unüblich für ihn. Dadurch ist es unter den Körben enger für die gegnerischen Angreifer, die Schützen werden quasi aufgefordert, von außen zu werfen. „Ein hohes Risiko“, sagte Baldi. Denn die Spieler Malagas können das normalerweise sehr gut. Doch sie hatten nicht mit dieser Art Verteidigung gerechnet, fühlten sich unwohl und trafen nicht mehr.

Magie von Aito strahlt zusätzlich über dem Sieg

Wer gewinnt, hat recht. Die Magie des 72 Jahre alten Trainers, die nach dem verlorenen Pokalfinale und der Heimniederlage gegen Malaga ein wenig gelitten hatte, strahlte zusätzlich über diesem Alba-Sieg. Und gab der großen Sehnsucht der Berliner, nicht nur ihrer Fans, nach einem großen Titel neue Nahrung.