Basketball

Albas Nachwuchscoach Ramer ist: Der Ziel-Finder

Ferdinand Ramer ist Trainer von Albas U18-Mannschaft. Er will zeigen, dass es im Basketball um mehr geht als um Profi-Karrieren

Gesprächsbedarf: Albas U18-Coach Ferdinand Ramer mit seinem Team

Gesprächsbedarf: Albas U18-Coach Ferdinand Ramer mit seinem Team

Foto: Ferdinand Ramer / Wien Basketball

Berlin.  Drei deutsche Meisterschaften in einer Saison – Alba Berlins Basketballer haben in der vergangenen Spielzeit mächtig abgeräumt. Sicher, das Bundesliga-Team verpasste im Finale gegen Bayern München den Titel. Aber dafür hat der Nachwuchs den Trophäenschrank fleißig aufgefüllt.

Titel in der U19, U16 und U14, das ist zuvor noch keinem Verein in einer Saison gelungen. Für die Zukunft des Klubs ist also vorgesorgt, hochtalentierte Zöglinge stehen bereit. Einige Nachwuchsspieler klopften bereits an die Tür zur Profibühne und wurden von Trainer Aito Reneses, einem international hoch anerkannten Talententwickler, auch wirklich eingelassen. Bennet Hundt (19) zum Beispiel, Hendrik Drescher oder Jonas Mattiseck (beide 18).

„Es muss nicht immer die große Karriere sein“

Doch hinter diesen großen Erfolgen liegt zugleich ein kleines Problem: Natürlich ist nicht jedem Spieler dieser Schritt vergönnt. Wie in jedem Nachwuchsteam gibt es auch bei Alba Spieler, die den ganz großen Schritt zum Profi nicht schaffen werden. Oder gar, wie Moritz Wagner, den Sprung vom Alba-Kind zum Spieler der Los Angeles Lakers. Wie man genau diese Basketballer trotzdem bei Laune und in Form hält, weiß Ferdinand Ramer.

Der 24-Jährige ist U18-Coach bei den Berlinern, einer von rund 120 Jugendtrainern, die der Verein beschäftigt. Drei Saisons hat der gebürtige Bamberger, der einst selbst für Brose Bamberg in der zweiten Regionalliga spielte und bei den Franken schon früh Trainererfahrung sammelte, die 16 bis 17-Jährigen bereits trainiert. Und dabei gelernt, dass es vor allem auf eines ankommt: Perspektiven.

„Es muss nicht immer die große Karriere sein“, sagt Ramer, „es gibt auch in einem Verein wie Alba Träume, die niedriger angesetzt werden können.“ Darüber spricht er viel mit seinen Spielern. Über Träume. Aber vor allem über Ziele. „Das kann beispielsweise sein, dass ich mich weiterentwickeln, dass ich an meinem Wurf arbeiten oder dass ich eine wichtige Rolle im Team spielen will“, meint der Trainer, der manchmal eben auch Psychologe oder freundschaftlicher Berater ist. Es muss ja bei den Zielen nicht immer um die Bundesliga oder die NBA gehen.

Manch einen führt er noch in den Dunstkreis der Profis

Dennoch geht der Blick hin und wieder nach ganz oben. „Es ist natürlich schön, wenn ich es schaffe, die Spieler noch einmal für den erweiterten Bundesliga-Kader interessant zu machen“, sagt Ramer. Schon ein Reinschnuppern bei den Profis könne einen Schub geben, frische Motivation bringen auch. In der Regel aber werden Talente mit Profiperspektive schon in der U16 besonders gefördert. Eines will Ramer seinen Spielern deshalb mehr als alles andere vermitteln. Gesunde Selbstwahrnehmung.

„In der U18 sollte man lernen, sich selbst einzuschätzen. Träume sind natürlich nicht verboten. Aber bei den meisten stimmt die Größe oder die Athletik nicht“, sagt Ramer. Es ist die berühmte Alles-oder-nichts-Phase, die der Lehramtsstudent aufzufangen versucht. Sein ehrgeiziges Ziel dabei: die Basketball-Begeisterung wachsen zu lassen. Damit seine Schützlinge eben nicht an den Limits verzweifeln, die den Start einer großen Karriere verhindern.

Wertvolle Erfahrungen bei einem Projekt in Namibia

Seine persönliche Erfahrung hilft ihm dabei. 2013 ging Ramer für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) nach Namibia. In Windhoek arbeitete er an der Basketball Artist School, einem Projekt, das sich zum Ziel gesetzt hat, Kinder von der Straße zu holen, alles unter dem Motto „erst die Schule, dann der Sport“.

Selbstverständlichkeiten gab es dabei kaum, weder was intakte Spielfelder betraf noch die Anzahl der Bälle. Ramer erzählt von Nägeln, die in einer Sporthalle der dortigen Universität aus den Bodendielen herausragten. „Da musste man schon wissen, wo man hinfallen kann“, erinnert sich der Trainer. Zustände, die für seine Jungs bei Alba unvorstellbar sind. Und die zeigen, dass zwischen „Alles“ oder „Nichts“ eine ganze Menge passt.

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