Berlin

Alba kämpft im Stile eines Meisters

Alba wahrt die Chance auf die erste Meisterschaft seit zehn Jahren. Der Titelgewinn von Bayern ist damit verhindert.

Alba wahrt mit einem  2:2 die Chance auf die erste Meisterschaft seit zehn Jahren.

Alba wahrt mit einem 2:2 die Chance auf die erste Meisterschaft seit zehn Jahren.

Foto: Tilo Wiedensohler / camera4

Berlin. Alba lebt – und wie! Berlins Basketballteam erzwang im Finale zur deutschen Meisterschaft gegen den FC Bayern ein entscheidendes fünftes Spiel, das am Sonnabend (20.30 Uhr, Telekomsport) in München ausgetragen wird. Die Berliner gewannen nach einem beherzten Schlussspurt Spiel vier mit 72:68 (29:34).

Mann des Abends war vor 11.722 Zuschauern in der Mercedes-Benz Arena ohne jeden Zweifel Kapitän Niels Giffey, der auf 20 Punkte kam. Ihm folgten Luke Sikma mit zwölf sowie Joshiko Saibou und Marius Grigonis mit jeweils zehn Zählern. „Wir wollten ein fünftes Spiel, und jetzt haben wir es“, strahlte Grigonis, „wir haben immer daran geglaubt, dass wir gewinnen können.“

Giffey und Saibou glänzen und begeistern die Fans

Peyton Siva verfolgte den Beginn ungewöhnlicherweise von der Bank aus. Der Grund: Nachdem sich Albas US-Spielmacher im dritten Spiel in München den kleinen Finger der linken Hand ausgekugelt hatte, zog er sich beim Training in Berlin dann auch noch eine Kapselverletzung an der rechten, der Wurfhand, zu. „Wir haben Härte gezeigt und trotz aller Verletzungen dagegen gehalten“, erklärte Siva sichtlich stolz. „Vor allem haben wir gut verteidigt und die Bayern haben Wirkung gezeigt.“

Für Siva komplettierte Stefan Peno die erste Fünf. Der 20-jährige Serbe machte seine Sache wie schon drei Tage zuvor in München gut, konnte aber nicht verhindern, dass die Bayern mit ihrer Physis anfangs das Tempo aus dem Berliner Spiel nahmen. Zu freien Würfen zu kommen, war auf beiden Seiten ein nahezu aussichtsloses Unterfangen, weil mit maximalem Biss und Einsatz verteidigt wurde.

Anfangs hatten die Berliner die Partie Korb für Korb ausgeglichen gestalten können. Erst nach Luke Sikmas Treffer zum 9:9 (8.) liefen sie deutlicheren Rückständen hinterher, kämpften sich aber sowohl nach dem 9:14 (9.) als auch dem 14:20 (14.) bravourös zurück. Wieder einmal waren es die beiden Spieler aus dem eigenen Nachwuchsprogramm, die die Arena jubeln ließen. Nach sechs Punkten von Kapitän Giffey und zweien von Saibou führte Alba 22:20 (15.). Giffey hielt auch in der Folge sein Team aus der Distanz im Spiel, allerdings blieben die Münchner Danilo Barthel und Stefan Jovic die Antwort nicht schuldig – 27:27 (17.).

Jetzt fanden die Berliner hier und da zum gewünscht schnellen Spiel, mussten aber 24 Sekunden vor der Halbzeit einen herben Rückschlag wegstecken. Zeitgleich mit dem Korb zum 29:31 von Bogdan Radosavljevic knickte Grigonis mit dem rechten Fuß und musste vom Feld geführt werden. Vladimir Lucic traf dann kurz vor der Halbzeitsirene zum 29:34 (20.).

Grigonis kam als erster aus der Kabine zurück aufs Feld, testete seinen Fuß und signalisierte auch, dass er wieder ins Spiel eingreifen könne. Vorerst machte er allerdings Giffey Platz, der Alba dann erneut zusammen mit Saibou im Spiel hielt. Nach jeweils drei Punkten der beiden und einem Korbleger von Spencer Butterfield führten die Berlin erneut mit 37:36 (24.) – eine gute Viertelstunde trennte Alba noch von einem entscheidenden fünften Spiel am Sonnabend. Dass die Berliner Fans weiter auf eine weitere Reise nach München hoffen durften, lag in der Folge vor allem an Saibou, der den nächsten Zwischensprint der Gäste zum 44:44 ausglich und Grigonis, der zur erneuten hauchdünnen Führung (49:48/29.) traf. Die Bayern waren beeindruckt, und alle im Rund spürten, dass die Bayern noch längst nicht Meister sind.

Im letzten Viertel legten beide Teams noch mal an Intensität zu, die Partie wurde endgültig zur Schlacht, in der sich Alba jedoch vorerst damit begnügen musste, den Gegner nicht vorentscheidend davonziehen zu lassen, was bis zum 57:57 (33.) auch gelang. Zu diesem Zeitpunkt wurden die Berliner längst schon mit stehenden Ovationen gefeiert. Dennoch kamen sie nicht näher als bis auf einen Punkt heran (61:62, 63:64, 65:66). Erst 1:28 Minuten vor Schluss kippte die Partie dann doch noch. Grigonis verwandelte zwei Freiwürfe zum 67:66, Sikma und Siva machten danach den Sieg perfekt.

Wie auch immer das Spiel am Sonnabend ausgeht, Alba ist mehr als im Soll. Sportdirektor Himar Ojeda weiß, „dass man nicht jedes Spiel und alle Titel gewinnen könne“. Aber Ziel seines Klub sei es, „dabei zu sein, wenn es um die absolute Spitze geht“, und in diesem Sinne sei die Saison mit den deutschen Meisterschaften der U14, U16 und U19 und dem Erreichen des Finales der Profis „sehr erfolgreich. Der Drahtseilakt, mit der jüngsten Mannschaft der Klubgeschichte, in der „der zwölfte Platz immer durch einen Youngster besetzt war“ und mit einem Trainer, der erstmals ein Engagement außerhalb seiner Heimat Spaniens angenommen hatte, „wettbewerbsfähig zu sein und gleichzeitig etwas aufzubauen“, sei gelungen.

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