Basketball

Von der Schul-AG in die Basketball-Bundesliga

Die Crailsheim Merlins holten Basketball auf Topniveau in die Provinz. Spiele wie das in Berlin sind die Belohnung dafür.

Konrad Wysocki (l.) geht in seine vierte Saison bei den Crailsheim Merlins.

Konrad Wysocki (l.) geht in seine vierte Saison bei den Crailsheim Merlins.

Foto: dpa Picture-Alliance / BEAUTIFUL SPORTS/Axel Kohring / picture alliance / Beautiful Spo

Berlin.  Martin Romig ist gerade nicht auf Kuschelkurs. Die Frage, wie lange die Crailsheim Merlins ihre Spiele der Basketball-Bundesliga noch vor knapp 3000 Zuschauern in der Arena Hohenlohe austragen wollen, beantwortet der Geschäftsführer des Aufsteigers schnippisch: „Wir haben eher eine neue Halle als Berlin einen neuen Flughafen.“ Treffer. Die Merlins kommen jedenfalls nicht mit übertrieben großem Respekt zum Spiel gegen Alba Berlin an diesem Freitag (20.30 Uhr) in de 14.500 Fans fassende Mercedes-Benz Arena.

14 oder 16 Klubs würden vielen Teams reichen

Kritiker sagen: Crailsheim, der Mitteldeutsche BC, Jena oder Vechta hemmen die Bundesliga (BBL) mehr, als dass sie ihr Schwung verleihen. International aktive Klubs wie Alba (66 Spiele in der Saison 2017/18), Bayern München oder Brose Bamberg (je 72) würden sich eine BBL mit 14 oder 16 Vereinen statt 18 wünschen. Einer der Vorkämpfer war lange Marco Baldi, Berlins Geschäftsführer und BBL-Vizepräsident. „Unsere Argumente haben aber nicht überzeugt“, sagt er und meint mit uns: sich selbst, Bambergs Mäzen Michael Stoschek und Bayern-Präsident Uli Hoeneß.

Dabei, sagt Baldi, gehe es weniger um die Mehrbelastung: „Die zwei oder vier Spiele schaffen wir auch noch.“ Die Liga müsse sich entwickeln. „Wenn es 18 Standorte gibt, die die BBL weiterbringen, ist alles okay.“ Tun sie das? Das durchschnittliche Budget der 18 Klubs beträgt mittlerweile sieben Millionen Euro. Vor einem halben Jahr fand sich in der BBL eine Mehrheit für den Beschluss, ab 2019/20 die Mindestetats von jetzt zwei auf drei Millionen Euro hochzuschrauben. Was einige Vereine vor arge Probleme stellt. Vielleicht gelingt so doch noch eine Verkleinerung der Liga.

Manager Romig war schon beim Nullpunkt dabei

„Wir werfen niemanden raus“, sagt BBL-Präsident Alexander Reil, „aber jeder Klub muss seinen Beitrag zum Wachstum leisten.“ Allerdings: „Es gibt schwächere Standorte als Crailsheim.“ Obwohl die Stadt nur 34.000 Einwohner hat. „Wir sind in einer der wirtschaftsstärksten Regionen in Deutschland unterwegs“, erklärt Romig. Nahe an null Prozent Arbeitslosenquote, umgeben von florierenden Unternehmen. Der Bekleidungshersteller Hakro wurde vor Kurzem Namenssponsor. Romig: „Wir stecken mitten in der Entwicklung.“

Wohin, das muss man sehen. Woher, das kann man sagen. Vor 33 Jahren begann in einer Schul-AG die Sportart Basketball in Crailsheim zu existieren. Romig (50) war schon beim Nullpunkt als Schüler dabei. Seitdem ist der Verein organisch gewachsen – von der Kreisliga B bis in die Bundesliga. Und die drei Millionen? „Die haben wir jetzt schon fast“, sagt er. Anders seien die BBL-Standards mit Hallenausstattung und Jugendarbeit doch sowieso nicht zu finanzieren.

Vor 32 Jahren hieß der Gegner noch Heumaden

Und gleichzeitig eine wettbewerbsfähige Mannschaft aufzustellen. Mit dem Australier Ben Madgen, Konrad Wysocki, der 2008 neben Dirk Nowitzki im deutschen Team bei den Olympischen Spielen dabei war, sowie den Amerikanern Michel Cuffee, Brion Rush und Frank Turner war dies schon vor der Verpflichtung von DeWayne Russell gelungen. Der 25-Jährige wechselte diese Woche aus Nancy nach Crailsheim, das je 100 Kilometer von den gut funktionierenden Bundesligastandorten Ulm, Ludwigsburg und Würzburg entfernt liegt.

Den Freitagabend in der Mercedes-Benz Arena sieht Romig als Belohnung für die Aufbauarbeit. Auf Facebook beschreibt er, wie sein Verein noch vor 32 Jahren in der Kreisliga B im Bezirk III gegen Heumaden spielte: „War geil, wir haben gewonnen.“ So weit muss es ja heute nicht kommen.

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