Basketball

Johannes Thiemann: Der will nicht nur spielen

Johannes Thiemann soll bei Alba mehr als ein Center sein und sich unter Trainer Reneses weiterentwickeln. WM in China ist sein großes Ziel.

Johannes Thiemann hat schon 31 Länderspiele bestritten. Den Sprung in Albas Startformation hat er aber erst einmal geschafft.

Johannes Thiemann hat schon 31 Länderspiele bestritten. Den Sprung in Albas Startformation hat er aber erst einmal geschafft.

Foto: Arne Immanuel Bänsch / dpa

Berlin.  Spieler wollen immer spielen, heißt es, egal in welcher Sportart sie unterwegs sind. So viele Minuten wie möglich und am liebsten von Anfang an auf dem Feld stehen, dann sind sie glücklich. So gesehen, müsste Johannes Thiemann eigentlich unglücklich sein.

Es geht zuerst um die Mannschaft

Der Basketballprofi mit 31 Einsätzen in der Nationalmannschaft, der vergangenen Sommer aus Ludwigsburg zu Alba Berlin wechselte, war dort Leistungsträger und stand in der Startformation. Bei seinem neuen Arbeitgeber geschah dies erst einmal in 19 Partien, und seine Spielzeit ist zurückgegangen. Wenn sein Team an diesem Mittwoch (20 Uhr, Telekomsport) bei Partizan Belgrad im Eurocup antritt, wird der 24-Jährige wohl wieder von der Bank kommen, vielleicht nur achteinhalb Minuten mitwirken wie zuletzt beim Sieg über AS Monaco. Trotzdem beharrt Thiemann: „Ich fühle mich sehr wohl bei Alba.“

Er habe schon eine aufregende Zeit hinter sich und viel gelernt, erklärt der 2,05 Meter große Athlet, „hier wird viel mit einem gearbeitet. Man wird besser“. Aber in Ludwigsburg war er doch bereits Topscorer und einer der besten Rebounder, wollte er in Berlin nicht daran anknüpfen? „Ich mache mir darum keinen großen Kopf“, kommt schnell zur Antwort, „es geht darum, dass wir als Mannschaft guten Basketball spielen.“

Mit guten Leistungen beim Bundestrainer empfehlen

Das klingt ein bisschen wie auswendig gelernt, aber Marco Baldi widerspricht. „Johannes hat den Vorteil, dass er in ein intaktes Team gekommen ist. Doch er verstärkt das noch, er ist wirklich ein Mannschaftsspieler“, sagt der Alba-Geschäftsführer. Gerade im Umgang mit den Jüngeren merke man das, „diese Rolle nimmt er sehr gern an“. Und dennoch ist das nicht alles. „Er weiß, er hat noch viel Potenzial. Deshalb ist er auch gekommen. Er will sich verbessern.“

Wohlgefühl hin oder her, Thiemann lässt keine Zweifel aufkommen, dass er ehrgeizig ist. Der junge Mann deutsch-kamerunischer Herkunft, der mit seiner Freundin in einer ruhigen Gegend in Berlin-Mitte lebt, möchte sich schließlich mit Leistungen bei Bundestrainer Henrik Rödl empfehlen für die Weltmeisterschaft im September in China. „Ich werde weiter mein Ding durchziehen und anbieten, was das Team braucht“, nimmt er sich vor. Thiemann, der Teamplayer.

Aito zieht Spieler wie Thiemann förmlich an

Baldi sieht ihn bei Alba auf einem guten Weg. Die Spieler, die nach Berlin kommen, bringen natürlich schon vieles mit, sonst wären sie nicht hier. Bei Alba sollen sie lernen, vielseitiger zu werden, schneller zu reagieren, ein neues Spielverständnis zu bekommen. Thiemann zum Beispiel soll mehr sein als ein reiner Center und sich nicht nur mit Landry Nnoko und Dennis Clifford um die Zeiten unter dem Korb streiten. Er bringt als einziger dieser drei die Komponente Distanzschüsse ins Spiel, hat eine ordentliche Quote – wenn er sich traut. „Es ist nicht entscheidend, auf welcher Position Johannes spielt“, sagt Baldi, „er soll wie alle hier sein Repertoire erweitern.“ Dazu gehört: „Er soll Dreier schießen.“

Genau das ist es, warum sich Johannes Thiemann trotz anderer Angebote für Berlin entschied. Aito, der Spieler-Entwickler, zieht Profis wie ihn förmlich an. „Es war klar, dass ich hier nicht 40 Minuten spiele“, sagt der gebürtige Trierer, „Alba ist ein Topklub mit Ambitionen. Ich komme mit meiner Rolle gut zurecht.“ Zumal seine Ambitionen die gleichen sind: gewinnen, nicht nur Spiele, sondern Titel. In der Euroleague landen, „am liebsten schon in dieser Saison dafür qualifizieren. Wenn man Basketball spielt, will man das auch auf dem höchstmöglichen Niveau tun.“

Wiedersehen mit Andrea Trinchieri heute in Belgrad

Ein Schritt, auf dem zweithöchsten kontinentalen Niveau, also im Eurocup, weiter Furore zu machen, wäre ein Sieg in Belgrad. Partizan hat kürzlich Alex Renfroe (aus Manresa/Spanien) verpflichtet, einen ehemaligen Alba-Profi, sowie den serbischen Center Nikola Jankovic (Estudiantes Madrid), um dem sehr jungen Partizan-Team mehr Sicherheit zu geben. Trainer ist Andrea Trinchieri, von 2015 bis 2017 Meister mit Brose Bamberg. Bekannte Gesichter, auch für Thiemann, besonders Trinchieri, bei dem er sich einst als junger Spieler in Bamberg nicht durchgesetzt hat. Vielleicht kann er ihm heute zeigen, was er inzwischen in Berlin so alles dazugelernt hat. Wäre bestimmt ein ziemliches Glücksgefühl.

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