Basketball

Was Tony Gaffney von Kobe Bryant gelernt hat

Tony Gaffney war der letzte Profi, den Alba vor der Saison verpflichtete. Aber in kurzer Zeit ist er ein Schlüsselspieler des Teams geworden.

Tony Gaffney hat sich als Glücksgriff erwiesen

Tony Gaffney hat sich als Glücksgriff erwiesen

Foto: imago sport / imago/Contrast

Berlin.  Bei seinem ersten Training als Basketball-Profi wollte Tony Gaffney unbedingt vor allen anderen da sein. Mal zeigen, wie ehrgeizig er ist. Die Übungseinheit der Los Angeles Lakers begann um 11 Uhr. Doch als er um 8 Uhr die Halle betrat, hörte er schon Bälle auf den Boden prallen. Gaffney staunte, als er sah, wer da trainierte: der große Star des Teams, sogar einer der Größten, die je in der NBA gespielt haben. „Teilweise muss Kobe Bryant im Gym geschlafen haben, anders geht es nicht“, berichtete er dem Fachmagazin „BIG“ von seinem Erlebnis.

Idole verbinden großes Talent mit besonderem Fleiß

Es hat ihn so geprägt wie später im Training der Boston Celtics ein gewisser Ray Allen, noch so ein Idol aus den USA, noch so eine Kombination aus riesigem Talent und ebenso großem Fleiß. „Diese beiden sind die professionellsten Spieler, die ich kennengelernt habe“, sagt Gaffney. Auch wenn er selbst nicht den Sprung in die beste Liga der Welt geschafft hat, dreimal kurz vor Saisonbeginn aussortiert wurde, so viel hat er mitgenommen: Wenn du deinen Körper fit hältst und deine Einstellung stimmt, kannst du sehr viel erreichen.

Im achten Jahr seiner Profikarriere ist Gaffney nun bei Alba Berlin angekommen. Der Amerikaner wirkt keineswegs unglücklich, weil die Gegner jetzt BG Göttingen (Sonnabend, 18 Uhr, Mercedes-Benz Arena), Bilbao Baskets oder Bayern München heißen und nicht Chicago Bulls oder New York Knicks. „Ich bin gesegnet“, sagt er, „dass ich Basketball spielen kann, was ich liebe, und dabei die schönsten Städte der Welt kennenlerne.“

Sieben Angebote anderer Klubs abgelehnt

So wie schon Barcelona, zuletzt Jerusalem, jetzt Berlin. Er sei glücklich hier, keinen Moment habe er überlegen müssen, als das Angebot kam. Im Sommer hatte er noch sieben Offerten anderer Klubs abgelehnt, weil er sich lieber mit seiner Verlobten um ihren gemeinsamen kleinen Sohn kümmern wollte. Doch weil Brandon Ashley nicht bei Alba bleiben mochte, besannen sie sich in Berlin auf Gaffney, den sie aus zwei Spielzeiten bei den Baskets Bonn kannten. Der sagte sofort ja.

Nun kann sich nicht nur der Spieler glücklich schätzen, auch sein neuer Verein: Tony Gaffney ist die Sorte Spieler, die jeder Mannschaft gut tun. Obwohl er keine Punkterekorde aufstellt. Mal fällt er durch spektakuläre Blocks auf, mal durch einen Dunking. Und wer die Statistiken des 31-Jährigen studiert, der sieht, dass er eben in verschiedenen Bereichen punktet – die meisten Rebounds hat er bisher für Alba geholt, die meisten Ballgewinne, auch die meisten Blocks.

Trübe Gedanken nach der Pleite in München vertrieben

Er ist ein grundsolider Profi, sehr erfahren, ein harter Verteidiger, der gleichwohl nicht oft foult. Obwohl er erst zwei Wochen vor dem Saisonstart zur Mannschaft stieß und noch gar nicht die perfekte Bindung haben kann, stand Gaffney in jeder Partie in der Startformation, hat mit die meisten Einsatzminuten des Teams.

„Wir sind sehr glücklich über Tony“, sagt Sportdirektor Himar Ojeda, „vor allem über seine Leistung in Bilbao.“ Alba gewann dort am Mittwoch überraschend 85:77 und vertrieb die trüben Gedanken nach dem 58:97 in München. „Er war unser Schlüsselspieler“, sagt Ojeda. Jeder im Team habe in Bilbao einen guten Schuss getroffen, einen wichtigen Rebound geholt, eine gute Verteidigungsaktion gehabt. „Aber Tony eben mehr als die anderen.“ Wie er das macht? „Ich lasse alles auf dem Feld, was ich habe, nach einem Spiel bin ich völlig platt.“ Das sehen die Fans, dafür lieben sie ihn. Nur eines macht Tony Gaffney dafür nicht mehr: drei Stunden zu früh zum Training kommen.