Basketball

„Mo ist mein großes Vorbild“

Moritz Wagner hat es von Alba Berlin in die NBA geschafft. Seinem Bruder Franz werden nun ähnliche Karrierechancen vorhergesagt.

Franz Wagner startet durch – momentan in der Bundesliga

Franz Wagner startet durch – momentan in der Bundesliga

Foto: O.Behrendt / contrastphoto

Berlin.  Rund 9300 Kilometer und neun Stunden Zeitdifferenz trennen sie momentan. Das ist ganz schön hart für Franz Wagner und seinen Bruder Moritz. Immerhin schaffen sie es, sich jeden Tag zu unterhalten, kein Problem in diesen modernen Zeiten. Facetime heißt das Zaubermedium. Aber wirklich jeden Tag? Was erzählt man sich da so? „Ich will schon wissen, was los ist“, sagt der 17-jährige Franz Wagner, „sein Leben ist ja nicht das uninteressanteste.“

Zwölf Punkte im ersten Saisonspiel

Das darf man so sagen. Das Leben von Wagner, dem vier Jahre Älteren, hat gerade viel von Hollywood. Moritz Wagner, der vor elf Jahren bei Alba Berlin mit dem Basketballspielen begonnen hatte, ist nach einem Zwischenstopp an der Universität in Michigan bei den Los Angeles Lakers gelandet. Zurzeit bremst ihn zwar noch eine leichte Knieverletzung, aber sehr wahrscheinlich wird er in Kürze der nächste Deutsche in der Millionärsliga NBA sein, der erste Berliner. „Das ist schon krass, den ganzen Tag Basketball und dann zusammen mit den Lakers und LeBron James“, schwärmt Franz Wagner. James gilt als der beste Basketballspieler der Welt.

Er selbst hat auch schon mehr erreicht als die meisten Jungs in seinem Alter. Vergangene Saison wurde er noch 16-jährig der jüngste Alba-Akteur in der Bundesligageschichte. Mit dem Nachwuchs des Vereins wurde er deutscher Meister und dabei zum besten Spieler des Finalturniers gekürt. Aktuell gehört er zum Kader von Alba-Trainer Aito Reneses für das Pokal-Achtelfinale an diesem Sonntag (15 Uhr) gegen Bayreuth in der Schmeling-Halle. Erst am Dienstag erlebte Wagner seine Premiere im Eurocup beim 107:91 gegen Bursa. Den Sonnabend davor erzielte er beim 112:55 gegen Jena zwölf Punkte ohne Fehlwurf. „Das war sehr, sehr gut“, lobte Aito.

Körperlich muss er noch zulegen

Der junge Mann kommentiert seine Leistung so: „Es war ja generell ein guter Tag für das Team.“ Immer schön bescheiden bleiben, nicht abheben: Ihm muss man das nicht groß erklären, scheint es. Egal, wen man bei Alba auf Franz Wagner anspricht, die Reaktionen sind ziemlich ähnlich. Genau wie sein Bruder sei er ein riesiges Basketball-Talent, sehr klar im Kopf, zielstrebig, ehrgeizig, aber niemals vorlaut. „Franz und Moritz“, sagt Assistenztrainer Thomas Päch, der beide von klein auf kennt, „haben von ihren Eltern Werte mitbekommen, die sie überall im Leben erfolgreich werden lassen.“

Dazu gehört, nichts selbstverständlich zu nehmen, sondern immer besser werden zu wollen. Das ist gar nicht so einfach, wenn man von allen Seiten hört, man sei ja noch talentierter als sein Bruder. Franz Wagner ist Ende August 17 geworden, 2,03 Meter groß, 92 Kilo schwer. Prognostiziert wurde, dass er bei 2,06 Meter landen werde. Perfekt für einen Außenspieler wie ihn. Jetzt arbeitet er an seiner Bein- und Rumpfmuskulatur, „die müssen stärker werden“, weiß er. Man muss auch mal abwarten, wie der Körper das schnelle Größerwerden verkraftet, in der letzten Saison setzte ihm das ordentlich zu.

Mit sieben Jahren und Stirnband fing alles an

Aber wenn alles gut geht mit diesen Wachstumsschmerzen, nimmt er dann den gleichen Weg wie Moritz – Alba, College, NBA? Er hat im Sommer Abitur gemacht, Note 1,2 übrigens, könnte also rübergehen. „Ein paar Colleges haben sich gemeldet, auch die University of Michigan“, wo sein Bruder zum Star aufstieg. Doch Wagner will erst mal das Profileben kennenlernen. Er hat außerdem eine zweite Lizenz für Drittligist Lok Bernau, Albas Kooperationspartner. „Nächstes Jahr“, sagt er, „entscheide ich, was ich mache.“

In die USA zu gehen, ist eine Option. Bei Alba einen Vertrag zu unterschreiben, die andere. „Ich fühle mich sehr wohl hier, das ist ja mein Zuhause.“ Als Siebenjähriger kam Wagner zum Verein, mit langen Haaren und Stirnband. Mit dem Basketball begann er, „weil Mo das auch gemacht hat. Ich wollte schon immer machen, was er gemacht hat. Er ist mein großes Vorbild.“ Unglaubliche Glücksgefühle müssen es gewesen sein, als die Lakers am 21. Juni beim sogenannten Draft Moritz Wagner aus der Masse der Talente auswählten. Die ganze Familie war bei der Verkündung in New York dabei, auch Alba-Profi Tim Schneider, Kumpel seit Kindertagen. Und was empfiehlt ihm sein Bruder? „Mo sagt mir, ich soll machen, worauf ich Bock habe. Das muss man von Fall zu Fall allein entscheiden.“

In Berlin hat er jemanden, der ihm alles beibringen kann

So schlecht stehen Albas Chancen nicht, das klingt durch. Auch, weil hier ein ganz besonderer Trainer arbeitet. „Aito ist ja weltweit dafür bekannt, dass er aus jungen Spielern sehr, sehr gute Spieler macht, die dann irgendwann sogar in der NBA landen können.“ Der Spanier Ricky Rubio, der Lette Kristaps Porzingis fallen ihm da als jüngste Beispiele ein. Ob der spanische Coach noch länger als bis 2019 in Berlin bleibe, sagt Franz Wagner, „das zieht mit in meine Entscheidung ein“.

Darauf lässt sich der 71-Jährige jetzt natürlich nicht festlegen, aber dafür darauf, was er von seinem jüngsten Schützling im Team erwartet. „Dass er sich stark verbessert. Franz muss weiter lernen und gut spielen. Um ein sehr guter Spieler zu werden, dafür muss er noch viel lernen. Und er muss mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben. Den richtigen Charakter hat er.“ Alba-Sportdirektor Himar Ojeda meint, es mache keinen Sinn für Wagner, so bald nach Amerika zu gehen: „Franz hat den Willen zu lernen. Und er ist in der guten Situation, dass er hier jemanden hat, der ihm alles beibringen kann.“

Sich mit 17 Jahren in der Bundesliga durchzusetzen, ist ja fürs Erste auch nicht ohne, nicht mal für ein Talent wie Franz Wagner. Ist denn die NBA überhaupt sein Ziel? „Ich würde es nicht Ziel nennen, ich nenne es einen Traum“, antwortet er. Ein Traum, der jeden Tag am Telefon neue Nahrung bekommt.