Basketball-Pokal

Titel bleiben auch für Alba die härteste Währung

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Dietmar Wenck
Tim Schneider, Derrick Walton Jr., Luke Sikma, Peyton Siva, Joshiko Saibou und Niels Giffey (v.l.): Die Enttäuschung ist den Berlinern nach dem verlorenen Pokalfinale anzusehen

Tim Schneider, Derrick Walton Jr., Luke Sikma, Peyton Siva, Joshiko Saibou und Niels Giffey (v.l.): Die Enttäuschung ist den Berlinern nach dem verlorenen Pokalfinale anzusehen

Foto: Nicolas Armer / dpa

Dietmar Wenck sieht in Albas dritter Final-Niederlage in Folge auch Risiken, traut den Berlinern in dieser Saison aber noch einiges zu.

Der erste Titel ist ein bisschen wie der erste Kuss: Man vergisst ihn nicht so schnell. Erst recht nicht, wenn man ein Weilchen darauf warten, sich sogar mächtig dafür ins Zeug legen musste. Die Mannschaft von Alba Berlin erlebt das gerade so. Im vergangenen Jahr schon war sie zweimal drauf und dran, beide Male verdarb ihnen Bayern München den Genuss im letzten Moment. Diesmal haben die Berliner den großen Rivalen von der Isar frühzeitig aus dem Wettbewerb geworfen, sich aber im Endspiel in Bamberg trotzdem nicht belohnt. Bei den Hürden, die Alba auf dem Weg ins Finale überwunden hat: Das Team hätte den Pokalsieg verdient gehabt. Doch dafür hätte es eine konzentrierte Leistung von Anfang an zeigen müssen. Brose Bamberg ist eben auch keine Laufkundschaft, besonders nicht in der eigenen Halle.

Die Niederlage verstärkt Albas Dilemma. Nicht noch einmal wollte man so eine Saison wie die vergangene erleben müssen, in der es Lob von allen Seiten gab. Was für eine wunderbare Mannschaft. So viel Talent, so viel Tempo, so ein großartiger Zusammenhalt und bei aller notwendigen Ernsthaftigkeit: so viel Lachen. So ein besonderer Trainer, der mit inzwischen 72 Jahren dem deutschen Basketball so viel Vertrauen in die Jugend zurückgibt. Solche Fans, die in den schwersten Momenten am dichtesten bei ihrem Team stehen. Doch am Ende gehen Sikma, Siva und Co. bisher stets leer aus. Trophäen, immer noch die härteste Währung im Sport, sammelt nur Albas Nachwuchs in der NBBL und JBBL ein.

Der Pokalsieg hätte viel Rückenwind geben können. Die Wochen der Entscheidungen beginnen ja gerade. Alba hat sich im Eurocup in eine vielversprechende Ausgangslage gebracht, über das Viertelfinale weit hinauszukommen. Die Berliner sind in der Bundesliga ebenfalls auf einem guten Weg, ihr angepeiltes Ziel zu erreichen, mindestens die Finalserie um die deutsche Meisterschaft. Nächstes Jahr will der Klub in den Kreis der Besten auf dem Kontinent zurückkehren, in die Europaliga. In Berlins großem Basketballklub wird seit einiger Zeit wieder sehr vieles richtig gemacht. Nun muss sich aber zeigen, welche Folgen die neuerliche Enttäuschung in der Mannschaft hat. Hadert sie, oder wird ihr Verlangen jetzt umso größer? Für den ersten Kuss ist es nie zu spät. ​