Kommentar

Alba gehört die Zukunft

Die Berliner Basketballer verpassten zwar die Meisterschaft - doch der Blick in die Zukunft ist rosig.

Peyton Siva ist schneller als Bayerns Anton Gavel

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Foto: pa

Berlin. Wenn eine Saison mit einer Niederlage endet, bleibt selten ein gutes Gefühl zurück. Doch dieses Basketball-Jahr zwischen September 2017 und Juni 2018 mit Alba Berlin – es war ganz anders, in vielerlei Beziehung. Und deshalb hinterlässt die denkbar knapp verpasste Meisterschaft eben keinen allzu faden Beigeschmack.

Natürlich, es ist und bleibt schade, dass die Mannschaft im Februar den Pokalsieg in den letzten paar Minuten quasi herschenkte. Und dass sie es nun auch im Meisterschaftsfinale gegen denselben Kontrahenten Bayern München am Ende nicht ganz schaffte, ihre Chance zu nutzen. Aber sie ist jung, so jung wie kein Alba-Team zuvor, und hat ihre beste Zeit erst noch vor sich. Sie spielt begeisternden Offensiv-Basketball, mit allen Gefahren und Risiken. Sie hat so viel Berlin in sich wie seit langer, langer Zeit nicht mehr. Sie hat bei ihrem begeisterten Publikum aus all diesen Gründen großen Kredit und das sogar weit über die Grenzen der Hauptstadt hinaus.

Dass ausgerechnet ein nicht mehr ganz junger Herr aus Spanien daran sehr großen Anteil hat, darf sich die Vereinsführung als geniale Personalentscheidung gutschreiben. Señor Alejandro Garcia Reneses, genannt Aito, hat Alba das Vertrauen zurückgegeben, dass der Verein aus eigener Kraft den finanzstärkeren Klubs aus München und Bamberg die Stirn bieten, sie sogar beinah beiseite drängen kann. Der Mut der 71 Jahre alten Trainer-Koryphäe, deutschen Spielern – vor allem solchen aus dem eigenen Nachwuchsprogramm – (Spiel-)Zeit zu geben und sie aus Fehlern lernen zu lassen, hatte großen Erfolg und Signalwirkung.

Der Blick in die Zukunft beim achtmaligen Meister ist rosig dieser Tage. Auch deshalb, weil Aufsichtsrats-Chef Axel Schweitzer angekündigt hat, in der nächsten Saison werde der Spieleretat weiter wachsen. So wächst die Hoffnung, dass die Mannschaft im Kern zusammenbleibt. Im Kleinen erntet der Klub bereits die Früchte seiner jahrelangen Mühen in der Jugendarbeit. Er gewann die deutschen Meistertitel in allen drei Altersklassen U14, U16 und U19. Mit Moritz Wagner wird vermutlich in Kürze dem ersten Spieler aus der Berliner Talentschmiede der Sprung in Amerikas Profiliga NBA gelingen. So viele Jungs wie nie zuvor werden versuchen, ihm nachzueifern – oder es mindestens ins Alba-Team zu schaffen.

So dürfte auch das Gefühl ein anderes sein, mit dem die Fans von Alba Berlin die nächste Saison betrachten: Wann ist endlich wieder September?