Basketball

Alexandra Wester und Joshiko Saibou: Moderne Sportlerliebe

Alexandra Wester und Joshiko Saibou lernten sich über Instagram kennen. Die Leichtathletin und der Alba-Profi unzertrennlich.

Joshiko Saibou mit seiner Freundin Alexandra Wester in einem Restaurant am Alexanderplatz

Joshiko Saibou mit seiner Freundin Alexandra Wester in einem Restaurant am Alexanderplatz

Foto: David Heerde

Berlin.  Es gibt Momente, in denen man sehr klar vor Augen geführt bekommt, dass man bei gewissen Themen nicht mehr ganz auf dem Laufenden ist. Wenn man zum Beispiel Alexandra Wester und ihren Freund Joshiko Saibou fragt, wie sie sich kennengelernt haben. Vermutlich doch beim Sport? Schließlich ist er Basketball-Nationalspieler von Alba Berlin und sie eine der besten Weitspringerinnen des Landes. Nein, klärt die 24-Jährige fröhlich auf: „Er ist in meine DMs geslidet.“ Wie bitte? „Na, bei Instagram.“ Beide lachen. Sie lachen eigentlich während des gesamten Gesprächs.

Auch Athleten ticken nicht immer gleich

Also „DMs geslidet“ bedeutet frei übersetzt so viel wie: Er hat ihr über die sozialen Medien eine Nachricht gesendet, die nur sie lesen konnte. Dass er sie gern kennenlernen möchte. Sie haben sich zuerst geschrieben, bald darauf telefoniert. Als sie im Juni bei einem Sportfest in Dessau startete, ist er hingefahren und hat ihr zugeschaut. „Als wir uns danach unterhalten haben“, sagt Alexandra Wester, „wusste ich direkt, dass es passen könnte.“ Sportler hin oder her – Athleten ticken ja auch nicht alle gleich. „Aber bei uns ist das so“, sagt der 28-Jährige. Am selben Abend hat er sie dann zum Essen eingeladen. Jetzt sind sie unzertrennlich. Sie ist von Köln nach Berlin um- und bei ihm eingezogen.

Sie mussten dabei schon bald Situationen durchstehen, in denen ihnen nicht zum Lachen zumute war. Saibou hatte ein Knochenödem im Fuß, das ihn in der Saisonvorbereitung zurückwarf. Noch schlimmer traf es Wester, er war sogar im Olympiastadion dabei, als das Malheur geschah. Beim Istaf am 2. September knickte sie vor dem Absprung um. „Es sah aus wie ein Stolpern“, erinnert sich Saibou, der mit seiner Mutter und seinen Schwestern auf der Tribüne saß. Dann sah er hoch zur Leinwand, wo die Szene wiederholt wurde.

Laufen ohne Ball im Spiel? Schwierig für Saibou

Ein übler Anblick, erst recht, wenn es der eigenen Freundin passiert. Alle vier Bänder am rechten Sprunggelenk waren gerissen. „Ich bin direkt runtergerannt“, erzählt er. Den Sicherheitsleuten erklärte er: „Ich muss hier durch.“ Natürlich wollten sie das nicht erlauben. Erst als Saibou ankündigte: „Entweder ihr lasst mich durch, oder ich springe über den Graben. Meine Freundin hat sich verletzt. Ich komme da sowieso hin“, ließen sie ihn nicht nur passieren, sondern halfen, in den Innenraum zu gelangen. „Ich war wohl überzeugend“, sagt er. Und lacht.

Das Gute daran: Durch ihre Verletzungen hatten sie Zeit, sich noch besser kennenzulernen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. „Wir haben uns extrem unterstützt“, sagt Wester. Haben sogar ihre Reha-Übungen zusammen gemacht. Eine Ausnahme, gemeinsam joggend etwa wird man sie nicht erleben. „Laufen, wenn kein Ball da ist? Das ist ganz schwierig für mich“, gibt Saibou zu.

Wie andere Paare unterhalten sie sich über ihre Arbeit, abends, wenn Ruhe ist. „Über die Unterschiede von Basketball und Leichtathletik, das gesamte System. Trainingsaufbau, Förderung, Reha, Athlet-Trainer-Beziehung“, sagt sie. Ihr Freund fragt ihr Löcher in den Bauch. „Ich habe viele Fragen. Es beeindruckt mich total, dass man sein Leben lang trainiert, nur um Zentimeter für Zentimeter weiter springen zu können“, sagt Saibou. Im Basketball spielten so viele Dinge zusammen wie Taktik, Teamchemie, Tagesform; im Weitsprung dagegen gehe es um eine objektive Zahl, um eine Weite. Nur sie zählt.

Zu einem großen Leichtathletik-Fan geworden

Anfangs sei das oft lustig gewesen, wenn sie sich unterhielten, sie ihm etwas von drei Monaten Grundlagentraining erzählte, und er sagte: Nee, geht nicht, ich muss ja morgen spielen. Wie kann man die mentale Herausforderung bestehen, sich so lange auf ein Ereignis vorzubereiten? Das imponiert ihm. Und dann müsse alles auf den Punkt klappen, man ist ganz allein damit. „Es ist grundlegend anders. Aber total spannend, ich bin inzwischen ein großer Leichtathletik-Fan.“

Seine Freundin lächelt. Ende Januar, glaubt sie, kann sie wieder mit dem normalen Training beginnen. Ihr Ziel sind die Olympischen Spiele in Tokio 2020. Geht sie dann nach Köln zurück? Saibou ist ohnehin fast ständig unterwegs, das ist die eine Seite. Die andere ist: „Ich muss sagen, Berlin gefällt mir schon immer mehr.“ Gemeinsam mit dem Olympiastützpunkt hat sie sogar eine Aktion gestartet, sammelt gebrauchte Turnschuhe für Kinder in Gambia, die können noch bis zum 20. Januar an den OSP (Fritz-Lesch-Sraße 29, 13053 Berlin) geschickt werden.

Auch der Opa interessiert sich für Basketball

Wester hatte früher bereits ein Faible für die Hauptstadt. Beim Istaf Indoor 2016 sprang sie mit 6,95 Metern die größte Weite ihrer Karriere. Da sie nicht nur Sportlerin, sondern außerdem ein begehrtes Model ist, trat sie mehrmals bei der Fashion Week auf, einer ihrer Arbeitgeber ist Zalando. „Noch“, sagt sie etwas unentschlossen, „bin ich ja übergangsweise hier. Ich lasse das auf mich zukommen.“ Für Basketball interessiert sie sich inzwischen auch viel mehr. Bei Alba-Spielen ist sie Stammgast. Als Saibou im Dezember sein Comeback gab, saß sie mit einem Dutzend Freundinnen auf der Tribüne, alle hielten große Joshiko-Poster in die Höhe und feuerten ihn lautstark an. Kleine Überraschung, ein Happening. Saibou war gerührt, „das war sehr schön“.

Nachdem er den Freund seiner Enkelin kennengelernt hat, ist auch Westers Opa Basketball-Fan geworden. Derselbe Großvater, der einst in seinem Garten eine Weitsprunggrube aushob, weil seine Enkelin so einen großen Bewegungsdrang hatte. Nun verblüffte er sie mit dem Satz: „Joshi ist gerade in Polen, oder?“ Da spielte Alba in Gdingen. „Der brennt für Basketball“, sagt Alexandra Wester, „keine Ahnung, woher er das alles immer weiß.“

Vielleicht hat er es ja in der Zeitung gelesen. Es gibt ein paar Dinge, die funktionieren auch ohne Instagram immer noch ganz gut.