Basketball

Fehleinkäufe? Bei Alba Fehlanzeige

Die gelungene Spieler-Auswahl ist eine der Ursachen für die gute Position Alba Berlins. Dahinter steht vor allem Sportdirektor Himar Ojeda.

Die jüngste Verstärkung, die sich als guter Griff erwies, ist Landry Nnoko (l.)

Die jüngste Verstärkung, die sich als guter Griff erwies, ist Landry Nnoko (l.)

Foto: Angelika Warmuth / dpa

Berlin.  Wenn sich ein Klub, egal in welcher Sportart, bei Spielern oder auch Trainern für ihren Einsatz bedankt und ihnen für die Zukunft viel Glück wünscht, lässt sich nicht selten zwischen den Zeilen lesen, dass es in der Zusammenarbeit zu einigen Dissonanzen gekommen sein muss. Erst recht, wenn zudem von „gegenseitigem Einvernehmen“ die Rede ist.

Alba-Sportdirektor Himar Ojeda dankte zuletzt Center Clint Chapman „für seine Zeit in Berlin“. Da gab es allerdings keinen Zweifel daran, dass der Spieler im Laufe seines Zweimonatsvertrages „in den verletzungsbedingt schwierigen letzten Wochen eine große Hilfe für uns“ war. Anders als im April 2017: Da wünschte Geschäftsführer Marco Baldi Coach Ahmet Caki zwei Spieltage vor dem Play-off-Start „viel Glück und Erfolg auf seinem weiteren Weg“. Seither hat es jedoch keine Abschiede aufgrund sich summierender Missverständnisse mehr gegeben.

Eigenes Profil schärft auch das der Spieler

Das ist eher eine der Ursachen als nur ein Aspekt der positiven Bilanz, die Berlins Basketballklub am letzten Tag des Jahres ziehen kann. „Fehleinkäufe – Fehlanzeige“ könnte das Fazit der vergangenen anderthalb Jahre lauten, sowohl beim Komplett-Umbau im Sommer nach der Trennung von Caki, aber auch ein Jahr später, als Marius Grigonis, Spencer Butterfield, Bogdan Radosavljevic und Akeem Vargas verabschiedet und Rokas Giedraitis, Martin Hermannsson, Johannes Thiemann und Kenneth Ogbe begrüßt wurden.

Transfers, die vor allem erfolgreich waren, weil drei Dinge bei Alba klar definiert seien, erklärt Baldi, nämlich „das Spielsystem, die Ausrichtung des Klubs und auch die Verteilung der Verantwortung“. Das eigene Profil schärfe zugleich das der Spieler. Interessant seien die, „denen man zutraue, sich weiter zu entwickeln und die das selbst auch wollen“, sagt Albas Geschäftsführer. Genau die suche Himar Ojeda. Über mögliche Kandidaten tausche sich Albas Sportdirektor sowohl mit ihm, zu allererst aber mit Trainer Aito Reneses und seinen Assistenten regelmäßig aus. Grundvoraussetzung sei, den Markt permanent zu sondieren.

Personalie Chapman war im Nachhinein logisch

Was das bedeutet, zeigte sich, als Alba zu Saisonbeginn für die zeitgleich verletzten Center Dennis Clifford und Johannes Thiemann dringend Hilfe brauchte. Bei der Suche war es äußerst hilfreich, dass Ojeda nicht nur wusste, dass Chapman zuletzt bei den Hiroshima Dragonflies in Japan durchschnittlich 15,8 Punkte erzielt und 8,6 Rebounds geholt, sondern zudem im Sommertraining von Olympiakos Piräus gut mitgehalten hatte.

Als dann allerdings alle erwarteten, dass Chapman, der die Erwartungen mehr als erfüllt hatte, nun bis zum Saisonende bleiben würde, ließ Albas Sportdirektor ihn trotzdem ziehen, weil Kameruns Nationalcenter Landry Nnoko bei Sakarya BB vergeblich auf sein Gehalt wartete. Markt sondiert: Chapman ging, Nnoko kam und unterschrieb bis 2020.

Angesichts der jüngsten Knieverletzung von Peyton Siva wird es übrigens bei der Marktbeobachtung bleiben. Ein vorübergehender Ersatz ist laut Baldi nicht geplant.

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.