Basketball

Albas neuer Center: Kevin Durant ist Nnokos Inspiration

Das Bundesliga-Debüt von Center Landry Nnoko macht Hoffnung und hebt Alba Berlin mit seiner Energie auf ein besseres Niveau.

Wo ganz oben ist, da ist auch Landry Nnoko: Der Kameruner (Mitte) hebt Alba auf ein ganz anderes Niveau unter den Körben.

Wo ganz oben ist, da ist auch Landry Nnoko: Der Kameruner (Mitte) hebt Alba auf ein ganz anderes Niveau unter den Körben.

Foto: imago sport / imago/Camera 4

Berlin.  So richtig kannte Landry Nnoko die Basketball-Bundesliga bis zum vergangenen Sonntag noch nicht. Diesen Satz darf man von beiden Seiten verstehen. Weder wusste der neue Center von Alba Berlin, was ihn erwartet, noch ahnte die Liga, was von ihm zu erwarten ist. Er war kaum ein paar Minuten auf dem Feld im Spitzenspiel des deutschen Meisters Bayern München gegen seinen Herausforderer aus der Hauptstadt, da sahen alle Beteiligten ein wenig klarer. Der 24-Jährige aus Kamerun hatte den Bayern-Star Derrick Williams in luftiger Höhe beim Versuch geblockt, den Ball in den Alba-Korb zu stopfen. Das passiert dem Amerikaner nicht alle Tage. Auf der Berliner Bank wurde gejubelt. Auf der Bayern-Bank wurde gestaunt.

Kapitän Giffey lobt: So ein Spielertyp hat uns gefehlt

Am Ende haben die Münchner das Spitzenspiel zwar 83:81 gewonnen, aber ein Gewinner war auch Landry Nnoko. In den 21:29 Minuten bei seinem Debüt hatte er Spuren auf dem Parkett hinterlassen. Zwölf Punkte gelangen ihm bei nur zwei Fehlwürfen, zwei Blocks, dazu 13 Rebounds, die Währung, in der die körperlich Größten des Spiels gemessen werden. Mit seinen langen, muskulösen Armen war er immer dort, wo alle hinwollen: zu den Bällen, die frei durch die Luft segeln. Acht Mal packte er unwiderstehlich unter dem eigenen Korb zu, fünf Mal unter dem des Gegners. Beide Bereiche des Feldes wurden zur Nnoko-Area. Bei allem Einsatz beging er nur einmal ein Foul. Der beste Rebounder der Bundesliga, der Gießener John Bryant, angelt sich im Durchschnitt elf Rebounds pro Spiel. Wie es aussieht, bekommt er jetzt einen neuen Konkurrenten in diesem Ranking.

„Er hat uns viel Energie gegeben“, sagte Kapitän Niels Giffey, „so ein Spielertyp hat uns noch gefehlt.“ Auch Geschäftsführer Marco Baldi lobte den neuen Mann: „Landry gibt uns etwas dazu. Ganz klar, das ist eine neue Dimension in unserem Spiel, die wir so noch nicht hatten.“ Sehr beweglich ist Landry für 208 Zentimeter Lebendgröße bei rund 110 Kilogramm Gewicht, eine explosive Naturgewalt, die nicht lange brauchte, um sich gegen den Meister Respekt zu verschaffen. Neben den 13 Rebounds erzwang er mit seiner athletischen Präsenz gegen die Münchner Riesen Danilo Barthel und Leon Radosevic noch ein ums andere Mal, dass der Ball irgendwie doch wieder in den Händen seiner Mitspieler landete. Und die Bayern sich darüber ärgerten.

Trikotnummer 35, weil ihn Kevin Durant inspiriert

Man merkte ihm in jedem Moment den Spaß an, mitspielen zu dürfen. Über einen Monat hatte er pausiert, zuletzt zwei Wochen bei Alba nur mittrainiert. Nnoko hatte davor das Trikot mit der Nummer 35 für Sakarya BB getragen, wie nun in Berlin und auch sonst immer bei seinen bisherigen Stationen, der Clemson-Universität, beim italienischen Erstligisten Pesaro, im Trainingscamp des NBA-Teams Detroit Pistons und in der NBA-Entwicklungsliga G-League bei den Grand Rapids Drive. Der türkische Erstligist Sakarya kam jedoch in finanzielle Schwierigkeiten, der Afrikaner verließ den Verein. Eine gute Entscheidung. Für ihn, aber auch für Alba Berlin.

Warum die 35? „Kevin Durant inspiriert mich“, kommt zur Antwort. Der Superstar von den Golden State Warriors ist ein ganz anderer Typ, auch ein guter Rebounder, aber vor allem Schütze. „Ich weiß, was für ein Spieler ich bin“, sagte Nnoko bei seiner Vorstellung selbstbewusst, „und was ich dem Team geben kann. Ich werde versuchen, ihre Defensive zu verstärken.“ Ihn begeisterte die freundliche Aufnahme in Berlin: „Die Mannschaft hat mir sofort das Gefühl gegeben dazuzugehören.“ Das hat auch Giffey beobachtet: „Er findet die Atmosphäre bei uns toll, hat sich super auf die Bundesliga gefreut und sogar schon ein paar Worte deutsch gelernt.“ Es ist kein Geheimnis, dass dieses Zusammengehörigkeitsgefühl ein Alba-Pfund ist. Mit Geschlossenheit sollen die übermächtigen Bayern herausgefordert werden. Das jedenfalls gelang auf Anhieb. „Wir haben gesehen, wir haben die Möglichkeit, sie zu schlagen“, sagte Baldi.

Mit Krasnodar wartet die nächste Herausforderung

Die Hoffnung der Alba-Fans ist nun groß, dass sie eine Weile Freude an Nnoko haben. Er hat in Berlin bis 2020 unterschrieben. Doch Verträge haben oft Klauseln, die ein vorzeitiges Aussteigen ermöglichen. Alba-Sportdirektor Himar Ojeda berichtete zudem, dass einige Euroleague-Klubs Interesse am Kameruner hatten. Diese Begehrlichkeiten werden nicht kleiner werden durch Auftritte wie am Sonntag beim Europaligisten München. „Wir planen mit ihm bis 2020“, stellt Baldi allerdings klar, „seine großen Ziele kann er über uns erreichen, deshalb ist er hier, um sich zu verbessern. Er ist als Spieler noch ein bisschen roh.“ Und Trainer Aito Garcia Reneses dafür bekannt, solche Profis weiterzuentwickeln, ihnen den Feinschliff zu verpassen. Nnoko ist mit seinen 24 Jahren gerade für die Centerposition ja noch jung.

Der Spieler selbst mag ebenfalls keine Details aus seinem Vertragsverhältnis preisgeben, nur so viel: „Mein Ziel ist es, auf dem höchstmöglichen Level zu spielen. Die Euroleague ist dabei sehr wichtig. Sie wäre der nächste Schritt in meiner Karriere.“ Das geht Alba nicht anders. Schon am Mittwoch (20.15 Uhr, Telekomsport) bekommen beide in der Mercedes-Benz Arena die nächste Gelegenheit zu beweisen, welche Qualitäten in ihnen stecken. Dann gastiert Kuban Krasnodar in Berlin, der Favorit im Eurocup. In diesem Wettbewerb war Landry Nnoko auch noch nicht unterwegs. Aber wie man in der Bundesliga gerade sehen konnte, muss das kein Handicap sein.