Basketball

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Alba trennt sich von Dominique Johnson, hat in Carl English aber schon einen Nachfolger gefunden, der mehr als ein Ersatz sein soll.

Jede Menge Erfahrung: Carl English (l.) spielt seit 2005 bei europäischen Spitzenklubs und in der kanadischen Nationalmannschaft

Jede Menge Erfahrung: Carl English (l.) spielt seit 2005 bei europäischen Spitzenklubs und in der kanadischen Nationalmannschaft

Foto: REUTERS / ANDRES STAPFF / REUTERS

Berlin.  Die Wechsel-Formalitäten waren noch gar nicht erledigt, da machte sich Carl English per Flugzeug schon auf seine erste Dienstreise mit Alba Berlin. Der Kanadier ersetzt beim achtmaligen deutschen Basketball-Meister den US-Amerikaner Dominique Johnson, der den Klub Richtung Varese in Italien verließ. English hat gute Aussichten, bereits an diesem Mittwoch (18.30 Uhr) seinem neuen Klub wertvolle Dienste zu leisten, die letzten dafür nötigen Dokumente sind sprichwörtlich im Fluge eingetroffen. Im Eurocupspiel bei Lietuvos Rytas Vilnius kann der Verein mit einem Sieg den Einzug in die Top 16 perfekt machen. Im Falle einer Niederlage müsste die Konkurrenz in der nächsten Woche, wenn Alba spielfrei ist, Schützenhilfe leisten. Ein Szenario, das sich niemand wünscht in Berlin.

Auf Gran Canaria Alba-Manager Ojeda kennengelernt

Der 29-jährige Johnson war schon ein recht erfahrener Spieler, aber fast ein Greenhorn im Vergleich zum gut sechs Jahre älteren Carl English. Zuletzt trug er das Trikot von Iberostar Tenerife. Davor stand er seit 2005 bei etlichen europäischen Klubs unter Vertrag, etwa Virtus Bologna, KK Zadar, AEK Athen und vor allem bei mehreren spanischen Erstligisten. Bei CB Gran Canaria lernte English den heutigen Alba-Sportdirektor kennen. „Carl ist ein sehr guter Werfer mit hohem Basketball-IQ“, sagt Himar Ojeda, „der unserem Team mit seiner großen Erfahrung weiterhelfen wird. Er ist ein Teamspieler und gleichzeitig einer, der nie Angst haben wird, den entscheidenden Wurf zu nehmen.“

Ein sogenannter Go-to-Guy, als der auch Johnson verpflichtet worden war. Manchmal traf der US-Amerikaner auch sehr schwierige Würfe, feierte sich danach aber lieber selbst, statt sich auf den nächsten Angriff des Gegners zu konzentrieren. Die vorzeitige Auflösung der Verbindung, die auf zwei Jahre ausgelegt war, im gegenseitigen Einverständnis kam nicht überraschend.

Eltern sterben bei Hausbrand, Onkel beim Angelausflug

Übertriebene Selbstdarstellung ist von seinem Nachfolger nicht zu erwarten. English, der in Berlin einen Vertrag bis zum Saisonende unterschrieb, ist einer, der zu kämpfen und sich durchzubeißen versteht. Der in seiner Kindheit und Jugend zudem familiäre Tragödien zu verkraften hatte. Als er fünf Jahre alt war, starben seine Eltern bei einem Hausbrand. Der kleine Carl und seine vier Geschwister wurden daraufhin getrennt. Er lebte weiterhin im rauen Neufundland und wuchs bei Onkel und Tante auf. In seiner Freizeit verbrachte er fast jede freie Minute damit, auf einem Freiplatz Basketball zu spielen.

Die Begeisterung wurde zum Beruf. Als English später mit einer kanadischen High-School-Auswahl auf Tournee ging, fiel der 1,96 Meter große Flügelspieler US-Scouts auf. Der junge Mann entschied sich für ein Stipendium an der Universität von Hawaii. Als er sich zu diesem großen Schritt entschlossen hatte, folgte der nächste schwere Schicksalsschlag. Sein Onkel starb bei einem Angelausflug.

Traum von der NBA hat sich nicht erfüllt

Der Traum von der Profiliga NBA erfüllte sich trotz starker Leistungen am College nicht. Zwar spielte English bei den Chicago Bulls und Indiana Pacers vor, doch aus dem erhofften Engagement wurde nichts. So entschloss sich der langjährige kanadische Nationalspieler zum Umzug nach Europa, wo er sich einen guten Namen machte. Inzwischen jedoch nähert sich das Ende seiner Karriere; auf Teneriffa hatte er nur einen Kurzzeitvertrag, weil sich mehrere Spieler verletzt hatten. Um so mehr freute er sich, als das Angebot aus Berlin kam. „Himar Ojeda, den ich aus Spanien kenne, hat mir nur Gutes berichtet“, sagte English, „und aus meinen vielen Jahren in Europa weiß ich um den guten Ruf von Alba.“ Nun liegt es auch in seiner Hand, ihn weiter zu verbessern.