Basketball

Albas Rasselbande macht mal Pause

Wenn Peyton Siva und Joshiko Saibou ins Alba-Team zurückkehren, können sich die Talente von ihrem Höhenrausch erholen.

Franz Wagner (l.) hat sich bei Alba in den Vordergrund gespielt.

Franz Wagner (l.) hat sich bei Alba in den Vordergrund gespielt.

Foto: dpa Picture-Alliance / Andreas Gora / picture alliance / Andreas Gora

Berlin.  Nach der nächsten famosen Vorstellung von Alba Berlin beim 94:75 in Würzburg gab der Kapitän dem Sender Telekomsport Einblicke in das Innenleben seiner Mannschaft. Niels Giffey, mit 27 Jahren schon einer der Älteren im Team, lobte die Stimmung in höchsten Tönen: „Es war in den letzten Wochen richtig nice mit dieser jungen Mannschaft.“ Durch die Verletzungen von vier Guards gleichzeitig gebe es sicher Lücken in der Aufstellung, „aber es fühlt sich nicht so an. Die Jungen können alle spielen. Die können auch alle zocken.“

Die Jungen vertrauen auf ihre eigene Stärke

Der letzte Satz sollte wohl bedeuten, Jonas Mattisseck (18), Franz Wagner (17), Bennet Hundt (20), auch die zwar etablierteren, doch ebenfalls noch jungen Stefan Peno und Tim Schneider (beide 21) suchen furchtlos immer nach Lösungen durch eigene Fähigkeiten. Sind keine Mitläufer, die den Ball bloß loswerden wollen, sondern vollwertige Bestandteile des Gesamtbildes. Das hob auch Johannes Thiemann (24) hervor: „Bei unserem Coach haben alle gleiche Rechte und Pflichten. Da werden keine Unterschiede gemacht.“

Trainer Aito Reneses liebt es, mit einer Rasselbande zu arbeiten und sie weiterzuentwickeln. Auch, ihnen Verantwortung zu geben. Aber nicht zu viel. „Das dürfen wir nicht. Sie brauchen Zeit“, fordert der Spanier. Die jungen Überflieger müssen sich auch mal erholen vom Höhenrausch. Und so werden sie wohl nun nach der zweiwöchigen Nationalmannschaftspause, wo peu à peu Peyton Siva seinen Rippenbruch, Joshiko Saibou sein Knochenödem im Fuß und Martin Hermannsson seinen Bänderriss auskuriert haben, wieder dort zum Einsatz kommen, wo in dieser Saison ursprünglich ihr Hauptarbeitsplatz sein sollte: beim Kooperationspartner Lok Bernau.

14 Siege, drei Niederlagen für den Kindergarten

Bei Alba lautet die Bilanz nach 17 Pflichtspielen: 14 Siege, drei Niederlagen. Alles im Soll trotz der Verletzungssorgen. In Deutschland, sogar in Europa blickt man verblüfft nach Berlin, wie das möglich ist mit diesem Kindergarten. Giffey, der wie Thiemann und Schneider Anfang der Woche zur Nationalmannschaft reist, hat viel Respekt vor den Jungen. „Die fragen schon mal, schauen sich auch was von uns ab. Aber sie haben ein riesiges Selbstvertrauen.“ Sind jung und trotzdem schon ziemlich erfolgreich. Wagner, seit April 2018 als da noch 16-Jähriger jüngster Bundesligaspieler der Alba-Geschichte, trauen viele zu, seinem Bruder Moritz (Los Angeles Lakers) früher oder später in die NBA zu folgen. In Würzburg machte er 13 Punkte, stand zum dritten Mal in Folge in der Startformation.

Manchmal gerät Mattisseck etwas in seinen Schatten – zu Unrecht. Der Spielmacher gewann mit Wagner in diesem Jahr zusammen die NBBL-Meisterschaft mit Alba und das Albert-Schweitzer-Turnier für Nachwuchs-Nationalmannschaften. In beiden Wettbewerben wurde zum wertvollsten Spieler gewählt: Jonas Mattisseck. Gegen Cedevita Zagreb vor zwölf Tagen war er mit 16 Punkten Topscorer.

Aus ihrer Sicht sind ihre Auftritte im Alba-Team also eine irgendwie logische Weiterentwicklung. Schön für Alba, das lässt in Zukunft hoffen, dass wieder Titel gewonnen werden können. Es muss ja nicht gleich in dieser Saison passieren. Obwohl – warum eigentlich nicht?

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