Basketball

Alba spielt gegen jeden Zweifel

Berlins Basketballer müssen im dritten Finalspiel gegen Bayern München den Mut zum schnellen Abschluss wiederfinden.

Ein seltenes Bild: Albas Marius Grigonis (r.) hatte im zweiten Finale Schwierigkeiten, den Ball zu bekommen.

Ein seltenes Bild: Albas Marius Grigonis (r.) hatte im zweiten Finale Schwierigkeiten, den Ball zu bekommen.

Foto: Jens Büttner / dpa

Berlin.  „Schieß Du! Ich hab’ Familie“, dieser Ausspruch würde auch gut in einen Krimi oder Western passen. Aber der wahre Hintergrund ist viel witziger und zu 100 Prozent friedlich. Es ist ein geflügeltes Wort unter Basketballspielern, der den Soll-ich-oder-soll-ich-nicht-Moment vor einem Wurf beschreibt, ein kleines Zögern, das Albas Mannschaft im zweiten Meisterschaftsfinale gegen Bayern München zu oft durchlebte. „Wir haben unsere Würfe nicht genommen und gewartet, ob sich nicht vielleicht noch eine bessere Situation ergibt“, beschrieb Niels Giffey nach der 69:96-Heimniederlage in Spiel zwei der Best-of-five-Serie die Sekundenbruchteile des Zweifelns.

Und Albas Kapitän weiß, dass sein Team an diesem Sonntag in München im dritten Spiel (18.30 Uhr, Sport1) alles Zögern in der Kabine lassen muss. Die Bayern waren in Berlin „mega aggressiv und haben einen guten Job gemacht, an unseren Werfern dranzubleiben“, und genau so entschlossen werden sie jetzt auch vor den eigenen Fans sein.

Bayerns Etat ist dreimal höher als der von Alba

Ganz anders als bei Albas Auswärtssieg, dem 106:95 nach Verlängerung am Sonntag zuvor in München. Dort waren die Dreier der Berliner Topscorer Marius Grigonis (30 Punkte) und Spencer Butterfield (19) anfangs nahezu im Minutentakt durch den gegnerischen Korb gerauscht und das Selbstvertrauen beider mit jedem Treffer angewachsen. Im zweiten Spiel kam Grigonis auf zehn und Butterfield auf acht Punkte. Nicht nur wegen des „Schieß Du! Ich hab’ Familie …“-Syndroms, sondern, weil beide oft gar nicht an den Ball kamen. „Die Bayern haben die Passwege extrem bissig zugemacht und uns aus unseren Positionen gedrückt“, erklärte Giffey.

Vielleicht sei es auch „ein wenig naiv gewesen, darauf zu hoffen, dass sich die Bayern einfach so ergeben würden“, erklärte Luke Sikma nach der bitteren Niederlage am Donnerstag. Schließlich seien „sie eine erfahrene und sehr talentierte Mannschaft“. Und eben auch eine, deren Personaletat nach Einschätzung von Albas Geschäftsführer Marco Baldi „mehr als dreimal so hoch ist“ wie bei Alba. Ein Team also, das mit nur einem Ziel zusammengestellt wurde, nämlich Meister zu werden und den Glanz des „Mia san mia“ in der kommenden Saison in die Europaliga hinauszutragen, für die es für die zwei Spielzeiten danach ohnehin schon eine Wildcard hat.

Geschäftsführer Baldi fordert Mut zum Risiko

Und, ebenfalls nicht zu vergessen, gegen diesen Liga-Krösus und Platzhirsch steht es in der Finaleserie erst 1:1. Ob Auswärtssiege, Heimniederlagen, „Mia san mia“, Zögern oder Zweifeln – all’ das darf an diesem Sonntag in München keine Rolle mehr spielen. „Die haben sich bei uns wohl gefühlt und wir uns bei ihnen, davon kann man sich im dritten Spiel nichts mehr kaufen“, erklärt Baldi. Ganz wichtig sei, dass sich von der klaren Niederlage in Berlin „nichts festsetzt“, fordert Albas Geschäftsführer. „Wir müssen das Spiel komplett neu angehen, mutig und mit Risiko unser schnelles Spiel etablieren. Wenn uns das gelingt, dann haben wir wieder eine Chance.“ In Serien sei generell „jedes Spiel anders, Quervergleiche zwischen einzelnen Partien bringen überhaupt nix“.

Mit dem Druck, der in München auf die gesamte Mannschaft wartet, „müssen wir einfach wieder besser umgehen und auch schwierige Würfe nehmen, wenn wir sie uns erarbeitet haben“, sagt Sikma. „Jetzt ist es an uns, genau so eine Reaktion wie die Bayern nach dem ersten Spiel zu zeigen und mit der Intensität zu spielen, die uns ins Finale gebracht hat.“

Analog zum eingangs erwähnten Basketballer-Spruch sollte Albas Motto an diesem Sonntag im Audi-Dome vielleicht eher „Schieß lieber Du! Alle haben Familie …“ sein (zum Beispiel die Alba-Familie), und dann lauf zurück und verteidige mit allem, was du hast. Denn wie Kapitän Giffey schmunzelnd anmerkte, „ist der Heimvorteil in dieser Serie anscheinend nicht allzu viel wert“.

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