Basketball

Moritz-Wagner-Festspiele in den USA

Der Berliner Moritz Wagner greift im College-Basketball nach dem Titel. Der 20-Jährige gilt als nächster NBA-Import.

Moritz Wagner hat gut lachen: Der Star der Michigan Wolverines hat im US-College-Basketball eine enorme Entwicklung genommen

Moritz Wagner hat gut lachen: Der Star der Michigan Wolverines hat im US-College-Basketball eine enorme Entwicklung genommen

Foto: Julie Jacobson / dpa

Berlin.  Der Warnschuss saß. „Wir haben viel zu träge angefangen“, ärgerte sich Moritz Wagner nach einem letztlich klaren Sieg seiner Michigan Wolverines in der ersten Runde der US-College-Meisterschaft, „das darf uns nicht passieren. Wenn wir uns so etwas gegen ein anderes Team erlauben, ist die Show vorbei!“ Ein Statement, das vieles aussagt über den 20 Jahre alten Berliner, der nicht nur zu den größten Basketball-Talenten Deutschlands zählt, sondern inzwischen auch in den USA glänzt.

Der beste Werfer und Rebounder im Team

Ums bloße Dabeisein geht’s für Wagner in seinem dritten Jahr an der University of Michigan schon lange nicht mehr. Der 2,11-Meter-Hüne traut sich und seinem Team inzwischen alles zu, sogar den Titel. „Leistungsmäßig sind alle Teams sehr nah beieinander“, sagt er der Morgenpost, „aber so wie wir zuletzt gespielt haben, möchte uns sicher niemand als Gegner haben.“

Was für die Wolverines im Allgemeinen gilt, gilt für Wagner im Speziellen. Mit gut 14 Punkten pro Partie ist der Power Forward der beste Werfer seines Teams, holt zudem die meisten Rebounds (sieben pro Spiel). „Moe“, wie ihn die Amerikaner nennen, hat sich einen Namen gemacht im US-Basketball. Aus dem schlaksigen Jungen aus Germany, der anfangs kaum Einsatzzeit bekam, ist unter dem renommierten Coach John Beilein ein gestandener College-Spieler geworden, der die Blicke der Scouts aus der NBA auf sich zieht, der stärksten Liga der Welt.

Aushängeschild für Albas Nachwuchsprogramm

Den Sprung über den großen Teich hat Wagner deshalb nie bereut – leicht gefallen ist er ihm allerdings nicht. In Berlin, bei Alba, schienen die Voraussetzungen schließlich ähnlich verheißungsvoll, immerhin galt Wagner dort als lebendes Aushängeschild. Als erster Spieler überhaupt durchlief er das komplette Nachwuchsprogramm des Klubs, von der Grundschul-AG in Prenzlauer Berg bis zum Bundesliga-Team. „Alba ist mein Verein“, betont Wagner bis heute.

Aber wer sagt schon „Nein“, wenn sich eine der namhaftesten Universitäten aus dem Mutterland des Basketballs um ihn bemüht? Für Menschen, die professionell Bälle auf Körbe werfen, bleiben die USA nun mal das Sehnsuchtsziel. „Wenn du drüben bist“, sagt Albas Niels Giffey, der einst an der University of Connecticut spielte, „ist der Traum von der NBA einfach viel greifbarer als in Europa.“ Und zugegriffen hat Wagner in Michigan.

Auf dem Campus schon „ein bisschen ein Star“

Geschenkt wurde ihm dabei nichts. Wagner musste sich behaupten, nicht nur in der Halle, auch im Alltag. Neben dem täglichen Training und den zwei Spielen pro Woche galt es Uni-Kurse, Seminararbeiten und die sich plötzlich stapelnde Wäsche zu bewältigen. „Wenn man zum ersten Mal von zu Hause weg ist, muss man sich ja erst mal daran gewöhnen“, erinnert er sich. Das aber ist ihm gut gelungen. Mit seinen Noten ist er zufrieden, auf dem Campus in Ann Arbor fühlt er sich inzwischen „ein bisschen wie ein Star“, und körperlich hat er fast 15 Kilo Muskelmasse aufgebaut. Noch bemerkenswerter ist jedoch seine Entwicklung als Spieler.

„Ich bin auf dem Feld schlauer geworden“, sagt Wagner, „ich kann dem Spiel mehr geben als Punkte und Energie.“ Wider alle Klischees wurde er in den USA nicht zum „Fach-Idioten“ ausgebildet, sondern hat sich zu einem kompletten Basketballer entwickelt. Wagner ist kein Wühlbüffel für Geschubse unterm Korb, sondern beeindruckt mit Beweglichkeit und gutem Händchen. Starke 40 Prozent seiner Dreier finden ihr Ziel. Experten halten ihn für einen potenziellen Erstrunden-Pick im kommenden Draft, der Talentewahl der NBA. Zukunftsmusik.

Nächster Gegner ist die University of Houston

Vorerst gilt alle Konzentration der „March Madness“, den dreiwöchigenPlay-off-Festspielen, die in den USA sogar die NBA überstrahlen (und in Deutschland bei Sport1 US zu sehen sind). In der Nacht zu Sonntag trifft Wagner mit den Wolverines auf die University of Houston. Wie gesagt: Jedes Spiel kann das letzte sein.

Und wenn der Wahnsinn vorbei ist? „Das ist das Schöne am März“, sagt er und lacht, „dass man so konzentriert ist, dass man sich darüber mal keine Gedanken macht.“ Er könnte noch ein weiteres Jahr am College bleiben. Oder sich zum Draft melden, so wie 2017, als er sich kurzfristig wieder abmeldete. Die NBA mit seinen dort noch neuen Landsmännern Maxi Kleber (Dallas), Paul Zipser (Chicago) und Daniel Theis (Boston) verfolgt er genau. „Ich bin stolz, dass die Deutschen generell so einen Schritt gemacht haben. Es ist cool, ein Teil davon zu sein.“

Im regen Austausch mit Alba-Trainer Aito

Und Alba? „Checke ich nach wie vor jeden Tag“, sagt Wagner. Mit Trainer Aito Reneses hat er schon mehrfach gesprochen. Der Spanier hält große Stücke auf den verlorenen Sohn. „Er spielt sehr gut“, sagt der Coach. „Ich wünsche ihm das Beste – und dass er eines Tages noch besser spielt. Dann vielleicht für uns.“