Basketball

„Wir finden immer einen Weg, wieder aufzustehen“

Morgenpost-Interview mit Martin Hermannsson von Alba Berlin vor dem entscheidenden Viertelfinale des Basketball-Eurocups gegen Malaga

Auf zum letzten Gefecht: Martin Hermannsson (l.) trifft an diesem Mittwoch zum dritten Mal in einer Woche auf Brian Roberts und Unicaja Malaga. Der Sieger des Spiels steht im Eurocup-Halbfinale.

Auf zum letzten Gefecht: Martin Hermannsson (l.) trifft an diesem Mittwoch zum dritten Mal in einer Woche auf Brian Roberts und Unicaja Malaga. Der Sieger des Spiels steht im Eurocup-Halbfinale.

Foto: Andreas Gora / picture alliance/dpa

Berlin. Martin Hermannsson ist gleich in seiner ersten Saison bei Alba Berlin zum Leistungsträger geworden. Der 24 Jahre alte Isländer überzeugt durch seine hohe Konstanz, als guter Verteidiger, Schütze und Vorlagengeber. Vor dem dritten Viertelfinale im Basketball-Eurocup gegen Malaga an diesem Mittwoch (19 Uhr/Magentasport) sprach er mit der Berliner Morgenpost über den Schlüssel zum Weiterkommen, die Euroleague-Reife seines Teams und erzählte, warum er sogar an seinem freien Tag in der Mercedes-Benz Arena war.

Berliner Morgenpost: Herr Hermannsson, Ihr Trainer hat der Mannschaft nach dem 78:94 am Sonntag gegen Oldenburg einen trainingsfreien Tag verordnet. Wie haben Sie ihn verbracht? Mit Ihrem kleinen Sohn, um auf andere Gedanken zu kommen?

Martin Hermannsson: Nein, Manuel ist gerade bei seinen Großeltern in Island. Meine Frau ist aber schon Montag nach Berlin zurückgekehrt, so dass wir jetzt ein paar Baby-freie Tage haben. Wir waren in der City, haben Kaffee getrunken. Und abends sind wir in die Arena gegangen.

Wieso denn das?

Zum Konzert von Shawn Mendes. Das hat Spaß gemacht. Ich glaube, den freien Tag haben wir Spieler alle gebraucht. Er war gut, die Batterien wieder aufzuladen und bereit zu sein für das große Spiel am Mittwoch.

Ist es für Sie das bisher wichtigste Spiel in dieser Saison?

Eines der wichtigsten. Die Pokalspiele waren auch wichtig. Aber ins Halbfinale des Eurocups zu kommen, wäre nicht nur großartig für die Mannschaft. Sondern auch für Alba Berlin generell.

Und wenn es nicht gelänge? Beschäftigen Sie sich auch damit?

Natürlich wären alle sehr enttäuscht. Alba hat im Eurocup jetzt bereits einen Schritt vorwärts gemacht im Vergleich zur vergangenen Saison, darauf können wir stolz sein. Ich glaube, niemand hat vor der Saison erwartet, dass wir den Cup gewinnen werden. Aber jetzt, wo wir schon so weit sind, wollen wir auch noch weiter kommen.

Bisher war es eine verrückte Serie gegen Malaga, mit zwei Auswärtssiegen. Was erwartet die Fans am Mittwoch?

Das stimmt, wer hätte gedacht, dass wir Malaga in ihrer eigenen Halle mit 20 Punkten Vorsprung besiegen können? Unsere Fans gehören zu den besten in Europa, zu Hause zu spielen, ist deshalb ein großer Vorteil für uns. Wir haben nicht oft hier verloren, wir wollen unseren Fans einen Sieg schenken. Und ein anderes Gesicht als am Sonntag zeigen.

Wie schwer lastet die Niederlage gegen Oldenburg auf Ihren Schultern?

Es tut sehr weh, auch weil wir in der Liga nah beieinander stehen. Es war nicht unser Abend, wir hatten eine anstrengende Woche, konnten uns kaum auf Oldenburg vorbereiten. Sie konnten das. So gesehen, war das Spiel eines unter etwas ungleichen Voraussetzungen. Dazu haben wir nicht getroffen wie sonst. Der größte Unterschied war, dass wir nicht mit der üblichen Energie gespielt haben. Die Stimmung ist deswegen aber nicht schlecht im Team. Wir glauben, eine normale Serie gegen Oldenburg würde anders ausgehen.

Die vergangene Woche war speziell. Alba war am Boden zerstört nach der unglücklichen Niederlage gegen Malaga. Alba schwebte nach dem Triumph in Spanien. Dann die Pleite gegen Oldenburg. Wie sind diese Aufs und Abs zu erklären?

Wir sind ein junges Team, das könnte ein Grund sein, dass wir nicht so viel Erfahrung haben. Malaga hat uns sehr viel Kraft gekostet. Oldenburg hat gut getroffen, und wir haben gespürt, dass wir an diesem Tag nicht gut genug waren, ich auch nicht. Was wir tun können, ist positiv bleiben. Jeder von uns will ins Halbfinale. Und nicht nach hinten schauen.

Hand aufs Herz: Wäre es nicht angenehmer, sich wie Oldenburg ganz auf die Bundesliga konzentrieren zu können? Andernfalls geht es im Eurocup schon nächste Woche weiter. Der Stress würde nicht nachlassen.

Das ist kein Gedanke. Es macht viel mehr Spaß, Spiele zu machen als zu trainieren. So wirst du auch besser. Okay, zwei Tage zwischen den Partien wäre schon gut. Wir sind nur Menschen, unsere Körper werden auch mal müde, mental ist es sehr anstrengend. Wenn ich mir was aussuchen könnte, würde ich gern ins Halbfinale. Es ist doch eine Gnade, dort mitmischen zu können.

Sie sind selbst erst 24 Jahre alt, müssen aber bereits sehr viel Verantwortung übernehmen. Wie sind Sie persönlich mit Ihrer Saison zufrieden?

Ich liebe es, in Berlin zu sein. Der Verein, die Coaches, die Betreuer, meine Mitspieler – alles ist hochprofessionell, und es sind viele gute Menschen hier. Aber ein bisschen stimmt es schon: Manchmal denke ich, die Leute glauben, ich sei 35. Es ist meine erste Saison im Eurocup. Meine erste Saison mit zwei Spielen pro Woche. Ich lerne das und versuche, besser zu werden. Die Chemie im Team ist sehr gut, trotz der vielen Verletzungen, gerade bei den Spielmachern, das hat uns in unserem Rhythmus schon gestört. Es ist eine harte Saison unter diesem Gesichtspunkt. Aber wir haben noch immer Wege gefunden, auch ohne Schlüsselspieler zurückzukommen und große Spiele zu gewinnen. Ich finde, dass die Mannschaft insgesamt ihre Sache sehr gut macht. Wenn wir jetzt gesund bleiben, können wir am Ende der Saison sehr, sehr stark sein.

Albas Ziel ist es, nächste Saison in der Euroleague zu starten. Wäre die Mannschaft, so wie sie jetzt ist, dazu in der Lage?

Ich glaube schon. Die meisten unserer Leute könnten ja schon dort sein. Wir könnten jetzt bereits einige Euroleague-Teams ärgern, da habe ich keinen Zweifel.

Wie richtet Ihr Trainer Aito Garcia Reneses Sie nach einer Niederlage wie gegen Oldenburg wieder auf? Hat er einen speziellen Trick?

Den gibt es nicht. Wir haben alle schon wichtige Spiele verloren und müssen einen Weg finden, wieder aufzustehen. Das ist uns nach dem Pokalfinale in Bamberg ganz gut gelungen. Wir müssen an die guten Spiele denken, positiv bleiben. Es gibt keine Geheimnisse. Wir müssen gegen Malaga zusammenhalten, mit voller Energie spielen und selbstbewusst bleiben.