Kristaps Porzingis

NBA-Star zu Besuch bei Alba: Ein Einhorn und sein Entdecker

NBA-Star Kristaps Porzingis erklärt beim Gast-Training in Berlin, warum sein früherer Förderer Aito Reneses für Alba so wertvoll ist

Lernen von einem ganz Großen: Albas Nachwuchs schaut sich bei NBA-Star

Lernen von einem ganz Großen: Albas Nachwuchs schaut sich bei NBA-Star

Foto: Gregor Fischer / dpa

Berlin.  Leuchtende Augen, offene Münder, ungläubiges Raunen. So richtig glauben konnten es die 15 jungen Alba-Talente nicht, dass sie plötzlich mit einem NBA-Star auf dem Parkett standen. „Kristaps Porzingis ist für mich einer der krassesten Basketballer überhaupt“, sagt John (15), der für die Berliner in der Jugendbundesliga spielt: „Dass er einfach hier bei uns in der Trainingshalle auftaucht, ist großartig.“

Eine Dreiviertelstunde reihte sich der 22 Jahre alte Lette am Freitag an den Übungsstationen ein, machte locker mit, flachste und gab nebenbei Anschauungsunterricht vom Feinsten. Freiwürfe trotz Ablenkungsmanövern? Kein Problem, zehn Versuche, zehn Treffer. Dass Porzingis auch das abschließende Wurfspiel gewann – Ehrensache, auch wenn ihm Leoni (15) dabei ganz schön dicht auf die Pelle rückte. „Das war knapp“, sagte der 2,21-Meter-Schlaks mit breitem Grinsen.

Normalerweise ist es ja Porzingis, der anderen im Nacken sitzt. Und zwar den Besten seiner Zunft. In der NBA zählt er seit diesem Jahr zur Riege der All-Stars, zur Crème de la Crème. In seinem dritten Jahr bei den New York Knicks, deren Gesicht er inzwischen ist, kam er auf knapp 23 Punkte, sieben Rebounds und 2,5 Blocks pro Partie. Längst wird er als der nächste Dirk Nowitzki gefeiert, auch vom Deutschen selbst.

Noch talentierter als Nowitzki

„Er ist größer als ich und trotzdem beweglicher, als ich es jemals war“, sagt Nowitzki über seien mutmaßlichen Erben, „und er verteidigt besser. Dazu hat er einen hervorragenden Wurf. Er bringt das ganze Paket.“ Tatsächlich vereint Porzingis eine so außergewöhnliche Kombination an Fähigkeiten auf sich, dass sie ihm in den USA den Spitznamen „Unicorn“ (Einhorn) verpasst haben. Dass ein Spieler wie er existiert, sei schließlich kaum zu glauben.

Warum ein solcher Ausnahme-Athlet ausgerechnet bei Alba vorbeischaut? Nun, weil ihn sein Sponsor als Stargast für ein Streetball-Turnier eingeflogen hat, einerseits. Hinzu kommt aber auch seine besondere Verbindung zu Alba-Coach Aito Reneses. Der Spanier trainierte ihn von 2012 bis 2014 bei Cajasol Sevilla, machte den damals 17-Jährigen zum Profi. „Ich habe noch keinen Trainer wie ihn gesehen“, schwärmt Porzingis, „sein Verständnis von Basketball ist einfach auf einem anderen Level.“

“Aito ist ein Genie“

Reneses sehe viele Details, die andere Coaches nicht sehen, vor allem sehe er auf den ersten Blick, woran junge Spieler arbeiten müssen. „Darin“, sagt er, „ist er ein Genie. Für mich und meine Entwicklung war er sehr wichtig. Alba kann sich sehr glücklich schätzen, ihn zu haben.“ Weil er die aktuellen Spieler besser macht und aus Nachwuchskräften Profis formt. Aber auch wegen eines strategischen Vorteils.

„Es gibt sehr viele Spieler, die gern zu Alba kommen würden“, ist sich Porzingis sicher. Wegen der tollen Stadt. Wegen Albas gutem Ruf. Und, na klar, „wegen Aito“, dem legendären Spieler-Entwickler. Dass ein Top-Spieler wie Bundesliga-MVP Luke Sikma im Vorjahr nach Berlin wechselte – oder unlängst der umworbene Nationalcenter Johannes Thiemann –, gibt dieser These recht, auch wenn sie sicher nicht für das oberste Gehaltssegment gilt.

Wertvoller Tipp für den Nachwuchs

Mit den ganz großen Summen werden die Berliner auch in Zukunft nicht um sich werfen. Umso mehr gilt das Augenmerk der Nachwuchsarbeit – „einer der besten in Europa“, wie Porzingis meint. Auf seiner Stippvisite bekam er einen Eindruck von Albas Trainingsmethoden. Bei einigen Übungsformen, in denen gleichzeitig Wahrnehmungs-, Denk- und Bewegungsaufgaben gelöst werden mussten, kam selbst er mächtig ins Schwitzen und hatte sichtlich Spaß. Auch das ein schönes Vorbild. Dafür, dass man als weltweit gefeierter Multimillionär ganz normal bleiben kann.

Vielleicht ist es gerade das, was Albas Talente vom Treffen mit Porzingis mitnehmen werden: die Einstellung. „Ich habe mir nie zu hohe Ziele gesetzt“, sagt er, „mit 16 wollte ich nicht in die NBA, sondern Profi in Spanien werden. Man muss einen Schritt nach dem nächsten machen und arbeiten, arbeiten, arbeiten.“ Aito Reneses hätte das nicht schöner sagen können.