Basketball

Martin Hermannsson ist der neue Eismann von Alba Berlin

Martin Hermannsson hat sich in der Hauptstadt schnell eingelebt. Auch, weil ein Freund von ihm bei den Füchsen Berlin spielt.

Martin Hermannsson (r.) noch im  Trikot von Chalons Reims

Martin Hermannsson (r.) noch im Trikot von Chalons Reims

Foto: Getty Images / Icon Sport/Getty Images

Berlin.  Wie bekannt Martin Hermannsson bei seinen Landsleuten ist, davon bekam der neue Spieler von Alba Berlin ein Bild, als er vor Kurzem Tommi’s Burger Joint betrat, ein isländisches Restaurant ganz in der Nähe seiner Wohnung. Er bestellte auf englisch sein Essen, als der Kellner antwortete: „Bist du nicht Martin?“ Ja, antwortete der verblüfft und wechselte sofort in seine Muttersprache. Verrückt, aber so sei das bei dem kleinen Völkchen von der Insel im Norden, auf der nur rund 330.000 Menschen leben. „Jeder kennt jeden“, sagt der 23-Jährige lachend, was natürlich ein bisschen übertrieben ist. Doch einen der besten Basketballprofis Islands, den kennen viele.

Hermannsson sagte Top-Klub für Alba ab

Hermannsson soll bei Alba den Amerikaner Spencer Butterfield ersetzen, der nach Italien wechselte. Gute Gründe gab es für ihn, in Berlin zu unterschreiben, statt ein Angebot des Europaligisten Darüssafaka Istanbul anzunehmen. Der Schritt von seinem letzten Klub, Chalons Reims in Frankreich, war ihm zu groß, er möchte sich lieber mit den Berlinern im Eurocup beweisen. Er ist seit zweieinhalb Monaten Vater und wollte seinem Sohn Manuel nicht so weite Flüge zumuten. Und nicht seinen Verwandten, die ihn besuchen kommen wollen. Außerdem sah er beim vierten Meisterschaftsfinale Albas gegen Bayern München am 13. Juni zu, das sein neuer Klub gewann. Mit einer hinreißenden Teamleistung, vor einer riesigen, heißen Kulisse. Er saß mittendrin. „Als ich die 15.000 Fans erlebt habe, war meine Entscheidung klar.“ Vier Tage später hat Hermannsson in der Türkei abgesagt und in Berlin unterschrieben.

Ausstiegsklausel im Vertrag

Einen Vertrag für zwei Jahre, aus dem er nach einer Saison aussteigen darf, wenn eine sechsstellige Ablösesumme fließt – so wie das zuletzt bei Marius Grigonis lief. „Ich kann mir aber auch vorstellen, länger zu bleiben, wenn es mir gefällt“, sagt der junge Familienvater. Am Montag hat er zum ersten Mal mit seinem neuen Team geübt, am Mittwoch wird Coach Aito Reneses erscheinen, wenn offizieller Trainingsauftakt ist. Erst seit Sonnabend ist der Isländer in der Stadt, „doch ich fühle mich, als wäre ich schon fünf Jahre hier“.

Das liegt auch daran, dass er bereits eine Weile einen Freund in Berlin hat: Bjarki Elisson vom Handball-Bundesligisten Füchse Berlin, wie er isländischer Nationalspieler. Ihre Frauen sind ebenfalls gut befreundet, und so kommt natürlich schnell ein Heimatgefühl auf. Frau Hermannsson hat zudem eine deutsche Großmutter, deshalb kann er schon jetzt ein paar Brocken Deutsch. Elisson hat ihm übrigens auch geraten, zu Alba zu kommen, wegen der tollen Stadt, der großen Bekanntheit des Klubs und seiner Fans, was Hermannsson seit Juni ja nur bestätigen kann.

Vermutlich werden zukünftig auch isländische Fans bei Alba zuschauen. Ständig bekommt er über sein Handy Anfragen nach Tickets, selbst von Leuten, die er gar nicht kennt. „Die Isländer lieben einfach Berlin“, sagt er. Und er liebt Basketball, obwohl auch er es anfangs neben anderen Sportarten mit Fußball probierte. Doch er bekam kalte Füße, in drastischer Form. „In Island liegt vier bis fünf Monate Schnee, acht Monate ist es kalt“, sagt er. Nichts für ihn. Eine kluge Entscheidung also. Vielleicht erweist sich der Wechsel zu Alba ja auch als eine solche.

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