Basketball

Talent schlägt Erfahrung: Alba ringt Bamberg nieder

Das junge Alba-Team besiegt mit vielen Führungswechseln Bamberg und bleibt den Bayern auf der Spur. Bester Werfer war Giedraitis.

Jonas Mattisseck (r.) schlug sich mehr als achtbar gegen den 13 Jahre älteren Tyrese Rice

Jonas Mattisseck (r.) schlug sich mehr als achtbar gegen den 13 Jahre älteren Tyrese Rice

Foto: imago/Bernd König

BerlinJonas Mattisseck war umringt von Journalisten, die von ihm Erklärungen forderten, was gerade passiert war. „Das ist ein unglaubliches Gefühl“, holte das 18 Jahre alte Spielmacher-Talent von Alba Berlin aus. Doch dann sah der junge Mann plötzlich, was seine Kollegen taten: Sie ließen sich von ihren treusten Fans noch ausgiebig feiern. „Ich komme gleich wieder“, sagte er also, „aber jetzt muss ich kurz weg. Ich will das jetzt auch genießen.“

Rund 12.232 Zuschauer in der Mercedes-Benz Arena konnten das schon vorher tun, in einem spannenden, hart umkämpften, doch immer fairen Basketball-Klassiker gegen Brose Bamberg, den Alba mit 92:88 (52:49) gewann. Dabei fehlten den Berlinern vier verletzte Stammkräfte, alle auf den kleinen Positionen. Und die vorangegangenen beiden Partien gegen Vechta in der Liga und Zagreb im Eurocup waren unter diesen komplizierten Umständen verloren worden. Eine Situation, mit der eine solch junge Mannschaft vor so einer Kulisse erst einmal klarkommen muss.

21-jähriger Pena vertritt Siva fast wie selbstverständlich

Alba-Trainer Aito Reneses verblüffte damit, dass er den 17-jährigen Franz Wagner in die Startformation stellte – am Ende hatte er fast 21 Minuten sehr mutig gespielt, acht Punkte geholt. Ebenso lange stand der ein Jahr ältere Mattisseck (sechs Punkte/sechs Korbvorlagen) auf dem Parkett. Dass der 21-jährige Stefan Peno (zehn Punkte/fünf Assists) mittlerweile beinahe wie selbstverständlich die Mannschaft anführt, weil Peyton Siva wegen eines Rippenbruchs zuschauen muss, daran hat man sich schon fast gewöhnt. Aber wie diese Youngster das Spiel gestalten, darüber kann man immer noch nur staunen.

„Diese Jungen lesen die Situationen schon sehr gut“, lobte Bambergs Trainer Ainars Bagatskis, „es sind einige Point Guards verletzt bei Alba, aber ihr Spiel sieht trotzdem gut aus.“ Gut organisiert, selten hektisch. Sein Kollege Reneses war stolz auf sein gesamtes Team, aber insbesondere auf seine Teenager: „Jonas und Franz spielen, als wüssten sie, wie man gegen Bamberg spielen muss.“ Und nach einer kurzen Pause: „Das ist sehr ungewöhnlich für so junge Spieler.“

So wie der Ausgang des Spitzenspiels. Vieles sprach für die Franken, die nach einigem Verletzungspech zum Saisonstart nun annähernd in Bestbesetzung antreten. Sie hatten mit ihrer Dreierquote von mehr als 55 Prozent eine Waffe, die sie immer wieder in Führung brachte. Ihren besten Werfer hatten sie in Stevan Jelovac (20 Punkte bei nur einem Fehlversuch). Und sie hatten viel Erfahrung mit Nikos Zisis (35) und Tyrese Rice (31). Aber sie hatten auch 21 Ballverluste, was Bagatskis am meisten beklagte: „So ist es schwer, egal, gegen wen man spielt.“

Alba hielt dagegen mit Talent, erstaunlicher Abgebrühtheit und sehr großem Willen. „Wir haben mit sehr viel Energie gespielt, wir haben alles investiert – wenn du das tust, kannst du auch gegen Bamberg gewinnen“, freute sich Rokas Giedraitis. Der Litauer war der Gegenpol zu Jelovac, nahm auch die schwierigsten Würfe, wenn sie gebraucht wurden und kam auf 19 Punkte. Aber es ist nicht gerecht, einzelne Spieler herauszuheben.

Dreier von Giedraitis kurz vor Schluss bricht den Bann

Vor allem gewannen die Gastgeber und blieben so erster Verfolger von Tabellenführer und Meister Bayern München, weil jeder seinen Beitrag leistete: Der in dieser Saison sehr konstant auftretende und mutig zum Korb ziehende Kapitän Niels Giffey (16 Punkte), Center Johannes Thiemann (elf Punkte/sieben Rebounds) oder der andere Brettspieler Clint Chapman (neun Punkte). Auch wenn dem Amerikaner Luke Sikma, wertvollster Spieler (MVP) der vergangenen Saison, nicht allzu viel gelang – er wird von allen Gegnern besonders hart verteidigt und schafft in jedem Fall viele Räume für seine Kollegen, die das gegen Bamberg zu nutzen verstanden.

Jedes Viertel war eng, häufig wechselten die Führungen hin und her. Die Gastgeber leisteten sich keine längere Schwächephase, sondern wirkten die gesamten 40 Minuten lang hochkonzentriert. Trainer Reneses wird dabei besonders gut gefallen haben, dass sich seine junge Truppe auch nicht verunsichern ließ, als Bamberg im dritten Durchgang eine Serie von 59:64 zum 68:65 aufs Feld legte, moderiert von Rice und Jelovac, die in diesem Viertel jeweils zehn Punkte beisteuerten. Erneut jedoch fingen sich die Berliner und erkämpften sich den Vorsprung zurück. Bis zum 83:83 ganze 24 Sekunden vor Schluss war die Partie völlig offen, dann brach ein Dreier von Giedraitis den Bann. Die Franken schafften es trotz aller Versuche nicht mehr zu kontern.

„Bamberg hat es uns lange sehr schwer gemacht, aber wir haben es trotzdem geschafft“, sagte Johannes Thiemann, „das war die richtige Reaktionen auf die Niederlage gegen Zagreb.“ Im Eurocup wartet auch die nächste Aufgabe, am Mittwoch (20 Uhr) kommt CSP Limoges in die MB Arena. Wenn Alba eine ähnliche Leistung gelingt, könnte es wieder was zu feiern geben.