Basketball Berlin

Alba Berlin: Rückkehr des Glaubens

Nach dem außergewöhnlichen Erfolg in der Mercedes-Benz Arena wollen die Berliner Bayern München nun auch auswärts ärgern.

Malcolm Miller verteidigt den Ball gegen die Bayern Reggie Redding (li) und Nihad Djedovic(re)

Malcolm Miller verteidigt den Ball gegen die Bayern Reggie Redding (li) und Nihad Djedovic(re)

Foto: Bernd König / imago/Bernd König

Berlin.  Was für ein Unterschied. Monate lang mussten Albas Spieler, Sportdirektor Himar Ojeda oder auch Geschäftsführer Marco Baldi erklären, warum es nicht läuft und was passieren müsste, damit sich alles zum Besseren wendet. Nichts von alledem war am Donnerstagabend nach dem 83:76 (41:50) gegen den FC Bayern mehr gefragt und die Erleichterung war beinahe greifbar. Albas Mannschaft hat, als ihr das Wasser bis zum Hals stand, ein Team besiegt, das seit langer Zeit nahezu als unschlagbar galt und dem sie in den vier Aufeinandertreffen, die es in dieser Saison zuvor gegeben hatte, haushoch unterlegen war.

Manager Baldi gibt zu: „Fans hatten es schwer mit uns“

War, wohl gemerkt, denn Albas Mannschaft hat die Best-of-five-Serie des Viertelfinales zur Deutschen Meisterschaft mit einem Willensakt zum 1:1 ausgeglichen, nach einem ersten Spiel nur sechs Tage zuvor, in dem sie beim 68:95 völlig chancenlos war. Und das „Wir leben noch“-Gefühl, das die Mercedes-Benz Arena bis in den Oberrang erfüllte, war ganz sicher auch eine Botschaft der Mannschaft an sich selbst. Wir können es noch. Und warum sollten wir nicht auch das dritte Spiel am Sonnabend (20.30 Uhr) in München gewinnen?

Die Sehnsucht nach diesem Lebenszeichen war groß und die Hoffnungen, dass es noch in dieser Saison kommen würde, nahe Null. Auch bei den Fans, „die es wirklich schwer mit uns gehabt haben. Wir wissen ja, was wir für eine Saison gespielt haben. Eigentlich glaubte keiner mehr an irgendwas“, sagte Baldi. Und anders als so manches Mal zuvor habe die Mannschaft die Energie aufgenommen und zurückgegeben. Und zwar mit jeder Minute mehr.

Im dritten Viertel erlaubte Albas Team den Bayern gerade mal acht Punkte, machte selbst 21. Fans und Mannschaft fieberten einem lautstarken Finale entgegen. Die Sorgen, dass Alba mal wieder einbrechen würde, schwanden mit jeder Minute. Körbe der Gegner, eigene Fehlwürfe, unverständliche Pfiffe der Referees, alles war plötzlich egal. Die Berliner ließen sich durch nichts beirren, spielten Play-off-Basketball bis zur Schlusssirene und ließen sich von den 11.666 Zuschauern in der Arena feiern.

„Coach Päch und sein Team sind verdienter Sieger heute“, räumte auch Bayern-Trainer Aleksandar Djordjevic ein. „Vor allem im dritten Viertel sind sie wirklich außergewöhnlich aufgetreten. Das ist etwas, was wir eigentlich das ganze Jahr über gemacht haben.“ Was einen spannenden Fortgang der Serie verspricht, wenn Albas Mannschaft an die Leistung anknüpfen kann.

„Wir lagen zur Halbzeit mit neun Punkten zurück und haben uns in der Kabine noch mal klar gemacht, dass wir keinesfalls mit einer weiteren Niederlage nach München fahren wollten,“ sagt Tony Gaffney, der mit zwölf Punkten, sieben Rebounds und vier geblockten Würfen neben Niels Giffey (15 Punkte, vier Rebounds) und Peyton Siva (13 Punkte) Albas Team beim Kraftakt nach der Pause anführte. „Den Rückstand hatten wir schnell aufgeholt und dann nur noch gekämpft, gekämpft, gekämpft.“

„Ich habe immer noch große Schmerzen, aber ich kämpfe mich irgendwie durch“

Dass Siva in seinem zweiten Spiel nach dreimonatiger Verletzungspause zu den Anführern gehörte, zeigt, wie sehr er der Mannschaft gefehlt hatte. Keiner könne durch seinen Zug zum Korb „Räume für die anderen schaffen wie er“, sagte Baldi. Und nicht nur das. Siva traf in der zweiten Halbzeit drei von vier Dreiern. Mit dem ersten half er, den Rückstand zu verkürzen, mit den beiden anderen, die Bayern auf Distanz zu halten.

„Ich habe immer noch große Schmerzen, aber ich kämpfe mich irgendwie durch“, gestand Albas Spielmacher. Er habe 15:31 Minuten gespielt, „mehr als geplant, aber das ist okay. Jetzt muss ich mich erstmal einen Tag schonen, da gibt es nur Eis“. Alle im Team wüssten, sagte Siva weiter, „dass die Bayern zu Hause viel besser spielen können als hier, aber wir werden ihnen einen großen Kampf liefern“.

Sowohl Siva als auch Gaffney kommen auf Coach Thomas Päch zu sprechen, wenn sie erklären sollen, wie es nach der Trennung von seinem Vorgänger Ahmet Caki zu dem Ruck kam, der offensichtlich und wie gewünscht durch die Mannschaft ging. „Er hat uns Unmengen von Videos gezeigt und wir versuchen umzusetzen, was er uns sagt“, erklärt Gaffney. „Wir sind jetzt in der Verteidigung eine Einheit und nicht mehr fünf Typen auf einer Insel, die hart arbeiten, aber nicht wissen, wo sie hin sollen.“

Gaffney ist 32, Carl English 36, Coach Päch 34 Jahre alt. Lustigerweise nennt er sie trotzdem „meine Jungs“ und sagt stolz: „Sie haben ihr Herz in die Hand genommen.“ Darüber, dass das auch sein Verdienst ist, spricht er nicht.