Basketball

Zum Feiern bleibt Alba noch Zeit genug

Ein großer Sieg für Alba Berlin in Malaga, doch mit Oldenburg wartet schon die nächste schwere Aufgabe. Deshalb fiel die Feier diesmal noch aus.

Mit harten Bandagen ging es zu zwischen Malagas Ryan Boatwright und Peyton Siva. Die blutige Nase holte sich der Alba-Spielmacher allerdings durch einen Schlag von Sasu Salin.

Mit harten Bandagen ging es zu zwischen Malagas Ryan Boatwright und Peyton Siva. Die blutige Nase holte sich der Alba-Spielmacher allerdings durch einen Schlag von Sasu Salin.

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Es hätte genügend Anlässe zu einer kleinen Party gegeben. Joshiko Saibou feierte in Malaga am Freitag seinen 29. Geburtstag. Alba Berlin feierte an der Costa del Sol seinen höchsten Auswärtssieg gegen einen spanischen Kontrahenten in fast 30 Jahren Europapokal-Geschichte des Basketball-Klubs. Vor allem feierten die Berliner so etwas wie eine Wiederauferstehung im Eurocup-Viertelfinale nach dem Modus „Best of three“, denn von vielen waren sie schon abgeschrieben worden.

Showdown am Mittwoch in Berlin

Nun kommt es am Mittwoch (19 Uhr, Magentasport) in der Mercedes-Benz Arena zum Showdown gegen Unicaja Malaga um den Einzug ins Halbfinale. Doch nach dem 101:81-Triumph im Palacio de Deportes wollten die Spieler von Trainer Aito Reneses Garcia nicht feiern, sondern nur eines: schlafen, sich ausruhen. Der Stress geht nämlich jetzt erst richtig los.

Schon an diesem Sonntag (18 Uhr, MB Arena) sind die Baskets Oldenburg zu Gast in Berlin. Die Niedersachsen haben in dieser Saison als einziges Team in der Bundesliga Bayern München bezwungen, sind Tabellenzweiter und hatten eine Woche Zeit der Vorbereitung. Kein Kontrahent für zwischendurch, so viel steht fest. „Nicht gerade perfektes Timing“, sagte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi. Sein Team landete am Samstagnachmittag müde in Berlin. Ein richtiges Training gibt es nicht vor dem Topspiel, nur ein bisschen Werfen, eine kurze Besprechung, das war’s. Natürlich ist das „schwierig jetzt. Aber dafür ist unsere Stimmung gut.“

Siva spielt auch mit angebrochener Nase stark

Sie darf es sein. Eine solche Leistung hat man in dieser Saison vielleicht einmal gesehen von der Berliner Mannschaft, beim Sieg in München im Pokal-Viertelfinale. Diesmal war der Druck noch höher. Spielmacher Peyton Siva bekam in der ersten Hälfte einen Schlag auf die Nase. „Die ist sicher zumindest angebrochen. Das hat geblutet wie verrückt“, sagte der Manager. Luke Sikma, der zweite Alba-Anführer, war relativ früh mit vier Fouls belastet. Trotz aller Nasenstüber ließ Alba nie nach. „So konstant über 40 Minuten zu spielen, das hat uns alles abverlangt“, sagte Baldi, „aber es war sehr erfüllend, das zu sehen. Alle waren da, jeder, der von der Bank kam. Und unter dem Korb waren wir diesmal stärker.“

Die im ersten Spiel etwas schwächelnden Llandry Nnoko und Scharfschütze Rokas Giedraitis (23 Punkte) besonders, aber Saibou, Niels Giffey, Martin Hermannsson, der in Hälfte zwei wieder mitwirkende Siva kaum weniger. Ein Auftritt wie aus einem Guss. Nicht nur ganz viel Leidenschaft, sondern auch sehr hohe Qualität. Über 60 Prozent Wurfquote, fast 60 Prozent Dreierquote, mehr Rebounds, Korbvorlagen, weniger Ballverluste. Anders ist ein derart klarer Sieg in Malaga ja auch gar nicht zu erklären. Dieser zwölfte Erfolg Albas in Spanien im 31. Anlauf.

Scherbenhaufen von Bamberg noch nicht vergessen

Aber: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, das wissen sie nur zu gut in der Berliner Basketball-Manufaktur. Erst vor zwei Wochen hatte Alba nach dem verlorenen Pokalfinale in Bamberg vor einem Scherbenhaufen gestanden. Deshalb sagte Baldi: „Diesmal hatte Malaga seine fünf Minuten, so wie wir drei Tage vorher.“ Da hatte Alba eine 21-Punkte-Führung hergegeben und 90:91 verloren. Auch Trainer Reneses warnte: „In der gleichen Weise, wie sie bei uns gewonnen haben, haben wir jetzt bei ihnen gewonnen. Wir wissen nicht, was im dritten Spiel passiert.“

Beides ist gut gesagt, doch man darf auch feststellen, dass Alba in Malaga die klar bessere Mannschaft war – und eigentlich in Berlin auch, wenn sie nicht für wenige Minuten nachgelassen hätte. Bringen die Berliner in Viertelfinale drei ihre Leistung, kommen sie weiter.

Mit Leistung wie in Malaga ist nichts auszuschließen

Nur beschreibt sich das leichter, als es sich aufs Feld bringen lässt. Das Spiel in Spanien hat sehr viel Energie gekostet. Wer weiß, was gegen Oldenburg wieder passiert. Kraft, auch mentale Bereitschaft, lässt sich schwer erzwingen. Um wieder zu Kräften zu kommen, ist Schlaf dafür ein erprobtes Mittel. Zum Feiern ist noch Zeit genug. Vielleicht an diesem Sonntagabend. Vielleicht am Mittwochabend. Vielleicht sogar noch viel später in dieser Saison. Mit Leistungen wie in Malaga ist nichts auszuschließen.