Basketball

Das Hoffen der Konkurrenz auf müde Münchner

Der Meister geht mit dem stärksten Kader seiner Geschichte an den Start, muss aber auch neue Herausforderungen meistern

Foto: Matthias Balk / dpa

Berlin.  14 von 18 Bundesliga-Trainern tippten bei einer Umfrage des Basketball-Magazins „Big“ auf Bayern München als neuen Meister. Einen simplen Grund gab Frankfurts Trainer Gordon Herbert an. München habe ja schon im vergangenen Jahr den Titel geholt, „und wenn ich mir jetzt den Kader anschaue, sehen sie dieses Jahr noch stärker aus“. Bei seiner Prognose wusste Herbert nicht einmal, was die Personalplanungen der Bayern an weiteren Überraschungen parat hielten. Den langjährigen NBA-Profi Derrick Williams (428 Einsätze) etwa, mit dem sich die Bayern einig sind. Und das muss längst nicht das Ende ihrer Verpflichtungen sein.

Die Bayern sind mit ihrem Etat von mehr als 20 Millionen Euro finanziell eindeutig der Dominator der Bundesliga. Nie zuvor war das Team so hochkarätig und breit aufgestellt wie vor dieser Saison. Es soll ja im vierten Anlauf auch in der Euroleague eine gute Rolle spielen. Der Wettbewerb mit den Besten des Kontinents bedeutet für die Bayern neben den 34 Bundesligaspielen der Hauptrunde mindestens weitere 30 Partien in der Königsklasse inklusive Reisen von Tel Aviv über Moskau bis auf die Kanarischen Inseln. „Kein Problem“, betont Geschäftsführer Marko Pesic, „nur eine große Herausforderung. Man muss sich gut organisieren. Wir sind mindestens konkurrenzfähig. Es ist gut, dass wir das Grundgerüst unserer Mannschaft zusammengehalten haben.“

Verstärkung durch Lo und Radosevic

Vor allem der umworbene Kapitän Danilo Barthel, aber auch Center Devin Booker oder der serbische Spielmacher Stefan Jovic wurden vom Bleiben überzeugt. Aus Bamberg wurden der gebürtige Berliner Maodo Lo sowie der frühere Alba-Center Leon Radosevic verpflichtet. Aus Bayreuth wechselte Nationalspieler Robin Amaize nach München. Königstransfer ist der Finne Petteri Koponen, der vom FC Barcelona kam. Der 30-Jährige soll das Problem der Bayern aus der Distanz lösen. In Barcelona verwandelte er fast 50 Prozent seiner Dreier. Das schließt eine der letzten Lücken, die es in München noch gab.

Der Saisonstart am Freitagabend gelang: 83:77 (46:38) in Ulm. Der Gewinn der deutschen Meisterschaft behält laut Pesic „oberste Priorität. Die Saison in der Euroleague ist für uns ein Orientierungsjahr“, wie sich beide Wettbewerbe verkraften lassen. Vor jeder Saison wird die Doppelbelastung als ganz wichtiger, vielleicht sogar entscheidender Faktor bei der Titelvergabe ausgerufen. Doch gerade Brose Bamberg, das in den vergangen neun Jahren sieben Mal Meister wurde, führte diese Theorie ad absurdum. Natürlich ist der Tanz auf zwei Hochzeiten anstrengend. Doch die Spieler entwickeln sich in der Europaliga auch enorm weiter.

Nun gehören die Bamberger neben Alba zu den Bayern-Jägern. Allenfalls Außenseiterchancen haben Ratiopharm Ulm, Oldenburg und die Frankfurt Skyliners. Doch die Bayern, die sich vergangene Saison in je fünf Play-off-Partien gegen Frankfurt und Berlin quälten, werden diesmal aufgrund ihrer individuellen Qualität noch schwerer zu schlagen sein. Wenngleich sie mit der Knieverletzung von Milan Macvan einen schweren Dämpfer erlitten.

Ziel: Als erster deutscher Klub ins Euroleague-Play-off

Und wenn sie sich nicht selbst schlagen, es wäre ja nicht das erste Mal. Gespannt darf man sein, wie sich ihr Trainer Dejan Radonjic der Aufgabe gewachsen zeigt, in München zu bestehen. Manch prominenterer Vorgänger von Dirk Bauermann bis zu Sasa Djordjevic verließ den Verein im Unfrieden. Der 48-jährige Montenegriner Radonjic wurde vergangene Saison für den gefeuerten Djordjevic verpflichtet und erfreute sich anfangs nicht gerade großer Wertschätzung. Der Meistertitel hat das verändert.

Doch Bayern München, das ab 2021 in einer 11.500 Zuschauer fassenden Arena seine Heimspiele bestreiten will, peilt viel höhere Gipfel an. „Man hat immer das höchste Ziel“, sagt Marko Pesic, „wir wollen ins Play-off der Euroleague, denn das ist die Voraussetzung für das Final Four.“ Dorthin schaffte es noch kein deutscher Klub. Die Bayern wollen die ersten sein.