Basketball

Alba und Crawford haben ein Problem

Es gab „offene Fragen“ beim obligatorischen Medizincheck: Vielleicht platzt jetzt der Transfer mit dem Star aus der NBA.

Jordan Crawford (l.) bestritt in der NBA 294 Spiele, unter anderem für die Golden State Warriors. Ob er bald auch für Alba spielen wird, ist noch nicht gewiss.

Jordan Crawford (l.) bestritt in der NBA 294 Spiele, unter anderem für die Golden State Warriors. Ob er bald auch für Alba spielen wird, ist noch nicht gewiss.

Foto: imago sportfotodienst / imago/ZUMA Press

Berlin.  Erwartungsfroh stand eine Schar Journalisten am Spielfeldrand der Mercedes-Benz Arena. Der Basketball-Star Jordan Crawford wurde zum ersten halböffentlichen Training erwartet, auch von seinen neuen Kollegen von Alba Berlin. Er sollte erste Interviews geben. Doch der 30-Jährige kam nicht rechtzeitig aus dem Unfallkrankenhaus Berlin-Marzahn in die Arena, die Gesprächswünsche blieben unerfüllt. Genauer gesagt, kam er gar nicht.

Der Vertrag könnte hinfällig werden

Später teilte der Verein mit, es gebe „offene Fragen“. Der Medizincheck, obligatorisch bei neu verpflichteten Spielern, lief anscheinend nicht nach Wunsch ab. Nachuntersuchungen sollen jetzt ergeben, ob der US-Amerikaner, der 294 Partien in der NBA für die Atlanta Hawks, Washington Wizards, Boston Celtics, Golden State Warriors und schließlich für die New Orleans Pelicans bestritten hat, überhaupt spielbereit ist. Ansonsten könnte sein bereits unterschriebener Ein-Monats-Vertrag hinfällig werden.

Bis spätestens Mittwochvormittag soll darüber eine Entscheidung gefallen sein. In keinem Fall wird der Aufbauspieler am Abend (20 Uhr, Telekomsport) im Eurocup-Heimspiel gegen Limoges CSP einsatzbereit sein. Darauf hatte Trainer Aito Reneses angesichts seiner vielen verletzten Spieler bei Alba große Hoffnungen gesetzt. „Ich gehe davon aus, dass er gegen Limoges spielt“, hatte der Spanier noch vor dem Mittwochtraining gesagt.

Zuletzt im April hat Crawford gespielt

Über die Gründe, warum der Profi aus Detroit/Michigan den Medizintest nicht bestanden hat, mochte sich niemand äußern bei Alba. Möglich, dass seine Fitness nicht so war wie erwartet; Crawford hat zuletzt Ende April im NBA-Play-off gegen Golden State ein Pflichtspiel bestritten. Dass der erfahrene Amerikaner, der einen Durchschnitt von rund zwölf Punkten pro Partie in seiner Karriere vorweisen kann, danach bei keinem der 30 NBA-Teams einen Vertrag bekam, war ungewöhnlich. Aber Alba war dafür umso glücklicher, in seiner Personalnot einen Spieler mit diesem Potenzial nach Berlin zu locken.

Am Montagabend hatte Crawford zum ersten Mal mit der Alba-Mannschaft trainiert. „Ein netter Kerl, bodenständig, aber so viel kann man nach einem Training auch noch nicht wissen“, sagte Peyton Siva, mit einem Rippenbruch einer der vier verletzten Berliner Aufbauspieler. „Auf jeden Fall konnte er gleich sehen, dass bei uns keine Leute mit einem großen Ego spielen, sondern dass wir als Mannschaft funktionieren. Er soll seine Stärken als guter Schütze bei uns einbringen. Alle werden ihn dabei unterstützen.“ Aito war sich sicher: „Jordan kann uns mit seiner Erfahrung sofort helfen.“ Nun ist unklar, ob Jordan Crawford Alba Berlin überhaupt helfen wird.

Der dezimierte Kader muss sich selbst helfen

Vielmehr muss sich der arg dezimierte Kader erneut selbst helfen, wie zuletzt am Sonntag beim 92:88 gegen Bamberg. Mit der vorzeitigen Rückkehr eines der Rekonvaleszenten Siva, Joshiko Saibou, Martin Hermannsson oder Kenneth Ogbe ist eher nicht zu rechnen. Vielleicht mit Ogbe, der vor einer Woche eine Gehirnerschütterung gegen Zagreb erlitt, aber am liebsten schon wieder auflaufen würde.

Wie verrückt Sportler manchmal sind, konnte man an Hermannsson sehen. Der Isländer, der wegen eines Bänderrisses am Sprunggelenk sicher noch drei bis vier Wochen fehlen wird, absolvierte zumindest schon wieder ein Wurftraining – komplett in Sportkleidung, nur durch einen so genannten Airwalker am rechten Fuß geschützt. Er sah sehr zuversichtlich aus. Aber das war, bevor die offenen Fragen bei Crawford im Raum standen.