Basketball

Bei Alba wissen sie, was sie tun

Alba hat die Verletzungen von Stammspielern gut überstanden, auch die Irritationen um zwei Personalien. Ein Kommentar.

Eines der großen Alba-Talente: Jonas Mattisseck (M.) im Bundesligaspiel gegen Göttingen.

Eines der großen Alba-Talente: Jonas Mattisseck (M.) im Bundesligaspiel gegen Göttingen.

Foto: Paul Zinken / dpa

Eine an Personalien reiche Woche ging für Alba Berlin am Sonnabend mit dem 94:75-Sieg in Würzburg zu Ende. Center Clint Chapman wurde von zwei Dutzend Berliner Fans freundlich verabschiedet. Der Amerikaner hatte seinen ausgelaufenen Zwei-Monats-Zeitvertrag extra noch einmal um zwei Tage verlängert, um der Mannschaft zu helfen, die in Zukunft nicht mehr seine sein wird. Anfang der Woche war nach einigem Wirrwarr um einen verpatzten Medizincheck die Verpflichtung des NBA-Stars Jordan Crawford gescheitert. Keine Verstärkung auf der Spielmacher-Position, Abschied von einem Center, der seit Ende September nicht nur durch seine soliden Leistungen viele Freunde in Berlin gewonnen hat – manche Betrachter fragen sich: Was machen die Verantwortlichen da eigentlich gerade?

So schwer der Abschied von Chapman fällt, so groß die Enttäuschung über den entgangenen NBA-Zauber sein mag: Sie wissen schon, was sie tun. Die Zugänge Hermannsson, Thiemann, Ogbe und Giedraitis sind das eine Argument dafür. Jeder der Vier ist ein großer Gewinn für Alba; keiner der Abgänge hat ein Loch gerissen, das immer noch klafft. Chapman hat sich in Berlin als guter Center präsentiert und nebenbei sehr viel gelernt in kurzer Zeit. Es ist klar, dass seine und Albas Vorstellungen über eine Weiterbeschäftigung nicht so einfach auf einen Nenner zu bringen waren wie bei der ersten Einstellung. Dann trennt man sich eben, aber nicht mit bitterem Beigeschmack. Und Crawford? Schade, dass es nicht geklappt hat, einen solchen Hochkaräter zu verpflichten. Kommt vor oder anders formuliert: Shit happens manchmal.

Spielraum für weitere Notfälle bleibt erhalten

Wenigstens haben Geschäftsführer Marco Baldi und Himar Ojeda nun weiter einen gewissen Spielraum, sollten noch einmal Verletzungen auftreten und Handlungsbedarf entstehen. Schließlich hat Alba nicht die finanziellen Möglichkeiten von Bayern München oder Brose Bamberg. Und ein Blick auf die Bilanz einer alles andere als wunschgemäß verlaufenden Saison, was die Ausfälle wichtiger Spieler angeht, zeigt doch: Alba Berlin steht erstaunlich gut da. 17 Spiele, nur drei Niederlagen, im Eurocup weiter, im deutschen Pokal ebenso, in der Bundesliga erster Bayern-Jäger – hat da noch jemand ernsthafte Verbesserungswünsche?

Dass der Stand der Dinge so positiv ist, hat auch mit der langjährigen „Vorarbeit“ zu tun, die sich in den vergangenen Wochen so stark ausgezahlt hat wie noch nie. Der großartige Alba-Nachwuchs hat nur selten das Gefühl entstehen lassen, dass da durch die Verletzungen überhaupt so große Lücken entstanden sind. Und doch werden jetzt die Talente auch wieder einen Schritt zurücktreten (müssen), wenn die Stammkräfte spielfähig sind. Es wird ihnen guttun. Sie haben zeigen können, dass sie für die Zukunft bereit sind. Nicht die nächsten drei, vier Spiele aber sind es, die zählen, sondern die weitere Zukunft von Alba Berlin. Der Verein wünscht sich das so: Dort können sie nur dann die tragenden Rollen übernehmen, wenn man ihnen auch die Zeit gibt, sich allmählich zu entwickeln. Ob das alle verstehen oder nicht, bei Alba wissen sie schon, was sie tun.

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