Basketball

Jordan Crawford - Ein NBA-Millionär für Alba Berlin

Seit Wochen hat Alba Berlin große Verletzungsprobleme. Jetzt reagiert der Verein mit der Verpflichtung von Jordan Crawford (30).

Alba Berlin verpflichtet Jordan Crawford, hier im Dress der New Orleans Pelicans

Alba Berlin verpflichtet Jordan Crawford, hier im Dress der New Orleans Pelicans

Foto: pa

Berlin. Just in dem Moment, als kaum mehr jemand mit der Verpflichtung eines neuen Spielers gerechnet hatte, schlug Alba Berlin doch noch zu. Und wie: Seit 2010 bestritt der 30 Jahre alte Jordan Crawford 294 Partien in der Basketball-Profiliga NBA für die Atlanta Hawks, Washington Wizards, Boston Celtics, Golden State Warriors und New Orleans Pelicans. Dabei erzielte der Amerikaner einen Punktedurchschnitt von 12,2 in der regulären Saison und 5,7 im Play-off. Nun unterschrieb er bei Alba einen Vertrag für einen Monat.

Der 1,93 Meter große Mann aus Detroit landete am Montag in Berlin, trainierte abends erstmals mit seinem neuen Team und wird an diesem Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt. Erhält er schnell eine Spielgenehmigung, ist er schon am Mittwoch (20 Uhr, Mercedes-Benz Arena) im Eurocup gegen Limoges dabei. Ist Crawford jetzt der teuerste Alba-Spieler? Nein, sagt Sportdirektor Himar Ojeda, „Jordan ist uns sehr entgegengekommen, was das Gehalt angeht ebenso in Bezug auf die Laufzeit. Sonst könnten wir uns einen Spieler wie ihn gar nicht leisten“. Crawford ist in der NBA und bei zwei Stationen in China zum Basketball-Millionär geworden.

Eine Verlängerung sei nicht als Option im Kontrakt festgehalten, aber denkbar, wenn beide Seiten es wünschen. Zumindest beim Bundesliga-Spitzentreffen am 16. Dezember in München ist Crawford noch dabei. „Das ist alles sehr schnell gegangen“, wird Crawford auf der Internetseite seines Klubs zitiert, „gerade habe ich das Angebot bekommen, und schon bin ich hier.“

Der Zeitpunkt der Verpflichtung kommt etwas überraschend, einen Tag nach dem umjubelten 92:88-Sieg in der Basketball-Bundesliga über Brose Bamberg. Da hatten unter anderem die jungen Jonas Mattisseck (18) und Franz Wagner (17) bravourös mit dem neunmaligen deutschen Meister mitgehalten und viel Lob erhalten. Aber Trainer Aito Reneses und Ojeda wurden auch nicht müde, die erfreulichen Vorstellungen sachlich einzuordnen: Sie seien noch nicht so weit, die Verantwortung für das Spiel der Mannschaft zu übernehmen.

Alba musste außerdem auf seine Verletzungsmisere reagieren und hat dies nun getan. Derzeit sind mit Peyton Siva (Rippenbruch), Martin Hermannsson (Bänderriss), Joshiko Saibou (Entzündung im Fuß) und Kenneth Ogbe (Gehirnerschütterung) vier Aufbauspieler außer Gefecht – wie lange, ist offen. Da kommt Shooting Guard Crawford im rechten Moment. „Es ist grandios, wie sich unser Team schlägt“, sagte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi, „aber wir sind irrsinnig verwundbar.“ Die Mannschaft brauche jetzt einen wie Crawford, der schon häufiger in seiner Karriere als Feuerwehrmann eingesprungen sei und sofort geholfen habe.

„Wir sind in Not“, betonte Baldi, „wir dürfen gar nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn sich noch jemand verletzt.“ Es gehe nicht um ein paar Niederlagen, die könne der Verein verkraften. Es bestehe die große Gefahr, dass die Statik im Alba-Gebilde verloren gehe, die sich der Klub mühsam aufgebaut hat, die positive Mentalität, das Selbstvertrauen. Zudem gerät die Kooperation mit Drittligist Lok Bernau aus der Balance, wenn Alba wie momentan ständig Hilfe von dort benötige.

Die Gefahr, dass das Mannschaftsgefüge beim Tabellenzweiten der Bundesliga durch die Verpflichtung eines Stars durcheinandergerate, sieht er nicht. „Crawford ist ein Vollprofi“, sagt Baldi, „der wird nicht lange Fragen stellen, ob dies der richtige Schritt in seiner Karriere ist. Er will zurück auf den Markt und sich zeigen. Das kann er bei uns tun.“ Und Alba kann einen erfahrenen Profi gerade sehr gut gebrauchen. Zumindest so lange, bis die anderen Spieler wieder fit sind.

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