Basketball

Alba ist wieder dran: Am Wochenende ist Pokalfinale

Warum Berlins Basketballer mit viel Optimismus im Gepäck zum Pokalfinal-Wochenende nach Ulm reisen.

Foto: Bernd König / imago/Bernd König

Berlin.  Bedenkenträger hatten es schwer im Vorfeld des Pokal-Top-4 an diesem Wochenende in Ulm. Denn zum einen passen Alba und Pokal schon mal ganz gut zueinander. Schließlich ist Berlins Basketballklub mit neun Triumphen seit Einführung des Turniers 1993 vor Bamberg (vier Siege) ja Rekordhalter dieses Wettbewerbs. Und dann auch noch in Ulm. Als die Schwaben das Turnier zuletzt vor vier Jahren austrugen, stiegen Kapitän Sven Schultze und sein Team am Ende mit der 5,2 Kilogramm schweren Trophäe aus versilbertem Messing ins Flugzeug nach Berlin und ließen nicht nur die Gastgeber, sondern auch Bayern München und Serienmeister Bamberg mit hängenden Köpfen zurück.

Keine schlechten Vorzeichen also, wenn Alba am Sonnabend (19 Uhr/Telekomsport) im Halbfinale gegen Bayreuth die erste Hürde nehmen und in das Endspiel am Sonntag (15 Uhr) einziehen will. Zumal die Mannschaft von Aito Reneses seit acht Spielen gegen nationale Konkurrenz ungeschlagen ist und nach Siegen gegen Spitzenklubs wie Ludwigsburg, Oldenburg und Bamberg auf Platz zwei in der Bundesliga liegt. Und schließlich sei da ja auch noch das Gesetz der Serie, sagt Akeem Vargas, der als einziger Spieler aus Albas aktuellem Team bereits 2014 dabei war. „2014 in Ulm, 2016 in München und jetzt 2018 erneut in Ulm, das sind doch sehr gute Vorzeichen, dass wir den Pokal mitbringen.“ Er selbst wolle einfach nur im Zwei-Jahres-Rhythmus bleiben, sagt er schmunzelnd.

Die anderen drei Teams haben noch nie ein Top-4 gewonnen

Vargas weiß aber auch, dass er mit seinem Team im Halbfinale auf die einzige deutsche Mannschaft trifft, gegen die Alba in dieser Saison bereits zweimal verlor. Ende September beim letzten Test vorm Saisonstart in eigener Halle (73:77) und sechs Wochen später beim Auswärtsspiel 76:83. Das Vorbereitungsspiel zähle für ihn nicht, sagt Albas Dienstältester, aber es stimme schon, „dass es die Bayreuther in den letzten Jahren geschafft haben, sich vom Absteiger zum Topteam zu mausern“. Davor und auch vor Bayreuths österreichischem Trainer Raoul Korner würde er „seinen Hut ziehen“.

Den zieht auch – obwohl er wie Vargas keinen auf hat – Marco Baldi. Sein Team träfe im Halbfinale auf einen Gegner, der „alles hat, der durch gute Schützen von außen, aber auch aus Korbnähe extrem gefährlich ist“ und dem er eigentlich gern zusehe, „weil immer ein Plan und eine Handschrift zu sehen ist“. Albas Geschäftsführer gefällt auch, dass die Franken unter Korner extrem physisch spielen und er hofft darauf, dass sich seine Spieler daran erinnern, sie das Spiel im November in Bayreuth trotz „allergrößter Intensität“ verloren haben.

Butterfield gewann in der Vorsaison in Frankreich den Pokal

Bei allem Respekt weiß Baldi jedoch auch, dass sich all das auch über sein Team sagen lässt. Mindestens. Von Luke Sikma wie auch von Spielmacher Peyton Siva schwärmt die Liga schon länger. In jüngster Zeit aber auch von Marius Grigonis und Spencer Butterfield, die sowohl mit ihren Distanzwürfen als auch mit ihrem Biss unter den Körben die Siva-Sikma-Achse immer besser ergänzen.

„Ich fühle mich ganz einfach wohl und spüre, dass mir alle im Team und auch der Coach vertrauen“, sagt Grigonis, am Mittwoch beim 91:83 gegen Oldenburg mit 18 Punkten hinter Siva (19) zweitbester Werfer. Seine gewachsene Bedeutung zeigt auch, dass nur Sikma bei der Pokal-Generalprobe länger auf dem Parkett gestanden hatte als er. Butterfield, der nach sechswöchiger Verletzungspause immer besser in Tritt kommt, kam auf 15 Zähler – und noch viel wichtiger: Er weiß, wie Pokal geht, gewann in der Vorsaison mit Nanterre sowohl den französischen als auch den Fiba Europe Cup. Sein Pokal-Rezept sei ganz einfach, sagt der Dreier-Spezialist. „Egal, wie hässlich es wird, ob du triffst oder nicht , du darfst den Glauben daran, dass du das Ding gewinnst, nie verlieren.“

600 Fans werden Alba unterstützen

Tugenden, die Alba schon gezeigt hat, vor allem bei verletzungsbedingten Ausfällen, nicht nur der Butterfields. In Ulm werden alle wieder an Bord sein, auch Dennis Clifford und Bogdan Radosavljevic, die mit ihren 2,13 Metern das Paket von Coach Reneses komplett und damit noch unberechenbarer machen. Und es wird angenehm laut werden. „Wir haben unser Ticketkontingent voll ausgeschöpft und werden 600 Fans im Rücken haben“, sagt Baldi – schon allein das sollte Grund genug sein, an die Grenzen zu gehen.

Im anderen Halbfinale, in dem Ulm auf Bayern München trifft (15 Uhr), finden sich übrigens drei weitere Spieler, die 2014 mit Alba Pokalsieger wurden: Alex King und Reggie Redding im Trikot der Münchner und Ulms Ismet Akpinar, der Berlin im Sommer verließ. Vargas hat seinen Kumpel Akpinar seit der Auslosung schon mehrfach per Kurzmitteilung wissen, wie schön es wäre, ihn am Sonntag im Finale in eigener Halle zu schlagen. Denn der FC Bayern, Ulm und auch Bayreuth haben ja noch nie ein Top-4 gewonnen – und es gibt aus Berliner Sicht keinen zwingenden Grund, warum es dabei nicht bleiben sollte.