Basketball

Nur ein Kuchen fehlt Alba zum Glück

Gegen Würzburg zeigte Alba Berlin wieder mal eine Leistung, die Hoffnung macht. Aber jetzt wartet der Tabellenführer der Basketball-Bundesliga.

Der Würzburger Vincent Sanford (l.) kann Engin Atsür von Alba Berlin nicht aufhalten – sinnbildlich für das gesamte Spiel

Der Würzburger Vincent Sanford (l.) kann Engin Atsür von Alba Berlin nicht aufhalten – sinnbildlich für das gesamte Spiel

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Es wird glaubhaft versichert, dass es in der Kabine weder untereinander laut geworden ist, noch hat es mahnende Worte von allerhöchster Stelle gegeben. Vielmehr war wohl das 76:81 in Göttingen in der Woche zuvor, die vierte Bundesliga-Niederlage in Folge, ein Nackenschlag zu viel. Was es zu verbessern galt, war wie in vielen Spielen zuvor offensichtlich. Mehr Rebounds, weniger Ballverluste, eine bessere Verteidigung – aber: Vor dem 99:75-Kantersieg gegen Würzburg ist im Team nicht nur darüber geredet worden.

Giffey tritt auf wie eine Führungsfigur

"Ganz schön lange" habe er an dem Göttingen-Spiel zu knabbern gehabt, sagt Niels Giffey, der gegen Würzburg mit zwölf Punkten, acht Rebounds, vier Assists und zwei geblockten Würfen genau der Führungsspieler war, der von der ersten Sekunde an die Richtung vorgab. "Es hört sich zwar bescheuert an, aber es war wohl der Moment gekommen, in dem jedem im Team klar war, dass er mehr Verantwortung übernehmen muss." Genau so habe die Mannschaft in der Woche nach Göttingen und vor dem Würzburg-Spiel auch trainiert.

"Es geht nicht, zu sagen, heute war das Training schlecht, aber morgen ist ja auch noch ein Tag. Wenn es schlecht läuft, muss immer einer da sein, der das Level hebt." Die Coaches machten einen guten Job, sagt Giffey, aber es liege allein an den Spielern, "ob im Training erst nach einer halben Stunde gut verteidigt wird oder schon gleich in den ersten zehn Minuten".

Würzburg war völlig aus dem Rhythmus

Dieser kollektiven Erkenntnis sind Taten gefolgt, womit sich wieder einmal bewahrheitete, dass eine Mannschaft in Spielen nur das präsentieren kann, was sie sich im Training erarbeitet hat. Alba sei "in einer schwierigen Situation genau so ins Spiel gegangen, wie man es dann tun muss: mit harter und intensiver Verteidigung", sagte Würzburgs Coach Dirk Bauermann anerkennend, habe genau so gespielt, wie es seiner allseits bekannten Identität entspricht. "Sie haben hoch aggressiv und sehr physisch verteidigt und uns damit komplett aus dem Rhythmus gebracht." Und aus "der guten Defense", auch das eine uralte Basketball-Weisheit, "hat sich für Alba auch gute Offense ergeben."

Albas Coach Ahmet Caki mahnte umgehend, sich vom hohen Ergebnis nicht blenden zu lassen – Alba führte mit teilweise 40 Punkten. Ein Debakel blieb Würzburg nur erspart, weil die Youngster Ferdinand Zylka, Jonathan Malu und Tim Schneider die Partie zu Ende spielen durften. Kuchen gibt es nun beim Montagtraining nicht. Den hätte der mitbringen müssen, der den 100. Punkt gegen Würzburg gemacht hätte. Dazu kam es nicht. Es habe trotzdem "ganz einfach alles gepasst. Würzburg hat am Anfang einige Würfe vergeben, die sie sonst treffen", so Caki. "Wenn die alle reingehen, kann es ein anderes Spiel werden."

25 Siege in Folge: Ulm zieht gleich mit Bayer Leverkusen

Stimmt, was allerdings auch, folgt man Bauermann, an der Verteidigung der Berliner gelegen haben könnte. Egal. "Es ist März und der Zeitpunkt gekommen, untereinander ehrlich zu sein", sagt Akeem Vargas. Jetzt könnten gerade von den erfahrenen Spielern "mal ein paar klare Worte gesagt werden". Über allem steht: "Wir müssen's hinbekommen." Wie gegen Würzburg.

Fest steht, dass Albas Team am Montag mit einem ganz anderen Gefühl ins Training einsteigen wird als in den Wochen zuvor. Die nächste Aufgabe hat es allerdings in sich. Die Berliner müssen am kommenden Sonnabend beim Spitzenreiter in Ulm antreten. Der Tabellenführer schwebt auf einer bemerkenswerten Erfolgswelle, feierte mit dem 87:69 in Bonn gerade seinen 25. Sieg in Serie. Damit stellten die Schwaben den Rekord von Bayer Leverkusen aus der Saison 1969/70 ein und würden ihn wohl nur zu gern gegen Alba für sich allein sichern.

Den Startrekord hat Alba schon vor einer Woche verloren

Den Startrekord hat Ulm mit 25 Siegen in jedem Fall jetzt bereits sicher. Den hielt bisher übrigens Alba Berlin aus den Spielzeiten 1996/97 und 2000/2001. Aber das waren andere Basketball-Zeiten.

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