Pokal-Top-4

Alba Berlin ist bereit für die Bayern

Die Berliner ziehen mit einem klaren 96:74 gegen Bayreuth ins Pokalfinale gegen München ein und hoffen auf den ersten Titel der Saison.

Alba Berlins Luke Sikma (l.) überzeugt mit 16 Punkten. Da staunt auch Bayreuths Nate Linhart

Alba Berlins Luke Sikma (l.) überzeugt mit 16 Punkten. Da staunt auch Bayreuths Nate Linhart

Foto: Stefan Puchner / dpa

Ulm.  Der Tisch ist gedeckt, das Traumfinale in der Ulmer Arena steht. Alba trifft am Sonntag im Pokalfinale auf den FC Bayern München (15 Uhr, Telekomsport). Berlins Basketballteam präsentierte sich am Sonnabendabend im Halbfinale gegen Bayreuth mit 96:74 (49:38) noch weit souveräner als die Münchner, die am Nachmittag gegen die Ulmer Gastgeber durch ein 84:73 (41:42) ihrer Favoritenrolle gerecht geworden waren. Basketball-Deutschland darf sich freuen. Im Duell um den ersten Titel der Saison treffen die derzeit mit Abstand besten deutschen Mannschaften aufeinander.

„Der Sieg ist absolut verdient“, gratulierte Bayreuths Coach Raoul Korner, „uns ist es nicht gelungen, Alba die Spielfreude zu nehmen.“ Spielfreude, die wieder mal Luke Sikma mit 16 Punkten als besten Berliner Werfer hervorbrachte.

„Die Höhe des Sieges spielt aber keine Rolle“, sagte Sikma jedoch noch auf dem Weg in die Kabine, „wichtig ist allein, dass wir jetzt im Finale stehen.“ Joshiko Saibou und Spencer Butterfield kamen auf jeweils 13 Zähler.

Die Partie immer unter Kontrolle

Alba brauchte nicht lange, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Die Rechnung, dass sich der größere Spielwitz der Berliner durchsetzen würde, solange sie der physischen Gangart der Bayreuther Paroli bieten können, ging nach dem Dreier von Spencer Butterfield zum 12:12 (6.) immer besser auf. Wobei sich Stefan Peno und Saibou besonders hervortaten.

Albas serbischer Nationalspieler sorgte bereits nach elf Minuten für die erste zweistellige Führung (32:22), Saibou verschaffte seinem Team mit sieben Punkten in Folge Luft, nachdem die Bayreuther auf 32:29 (12.) herangekommen waren.

Dass Albas 45:33-Führung (16.) nicht noch weiter anwuchs, lag am durchweg risikoreichen Spiel der Mannschaft, was oftmals Freudenschreie der 600 mitgereisten Fans nach sich zog, phasenweise aber auch Ballverluste. Dennoch behielt das Team von Aito Reneses die Partie immer unter Kontrolle, führte zur Halbzeit mit 49:40.

Lehrstunde in der zweiten Halbzeit

Der zweite Durchgang geriet zeitweilig zu einer Lehrstunde. Bereits nach den Dreiern im Minutentakt durch Niels Giffey, Luke Sikma und Saibou zum 77:51 (30.) war klar, dass in rund 18 Stunden das Finale warten würde. „Da ist aber auch wirklich alles reingefallen“, schmunzelte Kapitän Giffey. Youngster wie Tim Schneider und Jonas Mattisseck durften die Partie zu Ende spielen. Das Motto der letzten zehn Minuten: kräfteschonend nicht mehr in Gefahr geraten. „Ich bin frisch“ sagte Sikma dann auch, „bei all der Energie kann man sowieso nicht erschöpft sein. Fast alle von uns waren zudem schon mal in einer solchen Situation.“

Die völlig frustrierten Bayreuther treffen bereits um 12 Uhr im ungeliebten Spiel um Platz drei auf die nicht minder enttäuschten Gastgeber, die sich gegen den Favoriten aus München bis Mitte des dritten Viertels bravourös geschlagen hatten. Sie führten mit den eigenen Fans im Rücken zur Halbzeit sogar mit 42:41, konnten der Intensität der Bayern, die mit ihren elf nahezu gleichstarken Spielern den Druck konstant hochhielten, aber zunehmend weniger entgegensetzen.

„Wir mussten erst unsere Nervosität ablegen“ gestand Alex King, der vor seinem Wechsel nach München Albas Kapitän war. „Wir haben dann enger verteidigt und die Passwege besser zu gemacht“. Er und sein Team gewannen am Ende mit 84:73 – sehr zur Freude des ersten Fans der Mannschaft von Aleksandar Djordjevic, Präsident Uli Hoeneß, der jetzt am Sonntag im Finale gegen Alba in seiner Geburtsstadt erneut auf den ersten Pokalsieg seines Klubs seit 1968 hoffen darf. Es ist seit der Rückkehr des FC Bayern in die Erstklassigkeit im Jahr 2011 der insgesamt fünfte Versuch.

Nur eine Niederlage in elf Finals

Alba hingegen hatte sich seit der Einführung 1993 bereits zum 16. Mal für das Pokal-Top-4 qualifiziert, steht jetzt zum elften Mal im Finale. Nur einmal (2000 gegen Frankfurt 68:76) verließen die Berliner als Verlierer das Parkett – eine beachtliche Bilanz. Sicherlich wird diese Serie irgendwann mal brechen und den Bayern ihr Erstling im Top 4 gelingen, aber es muss ja nicht gerade am Sonntag im tief verschneiten Ulm sein.

Ein Großteil der mit 6.200 Zuschauern ausverkauften Arena skandierte in den letzten Minuten von Albas Gala jedenfalls schon mal „Zieht den Bayern die Lederhosen aus…“ Mal sehen. „Die Bayern haben die Liga bislang dominiert“, sagte Coach Reneses, „aber in einem Spiel ist alles möglich.“