Albas Gegner

Meister Bamberg befindet sich in Schieflage

Vor der Partie bei Alba pendelt Bamberg zwischen überraschenden Pleiten und Topleistungen. Die Berliner wollen das ausnutzen.

Bambergs Dorell Wright (r.) gegen Bonns Martin Breunig. Für den Meister hagelte es eine 69:106-Kltasche

Bambergs Dorell Wright (r.) gegen Bonns Martin Breunig. Für den Meister hagelte es eine 69:106-Kltasche

Foto: BEAUTIFUL SPORTS/Mueller-Laschet / picture alliance / Beautiful Spo

Berlin.  Aus Albas Bilanz gegen Bamberg, die die Berliner mit insgesamt 53:34 Siegen und 33:8 Heimerfolgen anführen, grüßen die alten Zeiten. Denn in eigener Halle gelang Berlins Basketballteam zuletzt zum Auftakt der Saison 2013/2014 ein 79:78 im wegen seiner Bedeutungslosigkeit längst eingestellten Champions Cup. Auswärts war bei den Franken, die in den vergangenen acht Jahren sieben Mal Meister wurden, bis auf ein 62:44 im November 2009 in der Bundesliga und ein 75:72 im März 2013 in den Top 16 der Euroleague nicht viel zu holen. Deswegen fand es auch landesweit Beachtung, als Alba im Oktober die schwarze Serie in der "Franken-Hölle" mit einem 77:75 beendete.

An diesem Sonntag (15 Uhr, Telekomsport) bietet sich dem Team von Coach Aito Reneses nun die Möglichkeit, in der Mercedes-Benz Arena auch bei der Heimbilanz die guten alten Zeiten aufleben zu lassen. Wozu sicherlich hilfreich wäre zu wissen, was einen erwartet. Aber genau das erscheint derzeit kaum möglich.

Klatsche in Bonn, Coup gegen Panathinaikos

Kantersiege und Debakel wechselten beim Serienmeister Bamberg zuletzt von Spiel zu Spiel. Am vergangenen Sonntag musste sich Kapitän Nikos Zisis noch nach einer "inakzeptabeln" 69:106-Klatsche in Bonn "bei allen Fans entschuldigen". Fünf Tage später entzauberten der griechische Routinier und sein Team völlig überraschend Panathinaikos Athen in der Euroleague mit 95:74. Nicht nur Albas Joshiko Saibou ist "sehr gespannt", sagt: "Ich habe wirklich keine Ahnung, in welche Richtung das gehen wird."

Die Bamberger, die im Sommer Fabien Causeur (Real Madrid), Janis Strelnieks (Olympiakos Piräus), Nicolo Melli (Fenerbahce Istanbul) sowie Darius Miller und Daniel Theis in die NBA ziehen lassen mussten, stehen als Tabellensiebte unter Druck. "Es war zu vermuten, dass es dort ein Jahr des Umbruchs geben würde", sagt Albas Kapitän Niels Giffey. Noch, scheint ihm, habe "sich die Mannschaft nicht wirklich gefunden". Was nachzuvollziehen ist: Nach den langwierigen Verletzungen von Elias Harris, Bryce Taylor und Luka Mitrovic musste sich zuletzt auch Trainer Andrea Trinchieri nach einer Schulter-OP an der Seitenlinie von Assistenztrainer Ilias Kantzouris vertreten lassen. Trinchieri leitete vor dem Panathinaikos-Coup allerdings zumindest wieder das Training. Jetzt soll es in Berlin weiter bergauf gehen.

Hohe Reisebelastung durch die Euroleague

Marco Baldi wäre "es lieber gewesen, wenn sie das Debakel in Bonn nicht vor unserem Spiel erlebt hätten". Wegen der Verletzungen, und weil das Team quer durch Europa "von einem Spiel zum nächsten hetzt", fehle den Bambergern vielleicht im Moment "das letzte Adrenalin. Dann passieren Niederlagen wie die in Bonn ganz schnell, das haben wir auch schon erlebt" sagt Albas Geschäftsführer. Aber Bamberg habe 20 Spieler unter Vertrag, davon allein neun Ausländer, allesamt von großer Qualität. "Mit Trauerreden wäre ich ganz, ganz vorsichtig. Der Klub verfügt über eine ungeheure Substanz, die über Jahre aufgebaut wurde. Ihn abzuschreiben, wäre eine totale Fehleinschätzung", sagt Baldi.

Auch für Reneses ist Bamberg "unabhängig von der Tabelle neben Bayern München das beste Team in der Liga". Sicherlich ist das richtig, für seine Mannschaft müsste jedoch die Gunst der Stunde sprechen. Die Bamberger standen etwas mehr als 40 Stunden zuvor noch gegen ein europäisches Schwergewicht auf dem Parkett, Alba konnte seit Dienstag regenerieren und nach den überstandenen Verletzungen von Peyton Siva und Spencer Butterfield mit komplettem Kader trainieren. Zudem sind bereits mehr als 10.000 Tickets für die 88. Auflage des Klassikers verkauft. Die Erinnerung an den Auswärtssieg im Oktober sollte mit den eigenen Fans im Rücken eigentlich eine gute Mischung ergeben.

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