Basketball

Alba war dem Titel so nah

Alba Berlin verpasst seinen zehnten Pokalsieg trotz einer Zehn-Punkte-Führung im letzten Viertel gegen Bayern München.

Ohne Worte: Joshiko Saibou, Niels Giffey und Luke Sikma (v.l.) sind schwer enttäuscht. Sie wissen: Die Niederlage gegen die Bayern musste nicht sein

Ohne Worte: Joshiko Saibou, Niels Giffey und Luke Sikma (v.l.) sind schwer enttäuscht. Sie wissen: Die Niederlage gegen die Bayern musste nicht sein

Foto: Langer / Eibner-Pressefoto / imago/Eibner

Ulm.  Alba Berlin hat am vergangenen Wochenende viel gewonnen: Respekt, Anerkennung, sogar Bewunderung. Nur der zehnte Pokalsieg der Vereinsgeschichte blieb der Mannschaft von Trainer Aito Reneses verwehrt. Sie musste sich im Endspiel des Top-4-Turniers in Ulm dem FC Bayern München mit 75:80 (38:36) geschlagen geben. In einer Partie, in der beide Teams an ihre Grenzen gingen, setzten sich die Münchner erst in den letzten zwei Minuten entscheidend durch.

Cunningham überragt mit 28 Punkten

107 Sekunden vor dem Ende warf Braydon Hobbs die Bayern in Führung, nachdem sein Team und er sich nach einem Zehnpunkte-Rückstand (33.) wieder herangekämpft hatten. Albas ehemaliger Publikumsliebling Reggie Redding und Jared Cunningham, der mit 28 Punkten der überragende Akteur dieses Finales war, stellten den ersten Pokalsieg des FC Bayern seit 1968 von der Freiwurflinie sicher.

„Natürlich sind wir alle enttäuscht und die Niederlage ist umso bitterer, weil wir eine Chance hatten zu gewinnen“, sagte Albas Coach. „Aber unsere Mannschaft ist jung. Wir müssen weiter arbeiten, damit wir besser sind, wenn sich uns wieder eine solche Chance bietet.“

Sikma bei Alba einmal mehr eine Klasse für sich

Daran, bereits diese zu nutzen, fehlte nicht viel. Sein Team begann so, wie es rund 18 Stunden zuvor die 96:74-Gala im Halbfinale gegen Bayreuth beendet hatte. Alba spielte als Team zusammen, egal, wer auf dem Parkett stand. Dennoch führt kein Weg daran vorbei – auch, wenn Wiederholungen drohen – erneut Luke Sikma hervorzuheben. Albas dominierender Spieler tat sich nicht nur als Passgeber und Rebounder hervor, sondern brachte Alba auch mit zwei Dreiern zum 9:6 und 16:9 (6.) erstmals nennenswert in Führung brachte.

Reneses begann wie sein Gegenüber Aleksandar Djordjevic, der einst unter Spaniens Trainer-Legende gespielt hat, früh zu wechseln. Alba hatte nach dem Halbfinale gerade mal 18 Stunden Zeit zur Regeneration, also so gut wie gar keine. Die Bayern durften nach ihrem 84:73 gegen Ulm am Sonnabendnachmittag allerdings auch nur drei Stunden länger pausieren.

Duell der beiden besten deutschen Mannschaften

Nachdem die Münchner nach den ersten Wechseln Djordjevics besser als Mannschaft zusammengefunden hatten, begegneten sich beide Teams nicht nur mehr von der Intensität her, sondern auch spielerisch auf Augenhöhe. Genau auf dem Niveau, das sich die 6200 Fans in der ausverkauften Ulmer Arena vom ersten Endspiel der Saison und von den beiden derzeit mit Abstand besten deutschen Mannschaften erhofft hatten. Nach Albas erstem Rückstand (20:22/11.) brachte Sikma sein Team aus der Distanz erneut mit 29:24 (16.) in Führung, die nahezu umgehend wieder ausgeglichen war. Mit einem 38:36 ging es in die Halbzeit.

Alba behauptete die Führung und baute sie sogar bis zum 67:57 (33.) aus, weil fast jeder Angriff erfolgreich mit Distanzwürfen abgeschlossen wurde. Auch nach dem Dreier von Peyton Siva zum 73:68 (37.) lagen die Berliner noch vorn, danach kamen aber nur zwei Punkte von Bogdan Radosavljevic hinzu. „Da hätten wir den Sieg festhalten müssen“, sagte Kapitän Niels Giffey völlig zerknirscht. „Die anderen jetzt mit dem Pokal jubeln zu sehen, ist schon bitter.“

In den nächsten Tagen wird der Frust dominieren

Von den Bayern-Spielern fiel nach der Schlusssirene sichtbar ein enormer Druck ab. Seitdem sich der Klub 2011 mit viel Geld auf den Weg in die europäische Spitze gemacht hat, waren die Bayern bereits vier Mal daran gescheitert, den Pokal nach München zu holen. Auch in eigener Halle, als Alba vor zwei Jahren die Münchner mit einem 67:65 im Endspiel am Boden zerstört zurückließ. Ein Jahr später verlor der FC Bayern das Finale in Berlin in letzter Sekunde mit 71:74 gegen Bamberg. All das war nun in Ulm vergessen. „Die Bayern spielen eine gute Saison und haben auch heute bewiesen, dass sie in der Lage sind, mit Druck umzugehen“, sagte Marco Baldi. „Da muss man auch mal gratulieren können, auch wenn es die Bayern sind.“

Wenn sich die große Enttäuschung gelegt hat, wird allen vielleicht auch wieder mehr ins Bewusstsein kommen, „dass wir mit der jüngsten Mannschaft unserer Geschichte, in der noch sechs gebürtige Berliner spielen, wenn man Hendrik Drescher dazuzählt, auch mit einem kleineren Etat auf höchstem Niveau mithalten können,“ sagte Albas Geschäftsführer nicht weniger enttäusch als sein Coach oder sein Kapitän. Auch beim Turnier in Ulm habe sein Klub gezeigt, dass Berlin mit dem richtigen Personal ein zukunftstaugliches Konzept verfolgt. Was in den nächsten Tagen aber nur wenig tröstlich sein dürfte, da werden müde Knochen und Frust dominieren.