Basketball

Alleskönner Niels Giffey in der Form seines Lebens

Der Kapitän von Alba Berlin verfolgt ein klares Ziel: Er will mit der aktuellen Mannschaft den Sprung in die Euroleague schaffen.

Niels Giffey (r.) blockt den Wurf des Bambergers Augustine Rubit

Niels Giffey (r.) blockt den Wurf des Bambergers Augustine Rubit

Foto: Annegret Hilse / dpa

Berlin.  Ein wertvoller Spieler war Niels Giffey immer schon für Alba Berlin. Einer, der aus der eigenen Jugend hervorgegangen ist. Der zweimal Collegemeister in den USA wurde und trotz höher dotierter Angebote zurückkehrte. Der jetzt Albas Kapitän ist. Einer, der sich ganz in den Dienst der Mannschaft stellt. Der punktet, Rebounds holt, Korbvorlagen gibt, energisch verteidigt, den Gegnern Bälle stiehlt, auch immer häufiger deren Würfe blockt. Das komplette Repertoire eines Basketball-Profis.

Statistische Werte wie nie zuvor in der Karriere

Und doch war der 27-Jährige noch nie so wertvoll wie jetzt für sein Team, das an diesem Freitag (20.30 Uhr, Telekomsport) in der Mercedes-Benz Arena gegen die Frankfurt Skyliners antritt. Jedenfalls findet Bundestrainer Henrik Rödl: „Niels ist in der Form seines Lebens.“ Giffey stimmt dem auf seine Art sogar zu: „Für mich ist es die beste Saison, seit ich bei Alba bin.“

Das ist keine Angeberei. Der junge Mann neigt nicht dazu, sich in den Vordergrund zu spielen. Es sei denn, mit dem Ball in der Hand auf dem Feld. Da sprechen die Statistiken für sich. Und für ihn. Im letzten Bundesligaspiel gegen Würzburg stellte Giffey mit 25 Punkten einen persönlichen Rekord auf. Zwölf Punkte sind es durchschnittlich in der Liga, 13 im Eurocup, so viele wie nie. Im Länderspiel am Montag gegen Estland waren es auch 13 – ohne Fehlwurf.

Eine Zukunft in Berlin kann er sich gut vorstellen

Aus der Distanz trifft Giffey sowieso hochprozentig, aber mittlerweile auch, indem er selbst andere Abschlüsse kreiert, mal direkt unter dem Korb, mal aus der Halbdistanz. Er tut das mit großem Selbstvertrauen, zögert nicht mehr wie früher. Sein Entscheidungsverhalten, wann er werfen muss, ist viel besser geworden. „Er liest die Situationen sehr gut und hat eine unglaubliche Ruhe“, lobt Rödl, „egal, wo er auftritt. Man sieht ihm an, dass er sich wohl fühlt.“

Wieder Zustimmung: Der Berliner Giffey fühlt sich im fünften Jahr als Dienstältester immer mehr zu Hause bei Alba, in der Mannschaft, in der Rolle, die er unter Trainer Aito Reneses einnimmt. Es war ein Prozess, dort hinzukommen. Auf einem solchen Weg ist er nicht zum ersten Mal, nur wurde Giffey häufig von Verletzungen gebremst.

Bei der WM wartet eine weitere Reifeprüfung

„Berlin kann meine Zukunft sein“, sagt er. Ende der Saison läuft sein Vertrag aus. Viele in seinem Alter denken an den „nächsten Schritt“ in ihrer Karriere. Oder daran, wo sie mehr Geld verdienen können. Oder daran, in der Königsklasse des kontinentalen Basketballs ihr Können zu zeigen, in der Euroleague. Alles legitim. Giffey sagt: „Natürlich würde ich das auch gern. Aber es wäre genial, wenn wir das hier schaffen. Ich würde mich freuen, hier zu bleiben, wenn wir alle gemeinsam in die Euroleague gehen.“ Mit Alba. Solche Stimmen hört man häufig aus dem Team. Die Spieler wirken manchmal wie Schulfreunde, die gemeinsam das Abitur bestehen wollen.

Es gibt ein weiteres Reifezeugnis, das Giffey allzu gern ablegen würde: einen großen Erfolg mit der Nationalmannschaft. Bei der WM in China nächstes Jahr ist die Gelegenheit, „ich glaube, da geht viel. Es muss nur Klick machen für uns“. Für uns? Ist er denn so sicher, bei der aktuell großen Konkurrenz dabeizusein? Giffey lächelt kurz. „Ich glaube, meine Chancen stehen ganz gut“, sagt er. Wenn er so weiterspielt wie in den vergangenen Wochen, dürfte er damit recht haben.

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