Basketball

Tyrese Rice: Nicht ohne seinen Sohn

Sein Sohn ist sein Ein und Alles: Was aus dem Bamberger Tyrese Rice mehr macht als einen der Stars in der Basketball-Bundesliga.

Tyrese Rice (M.) spielte für die Artland Dragons, Bayern München und nun für Brose Bamberg. Titel gewann der Amerikaner allerdings anderswo.

Tyrese Rice (M.) spielte für die Artland Dragons, Bayern München und nun für Brose Bamberg. Titel gewann der Amerikaner allerdings anderswo.

Foto: dpa Picture-Alliance / HMB Media / Ryan Evans / picture alliance / Ryan Evans

Berlin.  Zum ersten Mal in dieser Saison wird die Mercedes-Benz Arena am heutigen Sonntag (15 Uhr, Telekomsport) bei einem Heimspiel von Alba Berlin richtig voll sein. Mehr als 11.000 Tickets sind verkauft für die 89. Auflage des Basketball-Klassikers gegen den neunmaligen deutschen Meister Brose Bamberg. Sportlich stehen die Vorzeichen allerdings nicht gut für die Gastgeber. Die vergangenen beiden Partien in Vechta und daheim gegen Zagreb haben sie verloren. Das liegt vor allem an den riesigen Verletzungssorgen auf der Guard-Position. Mit Stefan Peno (21 Jahre) und Jonas Mattisseck (18) stehen nur zwei gesunde Spielmacher im Team.

„Er ist noch ein größerer Mensch“

Ausgerechnet gegen die Franken. Deren Regisseure Nikos Zisis (35) und Tyrese Rice (31) sind zwei der routiniertesten und erfolgreichsten Spieler in der Bundesliga. Der Grieche Zisis wurde 2005 Europameister und 2006 Vizeweltmeister, gewann 2008 die Euroleague mit ZSKA Moskau sowie neun nationale Meisterschaften in Griechenland (1), Italien (4), Russland und Deutschland (je 2). Der Amerikaner Rice hat nicht so viele Titel erobert, bei ihm jedoch gingen sie einher mit persönlichen Ehrungen. Als Euroleague-Sieger 2014 mit Maccabi Tel Aviv wie als Eurocup-Champion 2015 mit Khimki Moskau heimste der wieselflinke und wurfstarke Mann aus Richmond/Virginia zugleich die Pokale für den MVP, den wertvollsten Spieler der Finalrunden ein.

Aber es sind nicht seine sportlichen Meriten, die Tyrese Rice besonders machen, sogar „einzigartig“, wie Marko Pesic sagt. Der einstige Alba-Star, inzwischen seit sieben Jahren Manager beim deutschen Meister Bayern München, kennt den Amerikaner seit der Saison 2012/13, als der 31-Jährige an der Isar unter Vertrag stand. „Tyrese hat eine große Karriere gemacht, aber er ist ein noch größerer Mensch“, sagt er. Pesic hat erlebt, wie sich Rice um seinen Sohn Ashawn kümmerte. „Neben seinem Job als Basketballprofi hat er mit ihm Schularbeiten gemacht, hat für ihn gekocht, seine Tasche gepackt. Er hat das alles allein gemacht.“ Ohne große Worte. Über die Mutter des Jungen wurde nie gesprochen. Es war nur bekannt, dass Rice seinen Sohn seit 2010 auf seiner Tour kreuz und quer durch Europa immer bei sich hatte, in Quakenbrück, Vilnius, München, später Tel Aviv und Moskau.

Bei jeder Gelegenheit fliegt Rice heim

„Ashawn ist mein Ein und Alles. Er ist überall, wo ich auch bin. Sein Leben hat höchste Priorität“, sagte er in einem Interview dem Sportportal „Spox“. Aber es war klar, dass es nicht ewig so weiter gehen konnte. Darum entschied er, dass der inzwischen zwölf Jahre alte Junge wieder in Virginia bei der Großmutter lebt, wo er nun zur Schule geht. Vater und Sohn sehen sich in der basketballfreien Monate im Sommer oder wenn Brose mal kein Spiel hat. „Wenn zwei, drei Tage frei sind, fliegt Tyrese heim“, erzählt Thorsten Vogt, Kommunikationschef der Bamberger.

Die Leistungen von Rice leiden nicht darunter. Mit gut 31 Minuten steht er bei den Franken die meiste Zeit auf dem Feld, steuert pro Partie knapp 14 Punkte und acht Vorlagen zum Erfolg bei. Wie auf fast all seinen Stationen hat er nur einen Einjahresvertrag unterschrieben, der sehr gut dotiert sein soll. Nachdem er zuletzt beim FC Barcelona und den Shenzhen Leopards in China vermutlich noch mehr Geld verdiente, aber nicht glücklich mit der sportlichen Situation wurde, ist er froh, zum dritten Mal in der Bundesliga zu sein. „Ich glaube, dass wir hier mit unserer Mannschaft ein Titelanwärter sind“, sagt er.

Doch so wohl er sich hier fühlt, dauerhaft bleiben will er trotzdem nicht. Er werde vielleicht noch ein weiteres Jahr spielen und gehe dann „zurück in die USA zu meiner Familie. ­Ashawn kommt in zwei Jahren auf die High School. Und ich werde dann die ganze Zeit für ihn da sein“.