Derbe Niederlage

Alba geht gegen Bayern München mit 56:80 unter

Gegen Bayern München fanden die Berliner nie ins Spiel und verloren im Kampf um eine gute Playoff-Platzierung wichtige Punkte.

Alba muasste gwegen Bayern München eine derbe Pleite einstecken

Alba muasste gwegen Bayern München eine derbe Pleite einstecken

Foto: Peter Kneffel / dpa

Zu Beginn richtete sich der Unmut der Fans von Alba Berlin noch gegen die Schiedsrichter. "Ihr macht euch lächerlich, ihr macht euch lächerlich!", skandierten sie, als die Unparteiischen zum wiederholten Mal einen technischen Fehler gegen die Gastgeber gepfiffen hatten. In der zweiten Halbzeit behielten sie die Melodie, änderten aber den Text in "Wir woll'n euch kämpfen sehen, wir woll'n euch kämpfen sehen!" Wenig später, beim Stand von 34:57, als auch dem letzten der 12.741 Betrachter in der Mercedes-Benz Arena klar war, dass Bayern München dieses Spitzenspiel der Basketball-Bundesliga gewinnen würde, schließlich: "Auf geht's, Alba, kämpfen und siegen" – das war eine Mischung aus Enttäuschung und Zynismus.

Wenn diese Partie zwischen den Erzrivalen einen Vorgeschmack auf das Pokal-Halbfinale zwischen den beiden Mannschaften an selber Stelle am kommenden Sonnabend geben sollte, konnten ihn nur die Gäste von der Isar genießen. Welten lagen zwischen den Kontrahenten, die Münchner gewannen verdient 80:56 (44:29), entschieden jedes einzelne Viertel zu ihren Gunsten und ließen nie nach in ihrem Bestreben, Alba die Grenzen zu zeigen. "Wir spielten als Team vom Anfang bis zum Ende", lobte Coach Aleksandar Djordjevic seine Spieler.

Vielleicht kehrt Peyton Siva gegen Jena ins Team zurück

Bei den Berlinern gab man sich trotz der hohen Niederlage kämpferisch. "Für das Pokalspiel bedeutet das gar nichts. Wir müssen kämpfen und besser spielen", forderte Dragan Milosavljevic. Der Kapitän hatte selbst einen schwachen Tag erwischt. Aber nicht nur er. Schon die Auftaktminuten machten klar, wer als Sieger das Parkett verlassen würde. Die ersten neun Angriffsversuche Albas missglückten. In dieser Reihenfolge: Fehlpass Milosavljevic, Schrittfehler Milosavljevic, Fehlwurf Tony Gaffney, Schrittfehler Gaffney, Fehlwurf Elmedin Kikanovic, geblockter Wurf Kikanovic, Schrittfehler Gaffney, Fehlwurf Ismet Akpinar, Fehlwurf Akeem Vargas – eine Startbilanz des Schreckens. Die Bayern machten außer guter Verteidigung nichts Besonderes, aber sie führten 9:0. Erst nach gut fünf Minuten gelangen Kikanovic die ersten Alba-Punkte. Noch nicht entscheidend dieser Rückstand, aber eine Vorlage, die München nutzte.

"Wir hatten eine sehr schlechte Anfangsphase, ich weiß auch nicht, warum", sagte Kikanovic, der am Ende mit 18 Punkten bester Werfer bei Alba war. "Wir haben den Bayern Selbstvertrauen gegeben, das darf nicht sein." Die Gäste haben ohnehin nach jetzt zwölf Pflichtspielsiegen in Folge keinen Mangel daran. Alba dagegen reihte schon seine vierte Niederlage aneinander. Nicht nur dem Bosnier Kikanovic war klar: "Wir müssen ganz anders spielen, wenn wir nächstes Wochenende ins Finale kommen möchten."

Vor allem: besser treffen. Insgesamt 15 Mal versuchten sich neun Berliner Schützen aus der Drei-Punkte-Distanz, keiner traf in den Korb. Natürlich eine unterirdische Quote für eine Mannschaft, die den Anspruch hat, ein Spitzenteam zu sein. Ein solches war gestern nur München. Als Alba das zweite Viertel halbwegs ausgeglichen hielt, glaubte Trainer Ahmet Caki noch an eine Chance nach der Pause. Aber wieder begann sein Team mit sieben Angriffen, die ohne Erfolg blieben. Die Bayern um ihre besten Werfer Nihad Djedovic (15), Devin Booker (12) und Alex King (10) zogen auf 48:29 davon und bauten ihren Vorsprung auf bis zu 27 Zähler aus. "Wir müssen einen Weg finden, als Team besser zu attackieren, die Defensive war nicht unser Problem heute", sagte Caki. Wieder wurde deutlich, wie sehr den Berlinern ihr Spielmacher fehlt, den eine Adduktorenverletzung stoppt. "Wir müssen zugeben", sagte auch Djordjevic, "sie hatten Peyton Siva nicht. Das hat uns geholfen."

Der Amerikaner saß hinter der Bande und verfolgte missmutig die Versuche seiner Kollegen, ein strukturiertes Angriffsspiel aufzuziehen. Es ist nicht sicher, ob der 26-Jährige bis zum Top Four im Pokal wieder fit wird. Oder gar für Mittwoch (19 Uhr, Mercedes-Benz Arena) bei der Cup-Generalprobe gegen Jena. Die Zeichen stehen eher auf Pessimismus.

Egal, sagt der Alba-Trainer, "wir müssen gegen Jena gewinnen, um wieder ein Gefühl für Siege zu bekommen." Caki will auch gar nicht darauf schauen, was Bayern München alles besser gemacht hat. "Wenn du nur 56 Punkte machst, müssen wir das zuerst verbessern", sagte er und sowieso, "wenn du keine Würfe triffst, ist es schwer zu gewinnen." Aber nicht unmöglich. Das letzte Mal, dass Alba von 15 Dreiern keinen verwandelte, geschah vor rund drei Jahren gegen die Eisbären Bremerhaven. Alba gewann 62:59 an der Nordsee. Bremerhaven ist eben nicht München. Mitarbeit: TheBre

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