Basketball

Alba-Talent Wagner ist reif für Hollywood

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Jörn Lange
Weiß, bei wem er sich zu bedanken hat: Moritz Wagner huldigt Alba Berlin und seinem College

Weiß, bei wem er sich zu bedanken hat: Moritz Wagner huldigt Alba Berlin und seinem College

Foto: Brad Penner / USA TODAY Sports

Wagner spielt künftig in der NBA für die Los Angeles Lakers. Bei seiner Vorstellung begeistert er mit einem markanten Auftritt.

New York/Berlin.  Moritz Wagner hatte sich etwas einfallen lassen für den großen Abend. Auf der Bühne des NBA-Drafts steht man schließlich nur einmal, schien sich Berlins begehrter Basketball-Export gedacht zu haben, warum also nicht einen Moment kreieren, der hängen bleibt? Das gelang dem 21 Jahre alten Deutschen in der Nacht zu Freitag. Als Wagner an 25. Stelle von den Los Angeles Lakers gewählt wurde, enterte er das Podium in Brooklyns Barclays Center in maßgeschneidertem Anzug und öffnete lässig sein Jackett, auf dessen Innenseite zwei Logos aufblitzten. Das seines Colleges, der University of Michigan. Und das von Alba Berlin, dem Klub, bei dem Wagner mit dem Basketballspielen angefangen hatte und zum Profi reifte. Blitzlichtgewitter allenthalben. Es sollte eines der Bilder des Abends sein.

Legende Magic Johnson heißt den 21-Jährigen willkommen

„Mein Traum ist wahr geworden“, sagte Wagner kurz darauf: „Ich bin sprachlos, ich zittere, so aufgeregt bin ich.“ Er hat es also geschafft, seit gestern darf sich der Junge aus Prenzlauer Berg als Teil der NBA-Familie fühlen, als Mitglied in der besten Liga der Welt. Ein Aufstieg, der vor allem in Berlin und Michigan viel Stolz sät, schließlich wurde Wagner hier geformt. Die Erklärung für die Hommage an seine Förderer ließ dann auch nicht lange auf sich warten: „Es gibt eine Menge Leute, die mir geholfen haben, hier zu sein“, sagte Wagner. Bei Alba werden ihnen die Ohren geklungen haben.

In Los Angeles war man mit Wagners markigem Auftritt ähnlich glücklich, schließlich wird das Wort „Showtime“ bei den Hollywood-nahen Lakers traditionell groß geschrieben.

Der Mann, der dem seit Jahren im Mittelmaß dümpelnden Klub einst den besonderen Glamour-Faktor verlieh, ist heute Präsident der Lakers. Earvin „Magic“ Johnson, eine der größten Spieler-Legenden überhaupt, schwor Wagner noch am Draft-Abend am Telefon ein: „Sei bereit, Junge!“

Nun, darum braucht man sich bei Wagner keine Sorgen zu machen. In seinen drei Spielzeiten am College hat sich der vielseitige 2,11-Meter-Mann einen Namen als echtes Mentalitätsmonster gemacht. Wagner steht für 100 Prozent Einsatz, für Kampf und Leidenschaft. Trotz physischer Nachteile hat er sich nie rumschubsen lassen, stattdessen keine Scheu vor wichtigen Würfen gezeigt. Von Michigans Fans wurde er für seine emotionalen Ausbrüche geliebt – von denen des Gegners gehasst. Respekt und Anerkennung bekam er trotzdem von ihnen. Wegen seiner gut 14 Punkte und knapp fünf Rebounds, die er in der Saison 2017/18 pro Spiel ablieferte, vor allem aber wegen seiner Wettkampfhärte.

In den großen, den wichtigen Spielen wuchs Wagner regelmäßig über sich hinaus. Im Frühjahr führte er seine Wolverines mit mehreren Gala-Auftritten ins Finale um den College-Titel und war auch im Endspiel gegen die übermächtigen Villanova Wildcats Michigans Bester. Der Berliner erkennt, wenn sich ihm eine Chance bietet. Bislang weiß er sie exzellent zu nutzen.

Ob ihm das auch in der NBA gelingt, wird sich zeigen müssen. Eigentlich war Wagner als früher Zweitrunden-Pick gehandelt worden. Nun wurde er schon Ende der ersten Runde gezogen. Mit einer Kombination aus Größe, Aggressivität und gutem Händchen – Wagner trifft fast 40 Prozent seiner Dreier – wirkt er für den modernen Basketball zwar so maßgeschneidert wie sein eigener Anzug am Draft-Abend. Nur geht es unter den Körben der NBA nochmal deutlicher physischer zu als am College. Vor allem in der Verteidigung wird Wagner zulegen müssen, wenn er in der Eliteliga bestehen will.

Einen noch weiteren Weg hat der zweite Deutsche im Draft vor sich. Überraschend fand auch der erst 18 Jahre alte Isaac Bonga von den Frankfurt Skyliners ein Team. Der 2,03-Meter-Guard wurde an 39. Stelle von den Philadelphia 76ers gewählt, dann aber an die Lakers getauscht. Anders als Wagner, der mit gut einer Million Euro Rookie-Gehalt rechnen darf, wird Bonga aber wohl vorerst in Europa oder in der NBA-G-League spielen, um sich weiter entwickeln zu können. Bundestrainer und Alba-Legende Henrik Rödl ist sich sicher: „Beide haben das Potenzial, sich in der NBA durchzusetzen.“

Nowitzki-Klub angelt sich Supertalent Doncic

Das vielleicht größte Potenzial aller gedrafteten Spieler findet sich hingegen an der Seite von Deutschlands Superstar Dirk Nowitzki wieder. Der Slowene Luka Doncic (19), in dem nicht wenige Experten die europäische Version des jungen LeBron James sehen, wurde zunächst an dritter Stelle von den Atlanta Hawks verpflichtet, später aber nach Dallas transferiert. Mit Europameister Doncic, der Real Madrid zum Euroleague-Sieg 2018 führte, hoffen die Mavericks einen Erben für Nowitzki gefunden zu haben, wohlwissend, dem Supertalent mit der 40 Jahre alten Klub-Ikone den perfekten Mentor zur Seite zu stellen.

Auch für Wagner war Nowitzki seit jeher das größte Vorbild. Nun ist er selbst zu einem geworden. Dafür, dass man es als Alba-Zögling bis in die NBA schaffen kann. Weitere Berliner wie sein Bruder Franz (17), der unlängst sein Profi-Debüt gab, könnten folgen. Alba ist nun auf der NBA-Landkarte verzeichnet. Wagner sei Dank.