Basketball

Basketball-Eurocup: Duell unter Freunden

Im Finale des Eurocups treffen Sasa Obradovic und Mithat Demirel aufeinander. Bei Alba prägten sie eine erfolgreiche Zeit.

Sasa Obradovic (l.) als Trainer und Mithat Demirel als  Manager arbeiteten zwischen 2012 und 2015 bei Alba zusammen und wurden in dieser Zeit Freunde.

Sasa Obradovic (l.) als Trainer und Mithat Demirel als Manager arbeiteten zwischen 2012 und 2015 bei Alba zusammen und wurden in dieser Zeit Freunde.

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  An diesem Dienstag ist es genau neun Wochen her, dass sich Albas Mannschaft notgedrungen auf nationale Aufgaben beschränken musste. Trotz eines 97:92 nach Verlängerung bei Galatasaray Istanbul war Berlins Basketballteam in den Top16 des Eurocups ausgeschieden. Dennoch ist im Finale zwischen Lokomotiv Kuban und Darüssafaka Istanbul, das an diesem Dienstag (19 Uhr, Eurosport.de und Telekomsport live) mit dem ersten Endspiel der „Best of three“-Serie in Krasnodar (Russland) beginnt, jede Menge Alba und Berlin drin. Sowohl Lokomotiv-Coach Sasa Obradovic (49) als auch Darüssafakas Sportdirektor Mithat Demirel (39) haben erst als Spieler sowie später als Trainer und Manager viele Kapitel von Albas Erfolgsgeschichte maßgeblich mitgeschrieben.

„Als ich mit 17 Jahren zum ersten Mal bei Alba mittrainieren durfte, war Sasa, gegen den ich mich behaupten musste, einer der besten Spielmacher Europas“, erinnert sich Demirel. Er nahm die Herausforderung an, wurde in der Folge mit Alba fünf Mal Meister und bestritt 100 Länderspiele. „Seitdem waren wir immer in Kontakt, haben uns immer ausgetauscht.“

Lokomotiv Kuban tritt gegen Darüssafaka Istanbul an

Was sich ein halbes Menschenleben später auszahlen sollte, als Demirel, mittlerweile Albas Sportdirektor, sein zum Cheftrainer gereiftes ehemaliges Vorbild 2012 von den damals üppigen Fleischtöpfen in der Ukraine weglockte und nach Berlin holte. Dort folgten „sehr intensive gemeinsame Jahre“, wie sich Demirel erinnert. Und erfolgreiche, wie anzufügen ist, denn 2013, 2014 und 2016 gewann Alba mit Obradovic als Cheftrainer den deutschen Pokal. Für Demirel ist es bereits die dritte Begegnung mit der Vergangenheit, die ihm diese Eurocup-Saison beschert.

Nach den beiden siegreichen Duellen gegen Alba in den Top16 warf er seinen alten Kumpel aus Berliner Zeiten, den Sportdirektor des FC Bayern Marko Pesic, im Halbfinale aus dem Wettbewerb. Mit einem „komischen Gefühl“, erklärt Demirel, „schließlich haben Marko und ich 1997 am Beethoven-Gymnasium gemeinsam das Abitur gemacht und danach viel miteinander erlebt.“ Erinnerungen, die auch in München schnell zur Randnotiz wurden, wie immer, wenn es um Sieg oder Niederlage geht. Jetzt im Finale wird es dem gemeinsam errungenen Lorbeer mit Obradovic ähnlich ergehen. Schließlich mehrt der Champion nicht nur Ruhm und Ehre, er bekommt auch das Ticket für die Königsklasse, die Euroleague, in der kommenden Saison.

Das gemeinsame Abendessen muss warten

Aus genau diesem Grund wird Obradovic auch die gemeinsamen Abendessen in Krasnodar und Istanbul absagen, zu denen sich Demirel und er nach den siegreichen Halbfinals spontan verabredet hatten. „Der Druck, der auf mir als Coach lastet, ist, denke ich, viel größer als der, unter dem Mithat steht“, erklärt Albas Ex-Trainer Obradovic. Schließlich sei sein Klub, hinter dem die Millionen der staatlichen russischen Eisenbahnen stehen, mit dem Ziel in die Saison gestartet, sich für die Euroleague zu qualifizieren. „Ich würde mich unwohl fühlen und unruhig sein, wenn ich von der Routine, mit der ich mich auf Spiele vorbereite, abweichen würde“, gesteht Obradovic.

Er wäre sicherlich auch schlecht beraten, an den Abläufen auch nur das Geringste zu ändern. Denn der Serbe, der so ruhig und charmant aufzutreten weiß, aber am Spielfeldrand zum Vulkan wird, kann schon jetzt auf eine historische Saison zurückblicken. Er gewann mit der Lokomotive quer durch Europa auf dem Weg ins Finale alle 20 Spiele, was vor ihm noch keinem gelang. Seine Mannschaft lässt mit der besten Verteidigung des Wettbewerbs nur 68,7 gegnerische Punkte zu, was bei 82,7 eigenen Punkten für zumeist dicke Polster sorgt.

Das Finale hat keinen klaren Favoriten

Angesichts dieser Fakten und auch der Tatsache, dass Obradovic gerade zum „Eurocup-Coach des Jahres“ gekürt wurde, wäre es für Demirel ein Leichtes, ihn und die Lokomotive als die klaren Favoriten zu deklarieren. Aber er tut es nicht. „Beide Mannschaften treffen sich am Ende eines langen Weges, und jetzt kann alles passieren“, sagt Demirel, dessen Klub mit einer Bilanz von 17:3 Siegen ins Finale einzog.

Auch Obradovic glaubt, dass der Heimvorteil oder der vermeintlich tiefere Kader nicht zwangsläufig den Ausschlag zugunsten seines Teams geben müssen. „Spiele wie diese kann auch ein einziger Spieler entscheiden“, sagt er. Genau das sei ja in Darüssafakas Halbfinale gegen den FC Bayern geschehen, als Scottie Willbekin, mittlerweile als „Wertvollster Spieler“ der Spielzeit (MVP) geehrt, die Euro-Saison der Münchner mit 41 Punkten im entscheidenden Spiel nahezu im Alleingang beendete. „Alles ist möglich“, sagt auch Obradovic. Verständlich, dass ein solches Ausmaß an Ungewissheit nicht gerade den Appetit anregt.

Gemeinsame Abendessen unter Freunden wird es aber schon noch geben, ganz sicher irgendwann in Berlin, der Stadt, die Demirel und Obradovic geprägt hat wie keine andere und in die beide, wenn alles getan ist, Jahr für Jahr im Sommer zurückkehren.

Mehr zum Thema:

Alba siegt nach starkem Schlussspurt in Bonn

Albas Schneider wird zum Masken-Mann