Basketball

Frischer Wind in Freak City

Im Basketball-Pokalfinale gegen Alba hofft Bamberg auf den Befreiungsschlag, um ein weiteres Jahr ohne Titel zu verhindern.

In Bamberg wird wieder häufiger gejubelt – wie hier nach dem Einzug ins Pokal-Endspiel.

In Bamberg wird wieder häufiger gejubelt – wie hier nach dem Einzug ins Pokal-Endspiel.

Foto: Nicolas Armer / dpa

Berlin.  Es klingt nach einer Saison zum Vergessen für Brose Bamberg, den neunmaligen deutschen Basketball-Meister. Ende November wurde Geschäftsführer Rolf Beyer wegen „finanzieller Unregelmäßigkeiten“ gefeuert. Sogar von Insolvenzgefahr war die Rede. Am 14. Januar folgte ihm Trainer Ainars Bagatskis; der Lette hatte 197 Tage vergeblich versucht, als Nachfolger von Erfolgscoach Andrea Trinchieri das Team auf Erfolgskurs zu bringen. Danach erwischte es den serbischen Nationalspieler Stevan Jelovac. Auch er musste gehen. Immer neue Unruhe. Chaostage in Bamberg. Von zehn Heimspielen in der Bundesliga waren sechs nicht ausverkauft – die Fans zeigen ihre Unzufriedenheit. So etwas war bisher in „Freak City“ noch undenkbar.

In allen Wettbewerben noch im Rennen

Beste Voraussetzungen also für Alba Berlin, an diesem Sonntag (15 Uhr, Sport1 und Magentasport) zum zehnten Mal Pokalsieger zu werden? Die Berliner tun gut daran, sich vor solchen Gedanken zu hüten. „Bamberg“, sagt Geschäftsführer Marco Baldi, „läuft ein bisschen unter dem Radar.“ Alles konzentriere sich auf den vermeintlichen nationalen Zweikampf zwischen Bayern München und Alba. Doch bei genauer Betrachtung der Fakten ergibt sich ein differenzierteres Bild.

„Sie sind genau wie wir in allen Wettbewerben noch drin“, betont Baldi. In der Bundesliga ist Brose mit 28:10 Punkten Fünfter hinter Alba (28:8). Berlin steht im Viertelfinale des Eurocups, Bamberg im Achtelfinale der Champions League. Im Pokalfinale treffen beide nun aufeinander. In Bamberg. „In einem Endspiel ist das ein riesiger Vorteil“, warnt Albas Sportdirektor Himar Ojeda. Und die Bamberger haben trotz erheblicher Einsparungen in dieser Saison noch immer den zweithöchsten Etat aller Bundesligisten mit rund 14 Millionen Euro. Deutlich hinter den Bayern (21), deutlich vor Alba (10).

Der Kader ist mit Stars gespickt

Das lässt sich auch am Kader ablesen, der mit Stars gespickt ist. Denen kommt in dieser Situation das Endspiel gerade recht. Es kann zum Befreiungsschlag werden. „Für ein Finale alles rauszuholen, dazu hat Bamberg immer die Möglichkeit“, glaubt Baldi. „Wegen der Qualität der Mannschaft. Und wegen der Erfahrung.“

Tyrese Rice (31) gewann mit Maccabi Tel Aviv 2014 die Euroleague – und war wertvollster Spieler des Final Four. Im Jahr darauf gewann er mit Chimki Moskau den Eurocup – einschließlich der gleichen Ehrung. In Tel Aviv war Ricky Hickman (33) an seiner Seite. Der Grieche Nikos Zisis (35) gewann mit ZSKA Moskau 2008 die EuroLeague, wurde 2005 Europameister und gewann neun Meistertitel in vier verschiedenen Ländern. Aus Erfahrung gut. Die Berliner setzen dagegen Luke Sikma (29) als spanischer Meister mit Valencia 2017 und Niels Giffey (27) als zweimaliger US-College-Champion mit der Universität von Connecticut.

Trainer Perego (34) greift auf die alten Werte zurück

Nun war in der aktuellen Saison zu beobachten, dass die Brose-Stars ihren Zenit möglicherweise überschritten haben. Ihre großen Erfolge liegen eine Weile zurück. Auf den Beinen sind sie nicht mehr so schnell wie vor drei, vier Jahren. Aber es gibt viele gute Spieler im Team. Elias Harris (29), der bei den Los Angeles Lakers NBA-Erfahrung sammelte. Den bärenstarken Augustine Rubit (29), Nationalspieler Patrick Heckmann (26), Louis Olinde (20), ein Kandidat für die Mannschaft von Bundestrainer Henrik Rödl. Den in Berlin bestens bekannten Bryce Taylor (32), den Litauer Arnoldas Kulboka (21), dessen Dienste sich 2018 die Charlotte Hornets sicherten, den sie aber in Bamberg Erfahrung sammeln lassen.

Es liegt nun in den Händen von Federico Perego, aus diesem Ensemble das Beste herauszuholen. Der 34 Jahre alte Italiener, der 2014 als Scout in Bamberg begann, hat sich zum Cheftrainer hochgearbeitet. „Ich bin ein Junge dieses Vereins“, sagte er nach seiner Inthronisierung. Um dies zu beweisen, greift er auf die guten, alten Bamberger Werte zurück: „Wir verändern unser Gesicht. Wir müssen solider verteidigen. Jeder hilft jedem in der Defense, darauf baut ab jetzt alles auf.“ Sein Debüt Mitte Januar ging in der Champions League mit 67:84 bei BC Lietkabelis noch daneben. Seitdem lautet die Bilanz: sieben Siege in acht Spielen, wettbewerbsübergreifend.

In Bamberg wird wieder gearbeitet – und gewonnen

Es waren keine berauschenden Siege, mehr harte Arbeit. Wie das 74:73 am vergangenen Mittwoch gegen Frankfurt. Den entscheidenden Wurf verwandelte Tyrese Rice. „Wir nehmen diese positiven Schwingungen gern mit ins Pokalfinale“, sagte der Amerikaner. Dieses Spiel kann nach seinem Geschmack gern auch knapp enden. Nur unvergesslich soll es werden.