Basketball

Albas letztes Heimspiel in dieser Saison?

Die Bilanz gegen Bayern München ist erschütternd. Doch vor dem zweiten Viertelfinale setzt Alba auf eine Überraschung und seine Fans.

Allein gegen drei Bayern: Alba-Spieler Elmedin Kikanovic im schweren Kampf mit den Münchnern Devin Booker, Reggie Redding und Anton Gavel (v.l.)

Allein gegen drei Bayern: Alba-Spieler Elmedin Kikanovic im schweren Kampf mit den Münchnern Devin Booker, Reggie Redding und Anton Gavel (v.l.)

Foto: nordphoto / Straubmeier / nordphoto

Berlin.  Jetzt also Albas letztes Heimspiel in dieser Saison. Das liest sich nicht gut, und vielleicht kommt es ja ganz anders. Doch die Suche nach Mutmachern gestaltet sich schwierig. Fast alles spricht dagegen, dass Berlins Basketballteam an diesem Donnerstag in der Mercedes-Benz Arena (20.30 Uhr) den FC Bayern besiegt und damit die „Best of five“-Serie des Viertelfinales um die Deutsche Meisterschaft zum 1:1 ausgleicht. Nicht nur das 68:95 aus Spiel eins am vergangenen Sonnabend, sondern auch die drei Duelle zuvor, die in der Bundesliga 58:97 und 56:80 sowie im Pokalhalbfinale 70:78 verloren gingen. Vier Spiele, vier Niederlagen mit einer Differenz von durchschnittlich 24,5 Punkten – eine Bilanz, die alles andere als optimistisch stimmt.

Alba muss seinen Frust besser kontrollieren

Nun hat aber auch Peyton Siva recht, der daran erinnert, dass mit dem Play-off-Start alles bei Null steht. „Ob du mit 30 Punkten oder mit einem verlierst, unter dem Strich bleibt, dass du ein Spiel verloren hast“, erklärt Albas Spielmacher, der in München nach drei Monaten Pause wegen Adduktorenproblemen erstmals wieder für einige Minuten versucht hatte, das Spiel zu lenken. „Ich habe nicht gut gespielt“, sagt Siva, wissend, dass Ort und Zeitpunkt für ein Comeback nicht ideal waren. Die Bayern sind das Team der Stunde, haben von den letzten 18 Bundesliga-Spielen nur eines verloren. Die Münchener weisen die beste Wurfquote der Liga auf (53 Prozent) und finden mit 22,5 Assists pro Spiel den freien Mann wie kein anderes Team.

Auch Tony Gaffney liegt nicht falsch, wenn er sagt, dass „wir im ersten Viertel in München gezeigt haben, dass wir mit den Bayern auf Augenhöhe spielen können“. Natürlich ist der Plan, daran anzuknüpfen, sagt Coach Thomas Päch, der seinem Team per Video die gute Verteidigungsarbeit in dieser Phase zeigte. Allerdings stand sich Albas Team wie so oft in dieser Saison selbst im Weg, als der Gegner den Druck erhöhte. Ballverluste, hängende Köpfe, der Bruch war da und das Spiel wenig später entschieden. „Wir müssen in diesen Situationen unseren Frust besser kontrollieren“, fordert Niels Giffey.

Ausgerechnet Redding stürzt sein Ex-Team in Selbstzweifel

Dass kritische Phasen auch in Spiel zwei kommen werden, ist so gut wie sicher, schon aufgrund der Qualität im Bayern-Kader. Und gut möglich, dass einer den Berlinern wieder die größten Probleme bereitet, der glaubhaft versichert, dass er „nur mit den allerbesten Erinnerungen an seine Zeit bei Alba“ zurückdenkt. Für Reggie Redding, von 2013 bis 2015 Publikumsliebling in Berlin, ist es noch immer „ein ganz besonderes Gefühl“, das Parkett der Mercedes-Benz Arena zu betreten. Doch er sagt auch: „Ich will gewinnen!“, egal wo. Der 28-Jährige war am Sonnabend der entscheidende Mann, der seinen Ex-Klub im zweiten Viertel mit drei Dreiern in nur 75 Sekunden in altbekannte Selbstzweifel stürzte. Vor dem Spiel in Berlin rechnet Redding vor: „Wenn wir in Berlin gewinnen, können wir am Sonnabend die Serie mit dem entscheidenden dritten Sieg in eigener Halle beenden.“

Den Höhenflug der Bayern erklärt Redding damit, „dass wir einige Chancen haben liegen lassen. Im Pokalfinale gegen Bamberg und bei der Heimniederlage gegen Malaga im Eurocup. Zwei Spiele, die wir hätten gewinnen können“. Den Frust ließen die Bayern hinter sich und nutzten die Zeit, als sie nicht mehr in Europa unterwegs waren, fürs Training. „Zeit“, wie Redding sagt, „um Schwächen abzustellen.“ Zeit, die auch Alba hatte. Die Berliner schieden bereits im Februar in den Top 16 aus dem Eurocup aus, die Münchner erst Anfang März im Viertelfinale. Dass die drei Monate mit größtenteils nur einem Spiel pro Woche in Berlin nicht annähernd so effektiv genutzt wurden wie in München, führte zwei Spieltage vor dem Play-off-Start zur Demission von Albas Headcoach Ahmet Caki. Jetzt soll es sein ehemaliger Assistent Thomas Päch (34) richten.

Zugreifen, sobald sich eine Chance ergibt

„Wir müssen zusehen, dass wir uns Erfolgserlebnisse im Spiel holen“, sagt Päch und deutet beim Abschlusstraining in der Arena mit dem Kopf auf die noch leeren Ränge, die dann mit über 10.000 Fans gefüllt sein werden. „Mit der Energie, die wir zu Hause haben, wollen wir das Spiel knapp halten. Sobald wir eine Chance sehen, werden wir da sein.“ So weit der Plan, der sich jedoch nur mit viel Herz, etwas Glück und wenig Frust umsetzen lässt.