Basketball

Ein Triumph über jede Basketball-Weisheit

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Dietmar Wenck
Ab durch die Mitte, typisch Martin Hermannsson: Der 24-Jährige ist schnell und hat keine Angst vor zupackenden Gegenspielern. Doch nun stoppt den Isländer (M.) eine Bänderverletzung.

Ab durch die Mitte, typisch Martin Hermannsson: Der 24-Jährige ist schnell und hat keine Angst vor zupackenden Gegenspielern. Doch nun stoppt den Isländer (M.) eine Bänderverletzung.

Foto: Michael Hundt / Matthias Koch / imago/Matthias Koch

Hohe Führung verspielt, Martin Hermannsson verloren, trotzdem gewonnen: Alba Berlin verblüfft sogar seinen Trainer Aito Reneses.

Berlin.  Am Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel trennten sich ihre Wege. Die Mannschaft von Alba Berlin fuhr am Donnerstagmittag, noch beflügelt vom 106:101-Sieg bei Tofas Bursa im Basketball-Eurocup, mit dem Bus in die niedersächsische Provinz. Bei Aufsteiger Rasta Vechta wartet am Sonnabend (20.30 Uhr, Telekomsport) die nächste Aufgabe in der Bundesliga. Der traurige Martin Hermannsson aber reiste im Zug auf Krücken heim nach Berlin, wo abends eine Computertomografie anstand. Ihm war da schon bewusst: Er wird seinem Team eine Weile fehlen.

Die erste Verletzung des Isländers

„Ich bin optimistisch“, sagte der Isländer zwar, schob aber gleich hinterher, dass sein rechter Fuß, mit dem er umgeknickt war, beim Gehen doch arg schmerze. „Ich hatte noch nie eine ernsthafte Verletzung und hoffe, es ist nicht so schlimm.“ Wer ihn in Bursa vom Feld humpeln sah wie Himar Ojeda, schließt sich eher der Meinung des Alba-Sportdirektors an: „Martin will schnell zurückkommen. Ich glaube, daraus wird nichts.“ Der 24-Jährige ist mit seiner Bänderverletzung der dritte Ausfall auf den kleinen Positionen nach Peyton Siva (Rippenbruch) und Joshiko Saibou (Fußentzündung).

Um so erstaunlicher, was die Berliner in der Türkei boten. Eine Halbzeit, in der fast alles gelang und ein Polster von 52:32 herausgearbeitet wurde. Dann 14 Minuten, in denen Tofas den Rückstand zum 78:76 mehr als aufholte. In diese Phase fiel der Ausfall Hermannssons. 51 Sekunden vor Schluss lag Bursa mit 90:86 vorn, doch zwei irre Dreier des Litauers Rokas Giedraitis verhalfen den Gästen zum 92:92 und damit in die Verlängerung, wo sie sich durchsetzten wie alte Hasen. Daran hatten Youngster wie Kenneth Ogbe (23), Stefan Peno, Tim Schneider (beide 21), Jonas Mattisseck (18) und Franz Wagner (17) maßgeblichen Anteil. Während auf der anderen Seite erfahrene US-Profis von Tofas nur staunten.

Vor schweren Aufgaben ohne drei Stammspieler

Mehr als ungewöhnlich: eine 20-Punkte-Führung hergeben, den nächsten Kreativspieler verlieren, aber gegen jede Basketball-Weisheit, das so genannte Momentum und ein lautstarkes Publikum trotzdem gewinnen. „Ich habe mich nach dem Spiel mit Aito (Trainer Aito Reneses, d.Red.) über die Mannschaft unterhalten“, berichtete Ojeda, „sie hat einen super Charakter.“ Kurze Pause. „Aber ganz ehrlich: Sie ist sogar uns ein Rätsel. “

Im Eurocup ist die Zwischenrunde fast sicher erreicht. Vielleicht setzt es jetzt ohne Siva, Hermannsson und Saibou auch Rückschläge in Vechta sowie in den Heimspielen gegen Zagreb (Mittwoch, 20 Uhr), Brose Bamberg (18. November, 15 Uhr) und Limoges (21. November, 20 Uhr, alle Telekomsport). Solche Gedanken existieren in der Mannschaft offenbar nicht. „Wir haben als Team zusammengehalten, deshalb haben wir gewonnen“, beschrieb Giedraitis, mit 21 Punkten bester Alba-Schütze, in dürren Worten das Erfolgsgeheimnis von Bursa. Reneses saß direkt neben ihm. Ob diese Worte für ihn des Rätsels Lösung waren, ist nicht überliefert.

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