Basketball

Elmedin Kikanovic ist Albas Mister Zuverlässig

Elmedin Kikanovic hat sich bei Alba zum besten Mann entwickelt. Gegen Bilbao will er sein Team in die nächste Eurocup-Runde werfen.

Nicht zu stoppen: Elmedin Kikanovic (l.), hier im Duell mit Bambergs Leon Radosevic

Nicht zu stoppen: Elmedin Kikanovic (l.), hier im Duell mit Bambergs Leon Radosevic

Foto: Matthias Koch

Berlin.  Elmedin Kikanovic lacht, als er von der Episode hört. „Das hat er wirklich gesagt?“, fragt der Center von Alba Berlin noch einmal nach, und dann: „Das ist ja nett zu hören von einem Mann wie Andrea Trinchieri. Er trainiert immerhin die beste Basketball-Mannschaft Deutschlands.“

Der Coach von Brose Bamberg hatte Kikanovic als Albtraum bezeichnet nach dem 89:80 der Franken und das durchaus anerkennend gemeint. Denn der 28-Jährige hatte den Gästen 32 Punkte eingeschenkt, so viele wie noch kein anderer Gegner in den 18 Saisonspielen zuvor. Nicht einmal in der Europaliga, wo der Deutsche Meister auch antritt.

Aber lange freuen mag sich einer wie Kikanovic nicht über solchen individuellen Erfolg. „Ich kann nicht glücklich sein nach einer Niederlage“, stellt er klar und hofft, „dass wir unsere Fehler jetzt abstellen. Wir haben zu viele Aufs und Abs. Wir müssen 40 Minuten lang fokussiert sein, vor allem konzentriert verteidigen“. Am Mittwoch (20 Uhr, Mercedes-Benz Arena) geht es gegen Bilbao Basket um das Weiterkommen im Eurocup. „Gewinnen wir, sind wir zu 90 Prozent weiter“, weiß der 2,10 Meter lange Hüne, „wenn nicht ...“. Das weiß er auch.

Mit 107 Punkten bester Werfer im Eurocup

An ihm soll es nicht liegen. Kikanovic ist so etwas wie die Konstante im Spiel der Berliner, Mister Zuverlässig. Nur einmal in dieser Saison gelangen ihm weniger als zehn Punkte (neun gegen Bayern München), im Eurocup waren es immer mindestens 15. Mit insgesamt 107 Punkten liegt er dort in der Korbschützenliste auf Platz eins. Sogar 33 Punkte erzielte er gegen Vilnius, das war allerdings ein Spiel mit Verlängerung. Für seine Leistung wurde er zum wertvollsten Spieler der Woche in dem Wettbewerb gekürt. Eine Ehre, die nicht oft Alba-Spielern zuteil wird.

Über die Kikanovic aber nicht viele Worte verliert. „Er ist keiner, der sich in den Mittelpunkt stellt“, sagt Alba-Geschäftsführer Marco Baldi, „eher zurückhaltend, einfach ein feiner Kerl.“ Mit seiner Frau Marina lebt der Bosnier seit gut einem Jahr in Berlin, fühlt sich sehr wohl. „Die Stadt ist toll“, sagt er, „und Deutschland ist zum Leben eines der besten Länder der Welt.“ Er kann sich auch immer besser verständlich machen, sein Deutsch ist gut genug für eine normale Unterhaltung. Jetzt macht sich bezahlt, dass er in der Oberschule die Sprache drei Jahre lang gelernt hat.

Zum privaten Glück kommt der sportliche Erfolg – auch wenn er mit Alba vermutlich nicht um den Meistertitel kämpfen wird und spielerisch in der Mannschaft jetzt noch vieles schief läuft. Vergangene Saison gewannen die Berliner in München den deutschen Pokal, Kikanovic verwandelte im Endspiel gegen die Bayern sogar einen Dreipunktewurf. Zeichen für sein feines Händchen, viele seiner Treffer gelingen Elmedin Kikanovic aus der Mitteldistanz.

In der Verteidigung noch Luft nach oben

Auch unter dem Korb versteht er sich durchzubeißen, aber es fällt ihm schwerer, denn er hat nicht das Gewicht, andere Big Men beiseitezuschieben. Viel mehr als 100 Kilogramm bringt er nicht auf die Waage. Kikanovic ist eher ein schlanker, variabler Center.

„Mit seiner Ruhe und Technik kompensiert er die fehlende Athletik“, sagt Baldi, der natürlich auch weiß: „In der Verteidigung gibt es bei ihm noch Luft nach oben.“ Derzeit profitiert Kikanovic auch von dem neuen Trainer Ahmet Caki und dessen schnellen Mannschaftsspiel. Immer wieder wird er von seinen Teamkollegen als Anspielpartner gesucht und gefunden. Und verwertet dann die Vorlagen mit hoher Zielsicherheit. Im Spiel gegen den Meister war das Caki allerdings schon fast zu viel.

„Ich habe lieber mehr Optionen“, sagte der Türke, „die brauchen wir, wenn wir uns entwickeln wollen.“ Aber was soll er tun, wenn die Schützen von außen nicht treffen – wenn sie sich überhaupt mal trauen zu werfen. So ist ein Kontrahent vom Schlage Bambergs natürlich nicht zu schlagen.

Der Center braucht die Hilfe seines Teams

Aber das ist nicht die Schuld von Kikanovic. Müssen sich andere eben mehr in den Vordergrund spielen: Ein in dieser Saison noch nicht überzeugender Kapitän Dragan Milosavljevic, die Amerikaner Dominique Johnson, Peyton Siva und Malcolm Miller zeigen längst nicht ihr wahres Potenzial, was nur verständlich ist bei Miller, der erst drei Partien nach seinem Handbruch bestritten hat.

Ihre Hilfe braucht Kikanovic auch in der Verteidigung, wo er allzu schnell von kleineren Gegnern passiert wird, die an ihm vorbei zum Korb ziehen. Doch als Caki nach den Defensivqualitäten seines besten Offensivmannes gefragt wurde, mischte sich erneut Andrea Trinchieri ein. „Hört mal, wenn er auch noch so gut verteidigen könnte wie werfen, dann wäre er Dwight Howard!“

Netter Vergleich des schlaksigen weißen Centers von Alba Berlin mit dem bulligen schwarzen Center von den Atlanta Hawks, einem der Stars in der NBA. „Dann könntet ihr ihn doch gar nicht bezahlen“, flachste der Italiener. Wenn Kikanovic so weitermacht wie bisher, wird das für Alba vermutlich ohnehin schwer werden.