Basketball

Alba Berlin: Einmal noch abheben

Den Albatrossen droht das Aus im Finale gegen München. Warum es dank dieser sechs Tipps zu einem fünften Spiel reichen könnte.

Reggie Redding (Mitte) mal wieder in weinerlicher Pose, Dennis Clifford (r.) und Luke Sikma wollen ihm den Ball nicht geben

Reggie Redding (Mitte) mal wieder in weinerlicher Pose, Dennis Clifford (r.) und Luke Sikma wollen ihm den Ball nicht geben

Foto: Tilo Wiedensohler / imago/Camera 4

Berlin.  Wie auch immer das vierte Finale zwischen Alba Berlin und dem FC Bayern an diesem Mittwoch (20 Uhr, Sport1 und Telekomsport) ausgeht, eines steht fest: Die Mannschaft von Aito Reneses bestreitet ihr letztes Heimspiel dieser Basketball-Saison. Wie schon in Spiel zwei am vergangenen Donnerstag wird sie ein gelbes Meer in der Mercedes-Benz Arena hinter sich wissen, 10.000 vom Klub verschenkten Play-off-T-Shirts sei Dank. Sicher ist auch, dass die Berliner Fans ihr Team unabhängig vom Ausgang der Partie nach einer oft begeisternden Saison feiern wollen. Ob nach Spielende auch ihr Team in Partylaune sein wird, ist aber fraglich. Alba steht mit dem Rücken zur Wand. Bei einer Niederlage sind die Bayern Meister. Nur bei einem Sieg der Berliner käme es am Sonnabend (20.30 Uhr) im Münchner Audi-Dome zum fünften Spiel. Es zu erzwingen, wird schwierig, aber nicht unmöglich. Einige Faktoren, die über Sieg oder Niederlage entscheiden werden:

Heimnachteil abstreifen

In den beiden ersten Finalspielen sowie in den zwei Duellen der Bundesliga-Hauptrunde hatte es in dieser Saison zwischen beiden Teams bis vergangenen Sonntag nur Auswärtssiege gegeben. Diese Serie endete, als die Bayern mit ihrem 72:66-Heimsieg in der Best-of-Five-Serie mit 2:1 in Führung gingen. Nun muss auch Alba den Fluch besiegen. Obwohl die Münchner ihren ersten Matchball erzwangen, lassen sich in der Analyse der Partie einige Mutmacher finden.

Momentum mitnehmen

Alba zwang die Bayern zu 27 Ballverlusten, kämpfte sich nach einem Rückstand von 21 Punkten (29:50) auf minus vier (66:70) zurück und dominierte die zweite Halbzeit klar mit 37:26. „Sie geben niemals auf“, lobte der Münchner Reggie Redding. Wenn Berlin „dieses Momentum mit in das vierte Spiel nimmt“, wie Alba-Spielmacher Peyton Siva noch in München forderte, kann die Negativ-Serie in Berlin reißen.

Endlich wieder treffen

Bis zum Finale gegen die Bayern machten die Berliner im Play-off 96,6 Punkte pro Spiel, nachdem sie bereits in der Hauptrunde mit einem Schnitt von 89,5 Zählern und einer Dreier-Trefferquote von 42 Prozent das offensivstärkste Team der Liga gewesen waren. Diese Werte sanken nach Albas 106:95 nach Verlängerung zum Auftakt der Serie gegen die Bayern dramatisch. Spiel zwei und drei verloren die Berliner mit 69:96 und 66:72. Gegen die extrem physischen Bayern fanden anfangs noch 64 Prozent der Berliner Dreier ihr Ziel, dann waren es nur noch 33 und zuletzt 26. „Wildere Würfe zu nehmen“, dürfe jetzt allerdings nicht das Ziel sein, sagt Spencer Butterfield, der mit 13 Punkten und 2,3 Dreiern pro Spiel bislang Albas beständigster Scorer der Serie war. „Vielmehr müssen wir den Ball gut bewegen, bis wir eben doch den freien Mann finden. Das war schon die ganze Saison über unser Spiel, und so muss es auch jetzt bleiben.“

Den Druck weitergeben

Sicher lastet der größere Druck auf Alba, denn nur mit einem Sieg bleibt der Traum von der neunten Meisterschaft der Klubgeschichte intakt. Der Druck, unter dem die Bayern stehen, ist aber auch nicht gering. Anders als die Berliner hätten sie mit Platz zwei ihr Saisonziel verfehlt. Meister zu werden, ist für sie Pflicht, denn nur mit dem Titel wird ihr „Mia san Mia“ kommende Saison in der Europaliga glänzen. Und diesen Druck spüren die Bayern. „Die Nerven scheinen ein große Rolle zu spielen“, sagte Bayern Präsident Uli Hoeneß, nachdem sein Team in Spiel drei nach souveräner erster Halbzeit schwer in Bedrängnis geraten war.

Gruselige Serie beenden

Seit der Rückkehr der Bayern in die Erstklassigkeit treffen beide Teams in Bundesliga und Pokal zum vierzigsten Mal aufeinander. Mit 22:17 liegen die Münchner nach Siegen vorn. Alba gewann in Berlin zwölf von 20 Spielen, die Bayern gewannen in München 13 von 18. In bisher vier Play-off-Serien gingen die Berliner jeweils leer aus: 2013 mit 0:3 Viertelfinale, 2014 mit 1:3 im Finale, 2015 mit 2:3 im Halbfinale und in der vergangenen Saison mit 1:3 im Viertelfinale. Das 62:75 im vierten Finale 2014 war die bitterste Niederlage der Berliner, weil sie in eigener Halle zusehen mussten, wie Bayern als Meister geehrt wurde. Ein solches Szenario wollen sie an diesem Mittwoch abwenden, schon aus farblichen Gründen. Eine Feier in Rot würde zu der in Gelb getauchten Arena nicht gut passen.

Den Albatros fliegen lassen

Während der ganzen Saison hatte Albas Center Dennis Clifford großen Spaß daran, bei der Mannschaftsvorstellung mit seinen 2,13 Metern und 118 Kilo aus vollem Lauf Berlins Maskottchen anzuspringen, den Albatros. Der landete dann, sportlich gerüstet und ebenfalls erfreut, auch schon fünf Meter vom Zusammenprall entfernt auf dem Parkett. Vor dem zweiten Finale stoppte Clifford überraschend ab und gab dem Albatros die Hand. Bewährt hat sich das nicht, Clifford und sein Team waren danach beim 69:96 ohne Chance. Es spricht einiges dafür, dass sich der lustige Vogel auf einen letzten und besonders heftigen Bodycheck in dieser Saison einstellen muss. Der Albatros muss wieder fliegen.

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